Ingo Schulze, Juli 2003
TransEurope-FootRace
Der "TransEurope-FootRace"
ist schon wieder Geschichte. Er wird uns aber noch lange in
Erinnerung bleiben und das soll er auch. Wahrscheinlich haben wir
alle diesen Lauf noch nicht verdaut, mir jedenfalls geht es so. Wir
hatten kaum Zeit die Eindrücke des Tages Revue passieren
zulassen, da war auch schon der Start zur nächsten Etappe.
Dieser Lauf hat uns alle auf das Äußerste gefordert.
Sport
verbindet und schafft Freunde. Bei diesem außergewöhnlichem
Lauf war es leider nicht immer so. Es gibt Leute deren Freundschaft
ich gewinnen oder festigen konnte, andere sind für mich noch
schwer einschätzbar und andere haben mir offen den Krieg
erklärt. Warum? Ich habe in der Schlussphase mehrmals betont,
dass dieser Lauf auch den einen oder anderen verändert haben
wird. Sei diese Veränderung kurz- oder langfristig. Dieses
Abenteuer dürfte wohl an niemanden spurlos vorübergegangen
sein. Es wird einige Leute für lange Zeit prägen, denn sie
haben lernen müssen, dass man auch mit wenig auskommen muss.
Dieses ist unserer Zeit eine ganz wichtige Erfahrung!
Es
wurden Berichte wurden eventuell zu früh geschrieben und die
Verfasser überlegen vielleicht, ob sie nicht doch übereilt
geschrieben haben? Nun sind diese Berichte veröffentlicht und es
ist nichts mehr daran zu rütteln. Nach so einem extremen Lauf
kommt bei den meisten die große Leere oder sie werden sogar
depressiv. Auch mir geht es so und ich wünschte, dass ich noch
eine weile Ruhe gehabt hätte. Zu viele Eindrücke habe ich
noch nicht verdaut. Ich gehe wieder meiner Arbeit nach und es kommt
mir vor, als wäre ich gar nicht fort gewesen. Andererseits waren
diese zehn Wochen eine Ewigkeit. Schade, ich hätte noch eine
Weile Schonung vertragen.
Ich
habe so ziemlich alles gelesen, was mit dem TransEurope
zusammenhängt. Erschrocken war ich über den Bericht von
Martin Wagen. Selten hat er das Wort an mich gerichtet und spricht
dann wieder von mangelnder Kommunikation meinerseits. Auf dieses
Thema werde ich noch eingehen. Ansonsten möchte ich diesen
Bericht nicht überbewerten oder mich groß dazu äußern
oder rechtfertigen. Es ist seine, hoffentlich übereilte,
Meinung. In zahlreichen Schreiben ist allerdings nachzulesen, dass er
sich mit diesem Bericht selber keinen Gefallen getan hat. Für
mich persönlich ist dieser Bericht eine persönlichen
Abrechnung. Was immer der Grund für diese Abrechnung sein wird!
Es wäre nicht weiter schlimm, wenn er mit mir eine Rechnung
begleichen wollte, aber das er auch auf Betreuer und andere
Teilnehmer losgeht, das ist ziemlich herb.
Es
gab Äußerungen die niemals nach draußen hätten
dringen dürfen, weil sie den Betroffenen durch Provokation,
Beleidigung und Diskriminierung tief verletzt haben und dieses
gehört nicht offen angeprangert. Geschriebenen Beiträge
sollten sich auf einer sachlichen Ebenen bewegen. Es ist zu beachten,
dass diese Beiträge nicht nur in Deutschland zu lesen sind,
sondern auf der ganzen Welt.
Zum
Beispiel Thema; Hiroko Okiyama + Musste das wirklich sein? Wie steht
die Frau jetzt da? Die japanische Mannschaft + Gerade mit den
Japanern hatte ich nie Probleme! oder das Ehepaar Bayer + Die Bayers
sind in Deutschland bekannt, wie bunte Hunde. Else ist aus der
Läuferwelt nicht mehr wegzudenken und wird nun so verärgert?
Ich hoffe nur, dass mir ihre Freundschaft erhalten bleibt. Mit Else
war es nicht immer leicht, aber auch sie stand unter starkem Druck.
Jeden Tag einkaufen: Habe ich auch das Richtige? Stimmt die Menge?
Aber auch die Schlepperei mit den Flaschen hat sie geschlaucht. Ja,
es hat mich auch stark getroffen und wenn ich etwas böses hätte
sagen wollen, dann bestimmt nicht mit diesem Medium. Es wurden aber
auch Läufer angegriffen. Hier wären einige Entschuldigung
fällig. Mich kann er dabei herauslassen. Ich habe es abgehakt!
Hier eine kleine Rückschau:
Jeder Lauf, jedes Unternehmen
kann verbessert werden. Man kann bis ins Unendliche verbessern, aber
perfekt wird man nie. Eine Perfektion war von mir auch nicht
angestrebt, denn das wäre wohl mehr als vermessen. Ich
versuchte nur eine gute Arbeit zu leisten. Bei aller Bescheidenheit,
die habe ich geleistet. Ich habe 50% der Angetretenen nach Moskau
gebracht und darüber hinaus einige Etappenläufer. Experten
gaben mir die Chance von etwa 13 Teilnehmern. Ich hoffte auf 15 bis
18. Es waren aber 22! Zu wenig? Der "Spartathlon" bringt
bei einem 36 Stundenlauf etwa 35% durch. Man kann es sehen, wie man
will. 50% sind bei so einem Lauf ein enormes Ergebnis und darüber
freue ich mich.
Im Großen und Ganzen kann
ich zufrieden sein. Was hatte ich in der Ausschreibung versprochen?
"Abenteuer pur" Einige können mit diesem
Wort nicht umgehen, sonst hätten sie nicht nach warmen Duschen,
Morgenkaffee usw. gejammert. "Wenn keine Unterkünfte
vorhanden sind, dann wird im Zelt geschlafen" Wie
viele Übernachtungen gab es in einem Zelt? Keine! "Wenn
mal keine Verpflegungsmöglichkeit besteht, dann gibt es
auch mal Wurstbrote am Abend" Gab es so etwas? Die Leute
wurden in Spanien und Frankreich ins Restaurant geführt und
hatten es zum Teil nicht einmal nötig, dass sie Ihr Bier selber
zahlten! "Es war für das Gepäck ein Höchstgewicht
von 25 kg festgelegt" Mir ist klar, das da auch
leicht 30 kg zusammenkommen. Was kam da an Gepäck bei einigen
Leuten zusammen? Da hatten Leute zwei riesige Reisetaschen und einen
Rucksack. Die Reisetaschen mussten oft von zwei Personen geschleppt
werden! Andere hatten riesige Schrankkoffer, bei denen man sich
beinahe einen Bruch hob. Ich habe beide Augen zugedrückt!
Ich habe die versprochenen
Leistungen erbracht. Hier eine kurze Aufzählung: "Frühstück"
Hier wurde mir bestätigt, dass dieses soweit in Ordnung war.
"Streckenversorgung" Diese wurde ständig
verbessert. Es gab sogar Wackelpudding und ähnlich
überflüssiges Zeug, was wohl sehr schmackhaft ist aber vom
Ernährungswert absolut Null. Ich hatte hochwertige Müsliriegel
auf Bananebasis, aber die schmeckten natürlich nicht so gut,
wie Wackelpudding. Es gab ein Sportlergetränk, welches
allerdings den Nachteil hatte, dass es in der Flasche schäumte.
Man hätte dieses aber vernünftiger Weise an den
Versorgungsstellen trinken können. Was aber wurde verlangt?
Lauter Zeugs was keinerlei Stoffe enthielt, was der Läufer
wirklich brauchte. Insgesamt gesehen war man aber auch mit der
Streckenversorgung zufrieden. "Streckenmarkierung"
Kein Kommentar, denn diese wurde durchweg gelobt. "Abendessen"
In der Ausschreibung stand, dass ich für Qualität und
Quantität nicht immer garantieren kann. Als ehemaliger
Schiffskoch und Zeitsoldat weiß ich, dass man es mit dem Essen
niemanden recht machen kann. Beim Bund gab es nur "Schweinefrass",
was man allerdings erst nach dem dritten Nachschlag feststellte. Als
Schiffskoch sagte man mir, dass ich besser Teerkoch auf der Autobahn
werden sollte. Auch dieses stellte man erst nach dem dritten
Bäuerchen fest.
Verpflegung: Hier mal ein
paar ganz deutliche Worte. Es fängt beim Frühstück
an. Der Bäcker stellt den Korb mit Brötchen hin und die
Ersten nehmen sich fünf oder mehr Brötchen, um sie in
ihrem Rucksack verschwinden zu lassen (Ich habe es gesehen!) An den
Verpflegungsständen greift man wahllos in die liebevoll
zubereiteten Schalen und nimmt sich, was man in zwei Händen so
gerade noch greifen kann und wirft einen Teil achtlos in die Büsche
(Mehrmals Beschwerden der Betreuer) Zum Abendessen gab es zum
Beispiel Schnitzel, Gemüse, Kartoffel und Salat. Was machen
einige nette Zeitgenossen? Sie greifen sich zwei oder sogar drei
Schnitzel und lassen zwei davon unter dem Salat verschwinden. Eine
russische Helferin hat sich über diese Barberei so geärgert,
dass sie am liebsten geschmissen hätte. Dieses ist keine
Anklage, sondern es sind Fakten!
In Russland musste
das Essen folgendermaßen bestellt werden: ?kg Kartoffel, ?kg
Fleisch, ?kg Gemüse usw. Die Bestellung dauerte nicht selten
zwei Stunden. Dann wurde die Rechnung erstellt. Hier noch einmal
eine Stunde und mehr. Dann wollten wir eine Rechnung haben. Antwort:
Dann kommen sie Morgen wieder, dann ist die Dame vor Ort, die eine
Rechnung ausstellen darf. Es wurde zum Frühstück 1 ½
kg Käse bestellt. Geliefert wurde ½ kg. Nachfrage: Wir
hatten nicht mehr! Weitere Nachfrage: Und der Preis? Was denn für
ein Preis? Man sagte mir, dass ich dann eben mehr Geld ausgeben
müsste! Ich weiß das ein Brötchen 0,03 €
gekostet hat. In einer sogenannten Raststätte aß ich für
1,40 € und hatte noch eine Cola und einen Kaffee dabei. Für
Abendessen zahlte ich um einiges mehr und was auf dem Teller war,
war mit dem, was ich für 1,40 € hatte, nicht vergleichbar.
Ich sage es ungern, aber ich muss das Wort "Abzocken"
gebrauchen. Fakt ist: Es hatte jeder sein Frühstück,
Streckenverpflegung, Getränke und sein Abendessen. Ich hatte
auch in der Ausschreibung darauf hingewiesen, dass für
Zusatzversorgung selber zu sorgen ist. Nur wenige Teilnehmer sind
Abends zum Supermarkt gegangen, der oft gleich nebenan zu finden
war. Man erwartete einen 24 Stundenservice und sparte, die von mir
vorgeschlagenen 500 Euro. Also 2.970 Euro Vollverpflegung mit allem
drum und dran? Da ist doch ein Lauf in Marokko für das gleiche
Geld für sechs Tage und Eigenverpflegung und nur
Wasserversorgung preiswerter! Leute, ich habe mehr geleistet, als
ich versprochen habe und dieses wurde gerade in den ersten Tagen und
Wochen immer wieder bestätigt. Im laufe der Zeit wurde dieses
allerdings zu einer Selbstverständlichkeit. Man hört es
nicht gern, aber in dieser Beziehung wurden die Leute verwöhnt
und ich hatte ab Osteuropa deshalb so meine Probleme.
Man kam mir mit dem
hervorragend organisierten "TransAmerika-Lauf 2002"
Schön, wenn dieser so hervorragend organisiert war. Ich werde
es das nächste Mal auch versuchen und es wird klappen, darauf
mein Wort. Nur: Es wird dann aber kein "Neckermannlauf"
wie beim TransEurope, sondern es gäbe dann ein sehr kleines
Teilnehmerfeld, was organisatorisch auch besser zu betreuen wäre.
Weiter im Text: 2.970,00 Euro? Das geht wohl nicht. Wie dann? Die
Amis und auch die Australier haben es vorgemacht: +Jeder bringt
seine eigene Betreuermannschaft mit + Jeder hat sein eigenes Auto,
Wohnmobil oder desgleichen + Jeder ist für seine Versorgung
selbst zuständig + Der Veranstalter kann natürlich auch
die Unterkünfte im Hotel buchen, was natürlich zu Lasten
des Teilnehmers geht! Wer kann sich diesen Lauf aber leisten? Siehe
USA 2002: 9 Japaner, 1 Schweizer und 2 Amis? Der "TransEurope"
war ein "arme Leute Lauf" Das ist nicht abfällig
gemeint, aber ich wollte hier auch Leuten die Chance geben, an einem
Kontinentallauf teilzunehmen, den sie finanzieren können. Er
ist mit Startgeld, Transfer usw. ja auch immer noch teuer genug,
aber erschwinglich! Beim "TransEurope" hattet ihr den
Kopf frei. Also nur: Laufen, Schlafen, Essen, Laufen!!
Hier noch etwas: Das Unternehmen
wurde nahezu ohne Sponsorengelder durchgeführt!!! Es gab einige
Leute die mich ermunterten für alles mögliche zu
investieren. Wenn ich zögerte, so stellte man mich als
Kleinkrämerhaft hin. Man sicherte mir von verschiedenen Seiten
zu, dass die Gelder nur so fließen, Gelder? Ich bin heute
froh, dass ich so wirtschaftete. Die Endabrechnung lässt sicher
noch auf sich warten, denn es werden noch Forderungen kommen, mit
denen ich noch nicht rechne. Ich bete nur, dass die Rechnung plus
Minus Null aufgeht. Mein Kassenwart sieht allerdings dunkle Wolken
auf mich zukommen und ich hoffe dabei auf Aufheiterung.
Zu allem Überfluss bin ich
auch noch der 1. Vorsitzende des "TransEuropa-Lauf e.V."
und habe diesen Verein aufbauen müssen. Einige Leute werden
wissen, was dieses in der Anfangsphase bedeutet. Dieses ist
natürlich eine denkbare schlechte Konstellation: Rennleiter und
1. Vorsitzender. Zu oft waren mir deshalb beim Unternehmen die Hände
gebunden.
Streckenbeschreibung und
Streckenlänge: Es ist nicht nur ärgerlich, sondern auch
frustrierend, wenn die Streckenlänge nicht stimmt und einem auf
halber Strecke gesagt wird, dass noch einmal drei oder noch mehr km
hinzukommen. Was aber noch schlimmer ist, wenn man es kurz
Etappenziel erfährt oder es selber merken muss. Sagt nichts: Es
ist ärgerlich und man könnte die Wände hochgehen oder
den ganzen Kram hinschmeißen! Jetzt aber die Verteidigung: Auch
wenn sie für euch dünn erscheint. Du bekommst eine Halle
zugewiesen und wenn du vor Ort bist, dann wird dir gesagt, dass man
nun doch eine andere Unterkunft hat. Diese liegt dann natürlich
nicht auf der Strecke. Man ist aber froh, dass man überhaupt
eine Unterkunft hat. Noch schlimmer aber, was mir mehrmals passiert
ist: Ich hatte nur die Adresse vom Rathaus (mehr war im Vorfeld nicht
drin) Als ich dann vor Ort war, hat man beraten, welche Halle für
mich am günstigsten wäre. Wer hätte hier in meiner
Haut stecken wollen?
Der Streckenverantwortliche traf
bei seiner Erkundung, ein Jahr zuvor, auf eine Baustelle oder
Umleitung und musste die Entfernung schätzen. Dumm gelaufen,
aber als nicht Einheimischer ist es nicht unbedingt leicht. Es können
auch andere unvorhergesehenen Dinge eintreffen. Ganz schlimm war es
in Belarus und der Russischen Föderation. Die Etappenziele lagen
lange fest. Per E- Mail erfuhr ich von Änderungen, vor Ort noch
einmal Änderungen. Die Streckenlänge? Na ja, so ungefähr?
Aber so genau weiß ich es auch nicht! Ich stand jedes mal
Schweißüberströmt da, wenn ich das Etappenziel
erreichte und wieder feststellen musste, dass die Strecke nicht
stimmt. Hier war dann ein ganz schlauer, der mir riet die Strecke
jeden Abend noch einmal abzufahren. Kommentar überflüssig!
Einen ganz heißen Tipp erhielt ich in Frankreich. Hier wurde
ich sogar massiv angegriffen. Es wurde mir vorgeschlagen, dass ich
bei den langen Etappen einige km herausnehmen sollte. Selten so
gelacht, wie vorgestern! Wir kommen in Moskau an und sagen, dass wir
durch Europa gerannt sind, und weiter? Es war im weitem Vorfeld
bekannt, was auf die Läufer zukommt und nun soll ich feilschen
wie auf einem türkischen Basar?
Leute,
ich habe wegen der Streckenänderungen eventuell mehr gelitten
als ihr. Ihr seit die Strecke gelaufen, habt geflucht und euch dann
missmutig auf die Matte gelegt. Ich, so glaubt mir, habe oft nicht
schlafen können, habe vor Frust das Abendessen ausfallen lassen,
weil mich das Gewissen plagte. Lacht da jemand? Jawohl Gewissen!
Wahrscheinlich bin ich als Veranstalter nicht abgebrüht genug
und sollte mehr Gelassenheit an den Tag legen. Machen aber nicht
gerade Emotionen den Menschen so menschlich?
Athletenrat: Hier eines
vorweg; Die ersten Tage herrscht natürlich dicke Kameradschaft.
Gerade beim TransEurope war aber schnell zu merken, dass schon nach
kurzer Zeit die Positionskämpfe einsetzten. Schon sehr früh
wollten viele ihr eigenes Rennen laufen. Etwa am 13. Tag herrschte
eine Saustimmung und ich rief eine Sitzung ein. Hier wies ich mal auf
einige Punkte der Satzung hin. Es tauchten erstaunlicher Weise nur
weinige Fragen auf. Einer zeigte sich entrüstet über die
nicht Läufergerechte Verpflegung. Hier konnte ich nur
versprechen, dass ich auf mehr Nudeln usw. achte. Ich schlug die Wahl
eines Athletenrates vor. Es wurden einige Stimmen abgegeben aber das
Interesse war nicht so groß. Jeder wollte sein Rennen und seine
Ruhe. Zum Überfluss habe ich auch noch die Liste am nächsten
Morgen hängen lassen. Tagelang machte ich mir Gedanken darüber,
wie ich die Wahl nachvollziehen kann. Ich hätte mir den ganzen
Mist sparen können. Es tauchte nicht einmal die Frage nach dem
Ergebnis auf. Jetzt natürlich wieder ein heißes Thema! Ich
gebe euch natürlich recht, wenn ihr sagt, dass so etwas
unabdingbar ist. Meine persönliche Meinung aber: Es wäre
wichtig für die Leute gewesen, von so einem Athletenrat zu
wissen. Ich glaube aber kaum, dass dieser wirklich zum Tragen
gekommen wäre. Ich kann mich irren und werde, wenn ich mal
wieder auf solchen verrückten Gedanken komme, diesen von
vornherein einberufen.
Die Person Ingo Schulze:
Ich habe mich intensiv beinahe zwei Jahre darauf vorbereitet, nachdem
Manfred Leismann mit dieser Sache an mich herangetreten ist. Es war
für uns beide ein Traum. Er, weil er einen Kontinentallauf
bereits in den USA bestritten hatte und für mich war dieser
Traum noch in einer Schublade. Diese Schublade schloss ich schon vor
Jahren, weil mir klar war, dass kein Mensch so blöd ist, so
einen Lauf zu organisieren. Ich machte mir schon vor langer Zeit so
meine Gedanken. Von Nord nach Süd wäre vielleicht noch OK,
aber von Südwest nach Nordost, nach Moskau? Warum gerade Moskau?
Was solls, warum auch nicht!
Ich habe Erfahrungen beim
"Deutschlandlauf 1998" und beim "Spreelauf"
2000, 2001 und 2002 sammeln können. Diese Erfahrungen kamen mir
beim "TransEurope-FootRace"
Verpflegung; Hier hatte
ich mich bereits ausgelassen. In Portugal, Spanien, Frankreich,
Belgien, Deutschland und Polen bestellte ich für die vorhandenen
Personen und legte noch einmal für fünf bis zehn Personen
drauf. Es reichte dann oder aber auch nicht. Ich aß prinzipiell
als letzter und begnügte mich dann oft mit einigen Salatblätter.
Das war für mich OK, denn erst meine Teilnehmer. Ich konnte
immer noch einen Riegel essen. In den oben genannten Ländern
wurde oftmals in Restaurants gegessen. Es gab oft Vorsuppe und
Nachspeise. Das war natürlich recht nobel! Ab Belarus war das
halt nicht mehr möglich. Wir waren in Osteuropa und jeder sollte
wissen, dass es hier anders aussieht, als bei uns. Ich musste das
Essen, wie oben bestellen. Wenn ich 20 kg Kartoffel brauchte, wozu
sollte ich 30 kg bestellen, wenn ich mit 20 kg hinkam?
Unterkunft; Ich war doch
froh, dass ich überhaupt eine Halle oder ähnliches bekam.
Hauptsache für mich war doch, das alle ein Dach über den
Kopf hatten! In der Regel waren die Unterkünfte auch OK, aber
wenn es mal nur eine winzige Halle gab oder auch, was viel schlimmer
war, eine total verdreckte, was sollte ich da machen?
Kilometerangaben; Ja, ich
weiß dass so etwas ärgerlich ist. Auf der anderen Seite
kannst du auch nicht durch Europa laufen und der Veranstalter
versichert dir jeden Tag, dass es genau die km Angabe ist, die du
auf deiner Beschreibung vorfindest. Wir haben hier nicht die Route
66 vor uns gehabt. Wir sind auch nicht schnurstracks durch
Australien gelaufen. Ich konnte die Teilnehmer auch nicht immer dort
starten lassen, wo sie am Abend zuvor aufgehört haben. Das
hätte einen wahnsinnigen Transfer nach sich gezogen und die
Fahrzeuge hatte ich nicht! Höre ich da: Ingo, dann musst du
halt dafür sorgen? Leute, ich war froh, dass ich überhaupt
so viele Helfer hatte –viele ?- Zur Strecke habe ich mich
aber auch schon oben ausgelassen. Ich weiß ........,
Scheibenkleister!
Verpflegungsstationen; Um
die musste ich mich kaum kümmern. Die Betreuer waren
eingespielt und es war eine Freude, wie das geflutscht ist. Es kam
aber auch vor, dass jemand zwei km zu früh oder zu spät
aufgebaut hatte. An warmen Tagen wurde dann eben eine unbemannte
Stelle aufgebaut. Ansonsten gab es hier alles was das Herz erfreute
(wenn auch nicht immer Läufergerechtes, sondern eher etwas für
Schleckermäuler)
Es wurde der
Informationsfluss mehrmals beklagt; Es stand doch alles in der
Ausschreibung, sollte ich diese jeden Tag wieder vorlesen? Ich habe
etwa alle sechs Wochen einen Informationsbrief herausgegeben.
Während des Rennens wurde mir mehrmals gesagt, dass man das
alles nicht gelesen hat und man wird schon noch früh genug
erfahren was Sache ist. Ich hatte einige Ansprachen in den
Turnhallen gemacht. Gern hätte ich dieses öfter getan,
aber wir waren oft in winzigen Hallen oder auf Zimmer verteilt. Wäre
es für den Läufer sehr angenehm gewesen, nachdem er etwa
80 km gelaufen ist, sich noch irgendwelche Ansprachen anzuhören?
Ich jedenfalls wäre froh gewesen, wenn ich meine Ruhe gehabt
hätte! Welche Informationen hattet ihr noch haben wollen? Jeder
weiß wie schwierig es war, wenn ich mal alle aus irgendeinem
Grunde zusammenhaben wollte. Ich hatte es immer damit begründet,
dass noch einige auf der Strecke sind oder sie waren unter der
Dusche oder aber sind erschöpft eingeschlafen.
Ich sollte morgens etwas über
das Streckenprofil und Änderung der Streckenlänge sagen:
Das Streckenprofil wurde oftmals in der Streckenbeschreibung
beschrieben und ich war noch nie vor Ort und konnte darüber
nichts sagen. Ich wusste doch auch nicht schon am Morgen, ob es nun
82 oder 84 km waren. Mir wurde auch der Vorschlag unterbreitet, dass
ich die Strecke am Abend zuvor abfahre und prüfe. Nun mal
Ehrlich: Ich fahre 82 km hin, irgendwo verfahre ich mich noch und
suche irgendeinen Ausgangspunkt, um noch einmal zu vermessen, dann
fahre ich 82 km wieder zurück. Jetzt kann ich bestätigen:
jawohl, es sind 82 km und keine 84. Sind es wirklich 84 oder habe ich
mich bei der Verfahrerei vielleicht doch vertan? Dann war alles
umsonst! Nächsten Tag fahre ich die gleiche Strecke voraus und
bete, dass meine Überprüfung stimmt. OK, gehen wir davon
aus, dass sie stimmt.
Als Veranstalter habe ich es als
meine Pflicht gesehen, wenn ich vor Ort alles geregelt hatte, dass
ich wieder auf die Strecke gehe. Dieses kam gerade bei den
Versorgungsstellen gut an. Hier hatte ich endlich die Möglichkeit,
mich in aller Ruhe um die Betreuer zu kümmern und mich das deren
Wohlergehen erkundigen. Was mir bei meinem Abfahren der Strecken
enorm auffiel und das können auch meine Beifahrer bestätigen:
Wenn immer ich fragte, ob alles OK ist, wurde mir freundlich
zugewunken; Ingo, alles klar. Hier hörte ich selten mal ein
böses Wort. Diese kamen erst im Zieleinlauf. Logisch, jetzt
waren sie kaputt und total am Ende. Da hieß es für mich
schon mal in Deckung zu gehen.
Delegieren: An wen hätte
ich wohl delegieren sollen? Betreuer waren oftmals Ehegatten und
diese wollten sich um ihre bessere Hälfte kümmern, was ja
wohl verständlich ist. Wie viele Leute hatte ich zur Verfügung?
Jemand der den ganzen Tag für den "TransEurope"
bekommt von mir noch gesagt, was er sonst noch tun könnte.
Einige haben schon mehr geleistet, als ich erwarten konnte.
Ich habe allerdings auch mehrfach
versäumt nicht uninteressante Meldungen herauszugeben. Ich habe
es schlichtweg vergessen, Stress, Überforderung, was solls, ich
habe es verschwitzt! Gibt es aber nicht aber auch so etwas, wie eine
Holschuld? Ohne meine Schuld abzuwälzen, aber auch der
Teilnehmer oder Betreuer hätte mich mal darauf hinweisen können.
Meine Leistungen die ich
eingebracht habe: + Gründung eines Vereins + Erstellen einer
Vereinssatzung, Ehrenordnung, Beitragsordnung usw. + Es mussten
Bestanderhebungen gemacht werden + Sitzungen einberufen und vieles
mehr, was ein Verein so mit sich bringt + Erstellen einer Satzung für
den TransEuropa-Lauf + Erstellen einer Broschüre, welche alle
drei Monate überarbeitet wurde + Führen sämtlicher
Datenbanken + Anwerben von Teilnehmer und Betreuern +
Fahrzeugbeschaffung + Beschaffung der Ausrüstung+
Nacharbeit: Fahrzeuge
wieder abgeben, Material entsorgen, Erstellen der Urkunden und
Ergebnislisten, Dankschreiben an Betreuer und Sponsoren erstellen,
eine Menge Fragen beantworten + + + + .
Was sonst noch interessieren
dürfte: Ich habe mein Lauftraining in den letzten vier
Monaten vor dem Lauf auf nahezu Null gesetzt. Für mein
Wohlbefinden war es keine Wonne + Ich habe in diesen Monaten bis zu
210 Stunden am PC gesessen. Die gesamte Vorbereitung dauerte 22
Monate. In dieser Zeit habe ich an maximal vier Wettkämpfen
teilgenommen + All diese Dinge habe ich gern getan, denn ich wusste,
dass über 40 Teilnehmer meinen eigenen Traum laufen werden. Für
mich wird es ein ewiger Traum bleiben. Als Veranstalter konnte ich
keinen Sponsor suchen. Damit ich während des Rennes finanziell
etwas Beweglich blieb, bat ich in einer Sitzung darum, dass ich für
die Zeit etwas entschädigt werde. Dieser Betrag fällt in
meine nächste Steuererklärung. Der Betrag wurde auch
unterwegs zum Großteil aufgebraucht, durch Speiseeis für
die Läufer, hier mal ein Kaffee und dort mal etwas für die
Betreuer usw. Der Lauf lief unter dem Namen "TransEuropa-Lauf
e.V." und da muss ich entsprechend abrechnen, um die
Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren. Ich war also in der Ausgabe
des Geldes sehr eingeschränkt und habe es dann aus
Bequemlichkeit von meinem eigenen genommen. Nun warte ich die
Endabrechnung ab und hoffe, dass ich mit heiler Haut davonkomme.
Der nächste
TransEuropa-Lauf, wenn NEIN, warum nicht?:
In 10 Jahren oder noch früher?
Durch wen?
Unter dem Strich bin ich gar
nicht einmal so schlecht weggekommen. Es gibt sogar Leute, die
erkannt haben, dass Europa nicht Amerika oder Australien ist
(Grenzen, Währungen ect.) Im Vorfeld bekam ich sehr viel
Zustimmung und Lob für die umfangreiche Arbeit. Es gab so viele
Informationen, dass man mir unterwegs sagte, dass man das alles gar
nicht gelesen hat!
Ich werde möglichst nie
mehr für die Versorgung zuständig sein müssen. Dieses
Thema wird mit jedem Jahr heikler, so dass ich schon überlege,
den "Spreelauf" in einigen Jahren einschlafen zu lassen,
denn die Erwartungshaltungen erdrücken einem inzwischen.
Was kann ich einem Nachahmer mit
auf dem Weg geben? Ich habe versucht einen Lauf für arme Leute
zu organisieren. Also 45 Euro mal 66 Tage und alles soweit inklusiv.
Diese Rechnung geht nicht auf: Also, mache es wie die Amis oder
Australier: jeder bringt seine eigene Mannschaft und Fahrzeug mit.
Für das Futter sorgen die dann selbst. So gesehen wäre der
Lauf für mich Kinderleicht gewesen. Vor allem, lieber
Veranstalter, mache dir weniger Stress, denn das wird nicht
anerkannt. Ingo Schulze hat morgens die erste Gruppe gestartet, hat
dann noch einige Dinge erledigt und hat dann das Feld von hinten
aufgerollt und nach jedem einzelnen Teilnehmer geschaut. War jemand
am Hinken, so habe ich mich nach seinem Wohlsein erkundigt. Im
Etappenziel angekommen, habe ich mich um die zugesicherte Unterkunft
und Verpflegung gekümmert. Dieses ging mal schnell oder ich kam
in Zeitdruck. Zwischendurch kamen natürlich immer wieder
Nachfragen von der Presse, Familienangehörige usw. Es wurde
dann Zeit, dass ich den Teilnehmern wieder entgegen fuhr. Ich wollte
ja wissen, wie es ihnen geht. Am späten Nachmittag war meine
Hauptarbeit dann abgeschlossen und ich konnte mich um Dinge kümmern,
die schief gelaufen sind usw. Dann war auch schon das Abendessen
angesagt. Oftmals hatte ich dafür keine Zeit, weil irgendjemand
nach einer Information gefragt hatte oder ich hatte ganz einfach die
Schnauze voll und verzichtete auf das Essen. Zweimal habe ich dafür
zahlen müssen, aber das ist hier meine eigene Sache und möchte
hier kein Mitleid erregen. Dann war auch schon Schlafenszeit
angesagt.
Lasst
um Gottes Willen Osteuropa weg. Klar, es ist machbar, dass wurde ja
jetzt bewiesen. Denkt aber an den Aufwand und Kosten. Es wurde
mehrmals die Präsenz der Miliz gelobt. Ja prima, man fühle
sich einerseits sicher, was wäre aber ohne deren Präsenz
gewesen? Ständig mussten die Autos nachts bewacht werden. Einmal
hatte ich keine Bewacher. Es war an einem Tag, an dem ich mich mal
früh hinlegen wollte. Ich fuhr zur Polizei, um das zu regeln. Ab
Polen schlief ich generell im Auto.
Lieber Nachahmer, dass meiste von
dem was ich tagsüber gemacht habe kannst du beruhigt vergessen.
Erst einmal merkt es niemand und zum Zweiten, wozu? Lass dich
möglichst wenig sehen, dann bist du weniger angreifbar und du
kannst Kraft für andere Dinge schöpfen.
Also,
liebe Läuferwelt, ich möchte mich hier ganz offiziell vom
"TransEurope-FootRace" verabschieden und werde wieder
meinen "Nordstetter Schlosslauf" im April 2004 über
12,5 km machen. 2004 steht auch wieder der "Spreelauf"
an. Mein geplanter "Deutschlandlauf 2005" wandert lieber
wieder in die Schublade. Nein, es ist keine Feigheit, sondern ein
gesunder Selbsterhaltungstrieb. Seit einigen Tagen trainiere ich
wieder meine müden Knochen und versuche 2004 wieder in die
Ultraszene einzusteigen. Ich bin mit 55 Jahren noch zu jung, um mich
in der Szene abzumelden!
Es
ist ganz einfach so: Du kannst heute nicht einmal einen Volkslauf
machen, wie noch vor einigen Jahren. Seht euch die Startfotos an.
Jeder schaut auf seine Stoppuhr und da habe du mal als Starter einen
nervösen Finger! Den "Deutschlandlauf 1998" habe ich
noch mit äußerst bescheidenen Mitteln gemacht. Wenn ich
daran heute denke. Mann, dass sind erste fünf Jahre her. Auch
Veranstalter müssen umdenken und mit der Zeit gehen, aber die
Entwicklung hat uns bereits eingeholt.
Noch
zum Abschluss: Die Siegesfeier war auch nicht gerade nach meinem
Geschmack. Dem Beobachter dürfte aber auch aufgefallen sein,
dass ich hier wenig Chancen hatte, ein wirklich knalliges Ding
aufzuziehen. Hier auch kurz der Zieleinlauf erwähnt: Das ich die
15 km am letzten Tag herausgenommen habe, war keine "Räuberpistole"
mir wurde von einer angereisten Journalistin gesagt, dass ein
umgekippter LKW die Straße versperrt. Ich war etwas zornig,
obwohl ich daran auch nicht ändern konnte. Alternative? Die
Läufer sollten irgendwo durch die Pampa und wären dann etwa
drei km mehr unterwegs gewesen. Die Fahrzeuge aber hätten einen
riesigen Bogen fahren müssen. Es erschien mir das Vernünftigste,
diese 15 km herauszunehmen. Die Entscheidung ist aus spätere
Sicht auch sehr gut gewesen, ob nun mit LKW oder ohne.
Ja,
der Zieleinlauf. Die Teilnehmer und Betreuer liefen im Pulk und die
Polizei vorweg. An einer Kreuzung versuchte ich herauszubekommen, wo
nun der "Verneigungshügel" ist. Laut der Skizze, die
man mir am Abend zuvor gezeigt hatte, hätte es noch geradeaus
gehen müssen und dann rechts. Die Polizei leitete uns aber
gleich nach rechts und sofort wieder links. Eine Korrespondentin von
der ARD bezweifelte diese Streckenführung ebenso wie ich. Nun
waren wir vor dem sogenannten "Verneigungshügel" die
Beschreibung passte auch irgendwie. Hier ließ ich die Läufer
einlaufen und verließ sie dummerweise, denn hier KONNTE es
nicht sein. 400 Meter weiter standen etwa 30 Journalisten und
warteten auf die TransEurope- Läufer. Schei..... , ich also den
kürzesten Weg, dorthin, wo meine Truppe sein sollte. Prima, sie
waren noch alle beieinander. Schnell eingesammelt und zum letzten
Start. Ich bin dann vorweg, um sie ins Ziel zu führen. Dieses
war auch für mich ein bewegter Augenblick. Der Zieleinlauf nicht
ganz geglückt. Was war hier aber so schlimm Herr Wagen? Wurdet
ihr nicht im Ziel dafür entschädigt? Kameras,
Blitzlichtgewitter! Man so etwas erlebt sonst nur Schumi!
Es
ging dann mit dem Bus zum Roten Platz. Auch hier habe ich wieder Mist
gebaut. Ich hatte vergessen den Leuten eine Zeit mitzugeben bevor die
sich den Ort anschauten. Ich war doch von der ganzen Sache genauso
überwältigt. Der Gedanke kam noch hinzu, dass ich es
wirklich geschafft habe, die Meute ohne große Zwischenfälle
nach Moskau gebracht zu haben und meine Arbeit beinahe abgeschlossen
ist. Man, war das ein Gefühl. Die Presse saß mir im Nacken
und wollte auf dem Roten Platz die Siegerehrung. Klar, hier konnte
man eine Siegerehrung zwar unter erschwerten Bedingungen machen, aber
gleichzeitig hatten wir die richtige Kulisse. Die Durchführung
fiel mir sehr schwer, denn wie jeder erkennen konnte, war ich
gesundheitlich sehr angekratzt und meine Stimme war manchmal kaum
noch zu hören. Es bekam jeder seine Medaille und wir konnten
zahlreiche Fotos vor dem Kreml machen. Das war es doch, was wir
wollten!
Dann
ging es zur Firma BAYER. Man war das ein Festschmaus. Vorher jedoch
hielt jedoch der Geschäftsführer, Herr Harder eine
Ansprache und dann durfte ich noch einmal ran. Ich verkündete
noch einmal die Namen der 22 durchgekommenen und die Namen der
Etappenläufer. Die Betreuer nannte ich nicht mehr namentlich,
weil ich dieses schon auf dem Roten Platz getan habe. Ich wollte das
ganze auch nicht in die Länge ziehen, denn ich bemerkte schon
die ersten Unaufmerksamen die lieber mit dem Nachbarn tuschelten. Ein
riesiges Feuerwerk usw. dass wäre es gewesen. Es war leider
nicht möglich, wer hätte es auch bezahlen sollen?
Am
nächsten Tag wollten wir mit einer großen Truppe zum
"Olympischen Lauf" oder so ähnlich und am Abend war
ein Besuch bei der Deutschen Botschaft angesagt. Ich nahm an beidem
nicht teil, was mir einige Leute verübelten. Hier ganz klar: Ich
bin hier niemandem Rechenschaft schuldig gewesen. Meine Arbeit war
mit der Einnahme des Frühstücks abgeschlossen. Ab diesem
Zeitpunkt war ich wieder der Privatmann Ingo Schulze. Es bestand für
mich lediglich eine moralische oder gesellschaftliche Verpflichtung.
Ich war gesundheitlich angeknackst und außerdem hatte ich jetzt
nur noch einen Wunsch; Ab nach Hause! Ich war über mich selbst
erstaunt. Es zählte nach 10 Wochen plötzlich jede Minute.
Einigen anderen erging es ebenso, obwohl diese mir Tage zuvor ins
gewissen geredet hatten, dass ich bis Montag bleibe.
Was
soll ich noch sagen?
Ich
bin glücklich, dass alles vorbei ist.
Ich
bin glücklich, dass es so viele geschafft haben
Jeder
der durchgekommen ist, kann sich damit schmücken, dass er den
"TransEurope-FootRace" bestanden hat. Man wird euch noch
lange feiern
Ja,
ich bin stolz darauf, wenn jemand sagt:" Ingo, ohne dich wäre
dieser Lauf nie zustande gekommen!"
Wird
es jemals einen zweiten "TransEurope-FootRace" geben?
Lasst
mir noch bitte Zeit, um die Urkunden zu erstellen. Auch andere
Forderungen werde ich bis spätestens August erledigt haben.
Sehen
wir uns mal wieder?
Mit
den besten Grüßen
Euer
Ingo
©
Ingo Schulze, im Juli 2003