Zufälliges Zitat

"Schmeckte wie vorher, also habe ich es wieder runter geschluckt"

Christine K. über das "wiedergekommene" Powergel

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de zum Treppenlauf als Doppeldecker:
Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de , 22.04.2005

„Lhagyelo“ -Die Götter haben den Aufstieg erlaubt

1. Mount Everest Treppenmarathon am 16.04.2005 in Radebeul bei Dresden.

Es begann mit einer kurzen News Meldung auf der Ultra Internetseite „Steppenhahn“. Dort wurde ein Ultralauf in Radebeul ausgeschrieben. Ziel dieses Laufes war es, innerhalb von 24 Stunden einen Doppelmarathon inklusive 8848 Höhenmetern zu absolvieren. Dies entspricht exakt der Höhe des Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde. Und weil das noch nicht schwierig genug war, sollte die Strecke auch noch auf einer Treppe zurückgelegt werden. Dies bedeutete, dass die an einem Weinberg gelegene Spitzhaustreppe 100-mal überwunden werden musste. 40000 Stufen, 8848 Höhenmeter und jeweils ein Marathon bergauf und bergab ergeben in der Summe 80000 Stufen, 17696 Höhenmeter und einen Doppelmarathon innerhalb eines Zeitraumes von 24 Stunden. Klingt doch interessant, oder? Mich jedenfalls sprach diese Meldung sofort an. Der Mount Everest begeisterte mich schon als Kind und eine solch außergewöhnliche Leistung erst recht. Ich fragte mich, ob irgendjemand das innerhalb von 24 Stunden schaffen könnte. Der Veranstalter gab in seinen Wettbewerbsbedingungen vor, dass dann, wenn niemand zeitgerecht den Gipfel erreicht, die bis dahin zurückgelegte Strecke für die Platzierung zählt. Zweifel kamen in mir auf.

1852 vermaßen indische Ingenieure mittels Triangulation im Himalajagebirge zur Grenze von Nepal einen Berg mit 8840m Höhe. Zunächst Peak XV genannt wurde dieser höchste Berg später nach dem Leiter der Indischen Vermessungsbehörde Oberst Sir George Everest benannt. Die Nepalesen nennen den Berg „Sagarmatha“ und der tibetische Dalai Lama nennt ihn „Chama-Lung“, die Göttin Mutter des Landes. Die Tibeter nennen ihn Chomolunga, die „unerschütterliche gute Elefantenfrau“. Er ist die Wohnstadt der wohltätigen goldenen Schutzgöttin Miyo Langsagma, die auf einem Tiger reitet und Beschützerin der Bauern und Yaks ist. Doch diese Namen waren den britischen Besatzern Indiens bis 1921 nicht bekannt. Überall in dieser Region, wo der buddhistische Glaube fest verankert ist, sieht man viele bunte Fahnen an langen Seilen flattern. Jede Farbe hat ihre spezielle Bedeutung. Blau steht für das Element Wasser, Weiß für Raum, Rot für Feuer, Grün für Luft und Gelb für Erde. Diese tibetischen Gebetsfahnen werden Lungata – Windpferde- genannt. „Mit jedem Flattern der Fahnen galoppieren die auf den Baumwollstoff aufgedruckten Pferde und Gebete mit dem Wind hinaus, umrunden den Globus und fördern damit das Wohlergehen von allen fühlenden Wesen.“ Jamling Tenzing Norgay –

Mir war klar, dass ich für diesen Lauf sowohl körperlich als auch mental trainieren musste. Für das Trainieren der Muskeln suchte ich mir Treppen in Hochhäusern aus. Hatte ich nach meiner ersten Trainingseinheit von einer Stunde anschließend mehrere Tage Muskelkater, so stellte sich bereits nach meinem zweiten Treppentraining eine Verbesserung ein. Keine Schmerzen und kein Muskelkater mehr. Hoffnung machte sich breit. Ich absolvierte mindestens einmal in der Woche ein spezielles Treppentraining und konnte dadurch nach 3 Monaten mein Pensum auf 1000 Höhenmetern innerhalb von 2 Stunden steigern. Somit fühlte ich mich gut vorbereitet. In Wirklichkeit hatte ich gerade einmal ein Achtel der Gesamtstrecke absolviert. Würde das reichen? Das ist ungefähr so, als ob ein Marathonläufer vor seinem Marathon seinen längsten Lauf mit nur 5 km trainiert hätte. Als mentales Training habe ich mich sehr intensiv mit dem Mount Everest beschäftigt. Denn wer sein Ziel nicht kennt, kann niemals den richtigen Weg finden. Ich besorgte mir Bücher und Hörbücher, um mehr über den Berg zu erfahren und um die Texte während der Veranstaltung hören zu können. Bei der Vorbereitung kam ich auf die Idee, dass tibetische Gebetsfahnen sicherlich auch Glück für die Sportler auf der Radebeuler Treppe bringen würden. Ich kaufte mir sieben - denn es muss eine ungerade Zahl sein -, Seile mit jeweils 25 Gebetsfahnen und die Tibetische und Nepalesische Landesflagge. Es wurde ein mobiler 6 Meter Mast besorgt und am Tag vor der Veranstaltung bei mir im Garten zur Probe aufgestellt. Es war schon beeindruckend, wenn in 6 m Höhe die Flaggen wehten und von dort aus sternförmig die sieben Seile mit den 175 Gebetsfahnen abgespannt wurden. Hoffentlich ist der Platz, den mir der Veranstalter versprochen hatte, groß genug dafür. Zur weiteren Vorbereitung fuhr ich vorher einmal nach Radebeul, um die Strecke kennen zu lernen. Bei meinen 2 Auf- und Abstiegen benötigte ich zwischen 10 und 12 min für eine Runde. Das würde bedeuten, dass die 100 Runden in einem Zeitraum von 17 bis 20 Stunden zu schaffen sind. Doch nur theoretisch, weil dabei noch keine Pausen und Verpflegungsunterbrechungen berücksichtigt wurden. Es wird also verdammt hart und ein Kampf gegen die Uhr werden. Der Tag X ist gekommen. Mit Stress und Hektik nach fast 6 Stunden Autobahn erreichen wir gerade noch pünktlich um 15 Uhr die Läuferbesprechung. Im Zelt sind die 28 Einzelstarter, die den Wettkampf im Alleingang schaffen wollen und 7 Dreier-Seilschaften die sich die 100 Runden teilen wollen. Auch Prominenz ist vertreten - der Schweizer Treppenlaufweltrekordhalter Kurt Hess und der weltweit einzige Treppenlaufprofi Stefan Minten aus Bonn. Die wichtigsten Regeln wurden erklärt und es wurde an die Vernunft der Läufer appelliert, es von Beginn an nicht zu schnell angehen zu lassen. Der Tag würde noch lang werden. Ich hatte nach der Besprechung noch genau eine halbe Stunde bis zum Start. Also schnell innerhalb von 15 min meinen Fahnenmast mit den Flaggen und den Tibetischen Gebetsfahnen aufgebaut und noch schnell umziehen. Das Wetter war grandios und die Sonne brannte. Also noch Sonnencreme auftragen und der Start kann kommen. Um 16 Uhr liefen die 35 Starter los, um das erste Mal die Treppe hinunter zu kommen. Das Tempo war moderat und es kam zu keinem Gedränge oder gar Stürzen. Es waren nur erfahrene Läufer und Ultras am Start. Dennoch waren alle, nachdem wir das erste Mal die Treppe wieder erreicht hatten, ein wenig zu schnell. Der Zähler am oberen Ende notierte meine Nummer und gab sie an einen zweiten Zähler weiter, der sie in den Computer eingab. Somit gab es keine fehlerhaft gezählten Runden. Meine erste Runde dauerte 9:30 min, mehrere darauf folgende Runden absolvierte ich in 10 min. Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, die einzelnen Runden in einer Zeit zwischen 12 und 14:30 min zu laufen. Am Ende jeder Treppenrunde und nach 397 Stufen Aufstieg lag mein Puls deutlich über 90% HFMax. Damit war ich nicht nur im absolut anaeroben Bereich -Laktatausschüttungen inklusive- , sondern auch völlig außer Atem. Doch bergab konnte man sich ja wieder erholen. Also würde der Lauf ein 24 Stunden Intervalltraining werden. Würde ich dem hohen Anfangstempo Tribut zollen müssen? Während Marathonis sich fragen, ob sie während eines Laufes eine Krise bekommen, fragen sich Ultras, wann und wie oft sie ihre Krisen bekommen. Das hatte sich spätestens nach 2 Stunden geklärt. Ich hatte 11 Runden hinter mir und lag bereits mit 30 min im Plus. Doch dann verkrampften sich meine vorderen Oberschenkelmuskeln. Und das schon nach 2 Stunden. Wie sollte das noch 22 weitere Stunden weitergehen? Meine Gedanken schweiften ab zum Berg. Waren meine kleinen Probleme nichts im Vergleich zu den Leistungen der Bergsteiger am Mount Everest.

In der Zeit von 1921-1924 begann die Eroberung des dritten Erdpols, wie der Everest auch benannt wurde. Die Briten hatten tonnenweise Ausrüstung und Verpflegung durch Tausende von ortsansässigen Sherpas von einem Basislager zum nächsten transportieren lassen. Da in Höhen ab 4000 m die Sauerstoffkonzentration in der Luft immer geringer wird, muss sich der menschliche Körper durch Bildung von roten Blutkörperchen darauf vorbereiten. Dies geschieht durch einen ständigen Wechsel der Höhe. Hoch akklimatisieren und tief schlafen lautet die Devise. Solange bis man immer besser mit der steigenden Höhe zurecht kommt. 1922 gelang George Mallory, dem besten Bergsteiger seiner Zeit eine Höhe von 8225 m ohne und 8326 m mit Sauerstoff zu erreichen. Die Nordroute wurde erkundet und 1924 sollte der Gipfel bestiegen werden. Mallory und Irwine kamen gut voran und wurden zum letzen Mal in 8600 m Höhe nahe am First Stepp gesehen. Dann verschwanden sie im Nebel und kehrten nie wieder zurück. Der Mount Everest barg ab da sein größtes Geheimnis. Hatten die beiden Bergsteiger als erste Menschen den Gipfel erreicht? Eine Frage, die erst 1999 geklärt werden konnte, als die Fettwachsleiche Mallorys gefunden wurde. Ein gerissenes Seil und keine Anzeichen vom Gipfelerfolg. Die noch nicht gefundene Kamera von Irwine könnte mehr Aufschluss geben. Selbst wenn der Gipfel erreicht wurde, der Second Stepp in 8700 m Höhe war mit den damaligen technischen Möglichkeiten eigentlich unüberwindbar, würde der Gipfelerfolg nicht gezählt werden. Eine Besteigung gilt erst dann als erfolgreich wenn man lebend unten wieder ankommt. - „Erwartet keine Gnade vom Everest“ George Mallory -

Aus meiner 24 Stundenlauf Erfahrung kenne ich schwierige Situationen. Es geht natürlich immer irgendwie weiter. Ich setzte mich ungefähr auf der Hälfte der Treppe auf eine Bank und ruhte mich aus. Diese Bank sollte sich im weiteren Wettkampf noch zu meinem Freund entwickeln. Für jede Krise gibt es eine Lösung. Also die Muskeln kräftig gedehnt und auf zum Massagezelt. Die Masseure hatten schon zu so früher Zeit viel zu tun. Hautsächlich bei den Dreierseilschaften, die sich in den Rennpausen eine Massage gönnten. Ich gönnte mir keine Massage, ich brauchte eine und das dringend. Doch die Masseurin riet mir davon ab weil ich ja noch weiterlaufen wollte. Sie zeigte mir einige Dehnübungen, die ich dann in jeder Runde auf meiner Lieblingsbank machte. Außerdem rieb sie meine Beinmuskeln mit einer starken Durchblutungsfördernden Salbe ein. Die Beine wurden richtig heiß, und die Hitze hielt mehrere Stunden lang an. Also immer nach oben um Höhenmeter zu machen. Meine Beine kamen mir vor, als stünden sie kurz vor der Explosion. Es war ein ganz schmaler Grad, immer kurz vor einem Krampf das Tempo raus zu nehmen und meine Beine zu dehnen. Meine Rundenzeiten pendelten sich mittlerweile auf 13 min ein. Alle 5 Runden legte ich eine kurze Pause im Umkleidezelt ein, um Kohlenhydrate, Magnesium und Brühe zu mir zu nehmen. Der Mineralhaushalt musste wieder aufgefüllt werden. Dann nach etwa 6 Stunden die nächste Krise. Kreislaufprobleme zwangen mich zu öfteren Pausen. Meine Lieblingsbank auf der Mitte der Treppe nutzte ich nun, um mich hinzulegen und die Beine hochzulegen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Dabei dachte ich an den Berg.

Es dauerte zahlreiche gescheiterte Expeditionen, auch mit Todesfällen, bis 1953 wieder eine britische Expedition den Angriff auf den Gipfel über die Südroute wagte. Nach Durchqueren des Khumbu-Eisbruch und Überwinden der Lotze-Flanke ging es einfach nicht mehr weiter. Kein Bergsteiger traute sich mehr die Gipfelbesteigung zu. In einer Krisensitzung fragte der Expeditionsleiter Hundt letztmals, wer noch genügend Kraft und Mut für den Gipfel aufbringen würde. Edmund Hillary, ein Bienenzüchter aus Neuseeland, wollte es wagen, aber nur, wenn ihn der Sherpa Tenzing Norgay begleiten würde, der ihn im Eisbruch zuvor das Leben gerettet hatte. - „Ich war sehr beeindruckt von Tensing. Vom ersten Moment an fühlte ich eine besondere Zuneigung zu ihm. Vor allem bemerkte ich, dass er sich von den anderen Sherpas unterschied, weil er den Ehrgeiz hatte, den Gipfel zu erreichen.“ Edmund Hillary – „ Ich wollte wirklich hinauf kommen. Ich war schon sieben Mal fast oben und es war meine siebte und letzte Expedition. Ich sagte meiner Frau, bevor wir aufbrachen: “Dieses Mal werde ich den Gipfel erreichen. Ich muss hinauf.“ Tenzing Norgay – „Wir hatten keine Zeit zu verlieren. Ich schlug Stufe für Stufe ins Eis. Es schien ewig so weiterzugehen und wir waren müde und bewegten und langsamer. Und im nächsten Augenblick waren wir auf einer Schneefläche angekommen auf der es nichts gab als Luft, in jeder Richtung. Wir schauten uns staunend um. Mit ungeheurer Befriedigung stellten wir fest, dass wir auf den höchsten Punkt der Erde standen.“ Edmund Hillary – Ein Erfolg der britischen Expedition, pünktlich zur Krönung der Queen Elisabeth der II.

Mittlerweile wurden die Staffeln ins Rennen geschickt. Jede der 5 Staffeln bestand aus 100 Läufern, die jeweils nur einmal runter und wieder rauf mussten. Das war auch an dem deutlich schnelleren Tempo erkennbar. Teilweise wurden die Treppenstufen runter gesprungen und ich fragte mich, wann es zu ernsten Stürzen kommen würde. Ich sah jedoch keinen Sturz und hoffte, dass die zahlreichen DRK-Helfer ohne Arbeit bleiben würden. Meine Rundenzeiten lagen nun bei 15 min und, weil noch die Pausen hinzukamen, lag ich mittlerweile deutlich hinter meinem Soll. Das Ziel, den Gipfel zu erreichen, war in weite Ferne gerückt. Ich habe jedoch gelernt, mir niemals nur ein Ziel zu setzen, sondern immer drei. Ein akzeptables, ein gutes und ein absolutes. Mein akzeptables Ziel war der Marathon, sprich die Hälfte des Parcours von 50 Runden. Dieses Ziel erreichte ich nach 14 Stunden. Wahnsinn -das ist meine absolut schlechteste Zeit für einen Marathon. Doch dieser Marathon hatte 40000 Stufen und 4424 Höhenmeter. Nun fiel ich in ein Motivationsloch. Den Gipfel konnte ich nicht mehr in den 24 Stunden erreichen und müde war ich außerdem noch. Also gönnte ich mir erst einmal eine Massage von einer halben Stunde nach dem Marathon und legte mich dann Schlafen. Nach zwei Stunden Schlaf frühstückte ich erst einmal in Ruhe und beobachtete das Rennen als Zuschauer. Immer mehr Staffelläufer erreichten zu dieser Zeit den Gipfel.

Es folgten weitere Rekorde am Everest. Die erste Frau, der jüngste, der älteste, die schwierigste Route, Rheinhold Messner - der erste ohne Sauerstoff, der erste Alleingang, die erste Ski- und Snowboardabfahrt. Heute kann man eine Everestbesteigung sogar schon im Reisekatalog buchen. Ich baue euch einen Highway zum Gipfel sagte ein Profitorientierter Bergführer und machte finanzkräftigen unerfahrenen Bergsteigern die Gipfelbesteigung möglich. Sogar Blinde und Einbeinige waren auf dem Gipfel, solange sie dafür zahlen konnten. Angebot und Nachfrage sind das Gesetz der Marktwirtschaft. Immer mehr Sauerstoffflaschen und Müll bleiben oben auf dem Berg liegen. In Spitzenzeiten waren über 500 Menschen im Basislager auf 5400 m Höhe. Ist das der richtige Weg? Doch der Berg verzeiht nach wie vor keinen Fehler. 1996 war das Unglücksjahr am Everest. Die Bergführer Scott Fischer und Rob Hall führten ihre beiden Gruppen, 33 Leute, am selben Tag auf den Gipfel. Es kam zum Stau am Gipfelgrad. Die schon am Gipfel waren wollten wieder runter, doch das konnten sie nicht, weil immer mehr Bergsteiger noch hinauf wollten. Für 5 Bergsteiger endete dieser Stau tödlich. Darunter waren auch die beiden erfahrenen Bergführer Hall und Fischer. Das Unglück geschah in etwa 8800 m Höhe - in der Todeszone. In der Zone über 8000 m wird die Luft so dünn, dass es zur Blutleere im Gehirn kommt. Das Urteilsvermögen schwindet und der Körper braucht alle 10 Schritte eine Pause. Schneekristalle werden durch den Wind in die Augen gepeitscht und eine Schneeblindheit entsteht. Es stellen sich Willensschwäche, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit ein. Man schläft einfach nur ein und erfriert. Noch immer bleibt jeder 10´te für immer auf dem Berg. Sie liegen dort als Warnung an die Anderen. Der Everest ist und bleibt lebensgefährlich.

Doch irgendwie gefiel mir die Rolle als Zuschauer nicht. Ich musste wieder zurück auf die Strecke. Also zog ich meine Laufsachen an und ging um 10 Uhr Morgens noch einmal für die letzten 6 Stunden auf die Strecke. Wenn alles gut lief konnte ich es vielleicht schaffen 70 oder 75 Runden zu laufen. Nach der Pause machte das Laufen wieder richtig Spaß. Langeweile kam auch nicht auf, weil nach und nach einige Einzelläufer auf ihre 100´te Runde zusteuerten. Das zahlreiche Publikum jubelte frenetisch jeden Läufer die Treppe hinauf und selbst die Läufer untereinander beglückwünschten jeden, der auf seiner letzten Runde war. Im Ultrabereich ist das Laufen mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander. Der schönste Sieg ist der Sieg über sich selbst. Nach 24 Stunden haben 12 Läufer den Mount Everest erreicht. Ich war mit meinen 70 absolvierten Runden, 60 km, 56000 Stufen und 6200 Höhenmetern absolut zufrieden und landete damit so im Mittelfeld.
Der Sieger Kurt Hess ist über 130 Runden, 11500 Höhenmeter und 105000 Stufen gelaufen. Eine Leistung, die unvorstellbar ist. Doch er hat auch für seine Form über zwei Jahre fast täglich Treppenlaufen trainiert. Damit war er in der Lage einen Streckenrekord aufzustellen, der noch viele Jahre bestand haben wird. Es wird im nächsten Jahr eine Neuauflage des gut organisierten und einzigartigen Rennens geben, bei der ich wieder dabei sein werde. Mit der Radebeuler Spitzhaustreppe habe ich noch eine Rechnung offen.

Am Mount Everest nimmt der Tourismus ungeahnte Formen an. Über 1500 waren schon auf dem Gipfel und der Wahnsinn geht weiter. Möchte ich persönlich auch auf den Chomolunga? Natürlich, wer möchte das nicht. Aber ich empfinde Respekt und Achtung für diesen Berg. Mir würde es reichen, ihn einmal vom Basislager in 5200 m Höhe aus der Nähe zu sehen um die Göttin Miyo Langsagma zu begrüßen. Vielleicht schon bald, den es gibt einen Mount Everest Marathon bei dem man nach 4 Wochen Akklimatisation und Höhentraining vom Basislager in 5356 m bergab nach Namche Bazaar in 3446 m Höhe läuft. Und schon wieder läuft das nur über einen kommerziellen Anbieter. Ob das gut und richtig ist lässt sich jedoch erst sagen, wenn man persönlich dort war. Von diesem Berg geht nun einmal eine Anziehungskraft aus, der man sich nur schwer entziehen kann. Ich beende meinen Bericht mit dem Ausspruch der Sherpas, wenn sie einen schwierigen Pass, Abschnitt oder gar einen Gipfel überstanden haben: „Lhagyelo“ -Die Götter haben den Aufstieg erlaubt.

© 2005 DavorBendin@alice-dsl.de


© Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de, 22.04.2005

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