Zufälliges Zitat

"Jetzt hat die Menschenjagd ein Ende - jetzt gehts auf Kilometerjagd"

Martina Hausmann, Erkrath 2007, gerade Edit überholt

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Thomas Enck zum Westerwaldlauf - Rund um Rengsdorf:
Thomas Enck , 09.05.2005

Schade, daß es schon vorbei ist

Angeregt durch die Laufberichte auf dem Steppenhahn reifte in mir der Wunsch, einmal am 50km-Westerwald-Lauf des Turnverein Rengsdorf teilzunehmen.

Aufgrund des Profils (wie bekannt ist der Westerwald nicht topfeben) schien mir der Lauf als Ultraeinstieg jedoch als zu anspruchsvoll. Dieses Jahr aber, mit der "Erfahrung" von zwei 50km Läufen seit letztem Herbst (Bottrop und Rodgau), sollte es soweit sein.

Also mit der Familie zu einem Kurzurlaub in den schönen Westerwald gereist. Unsere Quartier, die "Obere Mühle" in Rengsdorf, liegt in einem idyllischen Tal bei km 49 der Laufstrecke und ist ergo nur 1km vom Start/Ziel entfernt. Auf dem Weg zum Start habe ich so am Morgen des Veranstaltungstages die Gelegenheit, schon einmal den letzten km vorzuempfinden.

Am Start-/Zielgelände, dem Freibad in Rengsdorf, herrscht bereits reges Treiben. Schon seit 5 Uhr werden die Wanderer auf die 50km-Strecke geschickt. Die Besonderheit dieser Veranstaltung ist das miteinander von Wanderern (alle Achtung, denn diese sind immerhin ca 10 Stunden unterwegs) und Läufern. So nach und nach treffen dann auch die Läufer ein.

Viel Ultraprominenz scheint vertreten zu sein. Das eine oder andere Gesicht (z.B. Conny Bullig) erkenne ich aus der Laufpresse wieder, die Anwesenheit Anderer wiederum kann ich den rechts und links geführten Gesprächen der wartenden Mitläufer ("Der X auch da"..) entnehmen. Einen Läufer im SCC-Dress spreche ich an, in der Erwartung, daß es sich um "Aragorn" aus dem VirtuTEL handelt. Er ist es und stellt mir gleich noch Shakal Ryan ("Windshopper") vor. Und dann trifft auch der Steppenhahn himself ein, der mit seiner Werbung für diesen Lauf sicher mitverantwortlich ist für die steigenden Läuferteilnehmerzahlen, über welche sich auch der Starter wenige Minuten später freut. Heute bietet sich leider im Gegensatz zu Bottrop letztes Jahr, wo wir eine ganze Weile gemeinsam liefen, wenig Gelegenheit, mit dem Step zu plaudern, denn die Strecke fordert gleich zu Beginn volle Konzentration.

Schon nach wenigen Metern geht es recht steil aufwärts und eine Ahnung von dem Kommenden macht sich breit. 1100 bis 1350 HM - je nach Quellenangaben - waren avisiert, einfach versteht sich. Eine ganze Weile dauert es, bis wir uns aus dem Talkessel, in dem das Startgelände liegt, auf die Höhen des Westerwaldes empor gearbeitet haben. Dies ist auch charakteristisch für den weiteren Streckenverlauf: aus den Tiefen der Täler hinauf auf die Höhen und wieder runter. Steigungen und Gefällen zogen sich dabei oft über 2-3 km hin. Dabei wechselten sich steile Passagen und weniger steile ständig ab. Ebene Flächen dagegen kamen kaum vor, hatte ich aber eigentlich auch nicht erwartet.

Zurück zu ersten Steigung. Nach 4 km etwa haben wir diese weitgehend überstanden. Inzwischen sind meine Zweifel, die ich beim Start ob meiner Kleidungswahl (kurzes Tight und kurzes Funktionshemd - im Gegensatz zu vielen Mitstreiter, die in lang/lang liefen) hegte, ad acta gelegt, denn mir ist auf den ersten km doch recht warm geworden. Nur die Hände sind bei kühlen, leicht nebligem Wetter noch kalt, zumal uns hier auf der Höhe der kühle, berühmte Westerwälder Wind entgegenpfeift.

Kurz vor km 6 werde ich dann von einem Mitläufer aufgrund meines Finisher-Shirt vom letztjährigem Münster-Marathon angesprochen: "War ein schöner Lauf, nicht wahr?" "Na ja, mir persönlich wars zu warm" (es waren schließlich knapp 29 Grad gewesen). Da ist mir das Wetter heute trotz kalter Hände doch lieber!

Km 6, eigene Zeitnahme: 46 min! D.h., mehr als einen Stundenschnitt von 8 km/h kann ich heute wohl nicht erwarten. Damit liege ich auch in der Spanne, die ich meiner Frau avisiert habe: 6 Stunden, wenn's sehr gut läuft, 7 Stunden können's auch werden (Meine Bestzeit in der Ebene: 5:04). Wobei meine Erwartungen nach dem Patzer beim Ruhr-Marathon vor 2 1/2 Wochen (4:13 statt geplanten 3:45 aufgrund zu schnellem Beginn) eher in Richtung 7 denn 6 Stunden gehen. Und so bin auch mit der Zwischenzeit zufrieden, denn heute will ich nach Gefühl und nicht nach Stop-Uhr laufen, zumal sich läßteres ob des Profils ohnehin verbietet.

Eine kleine Delle trennt uns noch von der ersten Getränkestation. Leider meldet sich mein linkes Knie jetzt stärker (schon bei km 4 ziepte es ein wenig). Ärger und drohender Frust machen sich breit: habe ich doch erst letzten Freitag die orthopädische Behandlung an dem Knie abgeschlossen. In den letzten Wochen schmerzte das Knie nämlich nicht mehr beim Laufen, sondern nur, wenn ich es im Schlaf wohl etwas verdrehte. Aber mein normales Trainingsterrain ist halt sehr flach und nicht so stark profiliert wie hier. Ich beschließe zunächst mal, mich nicht unterkriegen zu lassen und laufe weiter, etwas unwohl aufgrund der vielen noch anstehenden (Hügel-)KM ist mir jedoch schon.

Erst bei km 8,5 etwa erreiche ich die erste Verpflegungsstation am Rande von Kurtscheid. Bis hierhin war ich über eine Stunde unterwegs. Das diese Stationen soweit auseinanderliegen, wußte ich bereits aus der Ausschreibung. Dennoch habe ich angesichts des kühlen Wetters keine Getränke mit auf den Weg genommen, weil mich das Tragen einer Flasche oder eines Getränkegurtes doch sehr stört. An der Verpflegungsstationen gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Wir Läufer dürfen uns kostenfrei bei Wasser, Tee, Iso, Bananen usw. bedienen, während die Wanderer ihre eigene Verpflegung in Rucksäcken mit sich schleppen bzw. an den Stationen gegen Entgelt Würstchen und Bier usw. erwerben können. Na, dafür war ihr Anmeldebeitrag auch geringerer als unserer. Wobei die 9 (in Worten n e u n) Euro, die wir zahlten, nun wirklich nicht mehr zu unterbieten sind. Ein herzlichen Dank auch hierfür an den Veranstalter. Die erste Getränkestation war übrigens die einzige, an der es noch einen kleinen Stau aus 5-6 Läufern gab, danach hatte sich Feld weit gestreckt.

Wenige km weiter geht es dann so richtig bergab, mehr als einen km laufen wir mit einem Gefälle von sicher mehr als 10%, was ausgesprochen unangenehm ist. Ich hatte ein wenig gehofft, mich auf den bergab-Passagen erholen zu können, aber hier ist richtig Kraft und Koordination erforderlich, um vernünftig hinunterzukommen. Auch dies charakteristisch für den weiteren Verlauf der Strecke. Auf der anderen Seite des Tales, laut Karte die tiefste Stelle des Laufes, geht wieder kräftig nach oben. Mittlerweile (km 13) schmerzt mein Knie noch mehr, es sind insbesondere die steileren Passagen (sowohl aufwärts als auch abwärts), die für Unbill sorgen. Wenige Meter weiter laufe ich auf Windshopper auf, der mich bereits früh überholte, dabei andeutend, daß er vielleicht heute "nur" die 30er-Variante (neben der 50km-Strecke gibts auch kürzere über 10, 20 und 30km) läuft. "Probleme?" frag ich ihn. "Die Schienbeine, nach den letzten Ultras war die Erholung kurz". Und außerdem warte er auf jemand, mit dem er gemeinsam weiterlaufen wolle. Da in diesem Moment ein Steilstück aufwärts vor uns lag, beschließe ich, auch meinem Knie zuliebe, mich ihm zeitweise anzuschließen und etwas zu gehen. Wir tauschten uns dann in einem kurzen, netten Gespräch über die letzten Läufe und nächsten Ziele aus. Alle Achtung vor seinem Laufprogramm: Paris-Marathon, Harzquerung, die heutige Veranstaltung, ein 24h-Lauf Ende Juni, der Deutschlandlauf im August, um nur einiges zu nennen.

Doch irgendwann war auch dieses Steilstück zu Ende, und ich muß wieder in den Laufschritt zurück, wollte ich nicht zum Wanderer mutieren. Bald erreiche ich die nächste Verpflegungsstation, die bei km 16 auf einer kleinen Anhöhe liegt. Welch ein Unterschied zu den Stadtmarathons: kurz nachdem ich eintreffe, macht sich gerade der vor mir Laufende wieder auf dem Weg, abgesehen von einigen Wanderern und der Besetzung der Station bin ich der Einzige am Stand. Auf einem kleinen Tisch wird hier die Verpflegung angeboten. Ich nehme mir hier - wie an allen Stationen - Zeit zum Trinken/Essen, welches bei mir aus 2 Bechern Tee und einer halben Banane besteht. Wobei "Zeit nehmen" nicht weitergehen oder gar -laufen heißt, sondern stehenbleiben und das eine oder andere Wort wechseln mit dem freundlichen "Personal" (Meist sind es nur 2-3 Personen, die ja bei dem "Andrang" auch völlig ausreichen), Wanderern oder Mitläufern (ein solcher ist soeben eingetroffen). Eine sehr familäre Atmosphäre, durchaus wörtlich zu nehmen, denn ich habe den Eindruck, daß die Stationen häufig von Familien oder zumindest Freunden geführt werden. Eine Besonderheit darf ich nicht vergessen zu erzählen, bevor ich mich wieder auf den Weg mache: an 5 der 7 Stationen müssen wir eine kleine Pappkarte zur Kontrolle abstempeln lassen. Diese Pappkarte haben wir bei der Anmeldung bekommen und tragen sie - in einem kleinen Plastiktütchen verpackt und mit Sicherheitsnadeln an der Kleidung befestitgt - statt einer Startnummer mit uns herum. Jetzt aber noch ein kurzer Dank an die "Wirte" und weiter geht's. Blick auf die Uhr: 16 km und knapp 2h sind 'rum.

Nur ein Km und ich erreiche im Ort Verscheid die Stelle, an der sich die 30km-Strecke von der meinigen trennt. Keinen Augenblick verschwende ich an den Gedanken, hier abzubiegen. Gerade hier überhole ich Wanderer und wir flachsen über die "verpaßte Chance" zu verkürzen. Nach Verscheid folgt Hochscheid (tatsächlich höher als Verscheid gelegen, aber nur wenige hundert Meter entfernt) und nachdem mich der Läufer, der vorhin an der Station auflief, überholt, bin ich plötzlich allein auf weiter Flur. Hin und wieder sehe ich noch den Überholer vor mir, aber da das Terrain jetzt auch wieder unübersichtlicher wird, muß ich jetzt selbst noch stärker auf die Wegmarkierungen (Rote Pfeile, an Bäumen usw. befestigt, teilweise zusätzliche Farbmarkierungen auf dem Boden) achten. Seit Hochscheid gehts schon wieder über einen km lang abwärts, zunächst noch auf Asphalt. Ich denke erstmals, "nur noch 31 km, das schaffe ich". Abwärtsrollen und die jetzt herausgekommene Sonne scheinen mir offenbar "Flügel" zu verleihen, nebenbei erreichen meine Hände endlich Normaltemparatur. Die Euphorie wird dann schnell wieder gedämpft, als der Weg in einen schwierig zu laufenden Wiesen- und anschließenden Waldweg übergeht. Gerade die Waldpassagen sind, da es in den letzten Tagen wohl viel geregnet hat, teilweise sehr matschig und arten oft in richtige Schlammschlachten auf. Dies kostet erstens Konzentration und zweitens zusätzliche Kraft, insbesondere dann - wenn diese Abschnitte in Steigungen liegen und auch noch eine seitliche Neigung aufweisen. Beides kommt - bereits seit Beginn des Laufes - nicht zu knapp vor.

Der nächste Talboden und die nächste Anhöhe hinter mir lassend erreiche ich ab km 22 die wohl steilste Gefällstrecke. Ausgerechnet hier ist der Weg von der übelsten, vorhin beschriebenen Sorte. Mein Koordinationsvermögen war aber schon immer recht gut, und so springe und rutsche ich recht flott bergab. An einer Kehre überhole ich wieder einmal einen Wanderer, der hier auf einem schmalen trockenen Stück des Weges unterwegs ist. Als er mich kommen sieht, weicht er freundlicherweise noch etwas zur Seite. Ich freue mich, dem tiefen Matsch, durch den ich gerade laufe, zu entrinnen und auf dem trockenen Wegesrand laufen zu können, als es mir die Beine unterm Hintern (Pardon!) wegzieht. Auf dem Boden - und vor dem Wanderer - liegend und fluchend stelle ich fest, was soeben passiert ist: der Weg hat neben dem Gefälle auch hier eine seitliche Neigung, die matschige Wegmitte ist bei meinem Schritt zum höher gelegenen trockenen Wegesrand komplett weggerutscht. Wäre ich weiter "ab durch die Mitte" und den Matsch gelaufen, wäre nix passiert. Das habe ich nun von meiner Bequemlichkeit... Außer ein paar blauen Flecken und Schrammen ist aber nichts passiert und so hält mein Ärger nicht lange an, ist jedenfalls schneller verflogen, als der Schlamm auf meinem Laufhemd getrocknet ist. Eine Wohltat ist der folgende fast ebene Abschnitt über eine Wiese, seit längerer Zeit habe ich mal wieder da Gefühl, so richtig zu laufen. Apropos Gefühl: der Schmerz im Knie ist weg!

Bei km 24,5 an der nächsten Verpflegungsstelle bin ich insofern auch wieder zum Scherzen aufgelegt: "Warum habt Ihr den Weg eigentlich gewässert?". Ich fühle mich ausgesprochen entspannt, keine Spur von Müdigkeit, keine Hektik an der Station, aber auch kein Gefühl des Weiterlaufen-Müssens, sondern im Gegenteil, ich freu mich, als ich - den Helfern dankend und die Gruppe in der Sonne sitzender Wanderer grüßend - wieder loslaufe. Sehr ungewohnte und unerwartete Empfindungen.

25 km - Hurra die Hälfte! Zeit: ca 2:58:50. Jetzt ist es "Zeit", etwas zur Zeitnahme zu sagen. Diese erfolgt hier nämlich eigenverantwortlich, es gibt keine offizielle Zeitnahme. Jeder Läufer nimmt seine Zeit selbst und trägt sie im Ziel auf seine Pappkarte ein, die er dann zurückgibt. Ich bin jedoch noch nicht im Ziel, sondern erst auf der Hälfte der Strecke und unterliege hier nicht der Versuchung, meine Zeit mal 2 hochzurechnen. Muß ich doch damit rechnen, auf der zweiten Hälfte der insgesamt kräftezehrenden Strecke Tribut zu zollen. Darüberhinaus befinde ich mich gerade, was ich aber glücklicherweise erst beim Schreiben feststelle, 100 Höhenmeter unter dem Ausgangs- und Zielpunkt. D.h. ich hatte bisher eine positive Gefällebilanz und auf der zweiten Hälfte eine negative, also weniger Gefälle als Steigungen.

"Steigungen" ist ein gutes Stichwort, denn bald fangen diese wieder an und hören nicht auf, bis bei km 28,5 eine weitere Verpflegungsstelle in Breitscheid erreicht ist. Ich unterhalte mich mit dem jungen, freundlichen Helferpaar, frage nach der Dauer ihres Einsatzs usw. Sie bestätigen, daß dieses Jahr im Gegensatz zum letzten Jahr die Läufer (insbesondere auch die Spitze des Feldes) eher später gekommen sind, was ihrer Meinung nach auf den schlechten Wegzustand zurückzuführen ist. Wie wahr! Da ich mir Zeit lasse, läuft ein schwarzgedreßter Läufer auf, der mein Mißgeschick von vorhin bemerkt. Wir wechseln ein paar Worte, es werde heute nicht die letzten gewesen sein.

Gut gelaunt gehts weiter, in der Erwartung, jetzt mal wieder mit einer Gefällestrecke belohnt zu werden. Diese kommt auch, aber, he, das gilt nicht, endet schon bald wieder. Noch einmal 100 Höhenmeter aufwärts, die ich teilweise gehend zurücklege. Dies tue schon seit geraumer Zeit immer dann, wenn die Steigung schätzungsweise mehr als 7-8% beträgt. Dabei werde ich von meinem Mitläufer von vorhin nach längerem "Kampf" überholt. Ab jetzt, wir sind in der Nähe der Ortschaft "Siebenmorgen" lichtet sich auch stärker das Gelände, was in Verbindung mit dem Sonnenschein und der besseren Wegbeschaffenheit (da trockener und weniger matschig) für weiter steigende gute Laune sorgt. Da ja nun auch das erwartete Gefälle kommen "muß" (ein Blick in die jetzt weiter einsehbare Umgebung bekräftigt dies) werde ich nun etwas übermütig und begrüße die beiden tapferen Wanderer, die ich bei km 32 überhole mit "Nur noch 18 km, schade, daß es schon bald zu Ende ist" (ähnliches mußten sich noch weitere Wanderer auf den nächsten km anhören). "Der ist ja lustig, nur noch 18 km" oder so ähnlich ist die Reaktion, die ich im Vorbeilaufen noch mitbekomme.

Es folgt ein Trampelpfad über eine Wiese. Der Läufer vor mir ist längst entschwunden. Da die Wegmarkierungen nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind, bin ich sehr konzentriert, um ja keinen Abzweig zu verpassen. Dann kommt ein Abzweig, der nichts gutes ahnen läßt. Die Wegmarkierung, die auf den Weg nach links weist, ist erst etwas 15 m weiter links am Abzweig zu sehen. Wer hier nicht gut aufpaßt, läuft leicht gerade aus weiter, denn am Hauptweg gibt es scheinbar keine abweisende Markierung. Das dies wohl schon öfter passiert sein muß, zeigen die vielen Fußspuren, die geradeaus führen. Es folgt ein idyllischer Weg ein kleines wiesengesäumtes Bachtal hinab (trockener Weg, mit leichtem Gefälle, ich liebe es) bevor auch bei km 34 schon die nächste Verpflegungsstation erreicht ist. Wieder bin ich der einzige Läufer neben vielen Wanderen (auch Jugendliche dabei, toll). Als Helfer tritt hier eine komplette Familie auf, die kleinen Töchter sind emsig bemüht Getränke einzugießen. Ab hier verzichte ich auf die Bananen, bereits nach der letzten Station merkte ich, wie mir diese im Magen lagen. Wieder kann ich von meinen blöden Sprüchen nicht lassen und mach mich frohen Mutes auf den Weg.

Ich rechne mir aus, daß, wenn es so weiter geht wie bisher, mir noch zwei weitere längere Steigungen bevorstehen. Gesagt getan, die nächsten 150 Höhenmeter nach Hümmerich standen an. Ein schöner Waldweg, trotz der Steigungen, fester Untergrund und gut zu laufen. Ich bleibe bei meiner Einteilung, nur bei stärkeren Steigungen zu gehen und komme so zügig und gut voran. Zwei Läufer geraten in mein Blickfeld (sie waren mir schon beim Start aufgefallen, weil ein sehr sportlichen Eindruck machend), scheinbar mit Problemen kämpfend, denn sie machten teilwiese auch an flacheren Stellen Gehpausen. Dennoch dauert es bis zur vorletzten Getränkestation hinter Hümmerich bei km 39, bis ich sie eingeholt habe. Der km zuvor - leicht abfallender Asphalt mit tollen Ausblick - war wieder richtig zum Genießen. Wenige Meter vor der Getränkestation holt mich doch schon wieder so ein "Raser" ein, Moment, den kenn ich doch, es ist der Läufer in Schwarz. Er muß sich wohl verlaufen haben. Dem ist auch so, wie er mir an der Station erzählt, und ratet mal, wo er sich verlaufen hat...
Dann jedoch lenken die beiden "Jungs" seine Aufmerksamkeit auf sich: "Nur noch 11km , und wenn ich die auf dem letzten Zahnfleisch laufen muß". Sie haben "erst" 2 Marathons in ihrer Läuferkarriere hinter sich, wie sie auf Befragung durch den "Schwarzen" zugeben. Dieser ist ein alter Hase (leider habe ich ihn nicht nach dem Namen gefragt), der auch schon mal mehrere Veranstaltungen am Wochenende läuft und gerät nun endgültig mit den beiden ins Fachsimpeln. Ich ergreife die Gelegenheit und setze mich ab.

Noch ca 2 km geht es bergab, bevor der meinem Gefühl nach letzte Anstieg kommen muß. Denn der Starter hatte uns versprochen, daß ab km 45 das Schlimmste vorbei sei. Ich freue mich über jeden Meter, denn ich noch halbwegs eben laufen kann, aber kurz vor der - nicht vorhandenen Marathonmarke (Zeit 5.10h) - ist Schluß mit lustig, wieder 400, 500 m gehen. Insgesamt werden es wohl 2-3 km gewesen sein, die ich insgesamt gegangen bin. Vor dem Anstieg zog der Weg eine Schleife, und so sah ich vorhin, daß der Schwarze etwa 500 m hinter mir ist, noch immer die beiden "Jungs" unterstützend. Also auch von hier kein Anlaß für übertriebene Hektik an der Steigung. Bald werden die Steigungsprozente wieder weniger und ich kann weiterlaufen. So langsam sehne ich km 45 herbei und nicht nur ich, denn die beiden gehenden Läufer, die ich gerade überholte und denen ich zurufe "nur noch diese Kuppe, hat der Starter versprochen", sehen auch recht erschöpft aus. Es waren dann doch noch mehrere Kuppen, wie ich leider nachträglich feststellen muß, aber da ich gerade so getönt habe, will ich mir keine Blöße geben und laufe weiter.

Dann aber ist km 45 erreicht und damit die letzte Getränkestation. Längst war es in der Sonne warm geworden, und so bevölkern viele Wanderer diese Station, an der wohl auch die 10 km Teilstrecke hinzustieß, nachdem vorher schon die 30 und 20 km-Strecke "aufgesammelt" wurden. Als ich mich auf die letzte Etappe mache, ist auch der Schwarze wieder da, jedoch ohne die beiden "Jungs". Na, ja, irgendwann muß auch gut sein mit Unterstützung. Blick auf die Uhr: 5 h 29 min. Damit super im Zeitplan, es wird wohl doch eine Zeit näher bei 6 als bei 7 Stunden herausspringen. Vielleicht schaffe ich ja noch die 6 h. Dann aber nur mit einer deutlichen Tempoverschärfung, statt bisher 8,2 min/km müßte ich jetzt mindestens einen 6er Schnitt laufen!

Der erste folgende km, der eher eben im Wald verläuft, macht mir wenig Hoffnung, die 6h noch zu knacken. Schließlich weiß ich nicht, wie sich das Profil ab hier gestaltet, einzig weitere Steigungen mag ich aufgrund der Ankündigung des Starters ausschließen. Dann jedoch wird der Blick freigegeben auf Felder, die sich freundlich in die richtige Richtung neigen, nämlich nach unten. Leider übersehe ich das km-Schild 46 und so bleiben meine Möglichkeiten weiterhin im Ungewissen. Und, oje, die Straße geht auf der anderen Seite des Tales wieder hinauf, und was bewegt sich da? Ein Läufer. Also, sollte der Starter uns getäuscht haben? Oder vielleicht der Meinung gewesen sein, daß die Steigung nicht nennenswert sein? War sie ja auch nicht, es sein denn man befindet sich bei km 46 eines Crosslaufes... Nein, ein Mitläufer vor mir biegt rechts ab in eine andere Richtung (der Läufer in der Ferne muß also außerhalb der Veranstaltung laufen), und ich nutze seine anschließende Auszeit, um einen Platz gutzumachen. Ich erreiche Bonefeld und sehe schon von weitem die km-Markierung. 46? oder 47? frage ich mich. Endlich komme ich näher, es ist die 47 und noch fast 20 Minuten Zeit. Jetzt kenne ich kein Halten mehr, was durch das stetige leichte Gefälle, unterbrochen nur von kurzen Steigungen - die ich natürlich nicht mehr gehe -, unterstützt wird. Der Schwarze immer knapp hinter mir. Ich lege noch mal einen Gang zu und bin jetzt sicher mit einem 5er Schnitt unterwegs. Noch immer aber muß ich auf den Boden achten, denn, auch wenn es nicht mehr so matschig ist, Pfützen gibt es noch hier und da und Bodenunregelmäßigkeiten. Immer öfter muß ich "Vorsicht" rufen, denn eine Menge Wanderer sind unterwegs, die meist nebeneinander laufend den ganzen Weg einnehmen, bereitwillig aufgrund meiner Warnung aber Platz machen. Danke!

Plötzlich sehe ich unser Hotel vor mir und weiß, daß der letzte km nun gleich kommt. Noch mehr als 10 Minuten Zeit und so lasse ich dann auf den letzten 300m mein Tempo etwas ausklingen. Da höre ich Schritte hinter mir. Der Schwarze hat wieder aufgeholt und so laß ich ihn herankommen, bis wir gemeinsam ins Ziel laufen. Aber wo ist meine Familie? Noch nicht da! Verflixt, ich war zu schnell! Hoppla, schnell auf die Stoppuhr gedrückt, hätt ich fast vergessen. 5:56:17 zeigt die Uhr (letzte 5 km also in 27 Minuten und damit garantiert meine schnellsten des ganzen Laufes - na ja, ging auch bergab). Also ein negativer Split! Und das schönste, ich fühle mich gut und keineswegs ausgepumpt, auch bin ich nicht so verschwitzt wie bei vielen Stadtmarathons. Einige Minuten später kommt dann meine Frau, überrascht mich schon zu sehen "Du hattest doch angekündigt..." & " "Beim den letzten Läufen warst Du immer über der angekündigten Zeit, wie konnten wir denn ahnen..." Recht hat sie, ich gelobe Besserung.

Ein wenig haben wir es uns dann auf der Wiese am Freibad gemütlich gemacht, unseren Kindern zugesehen, die dort herumtollten und uns am Buffet verköstigt. Bis es mir dann ein wenig kalt wurde, und ich mich unter die heiße Dusche begab. Als wir dann gingen, kam auch der Steppenhahn herein. "Du bist wohl schon länger da" meinte er. Aber eigentlich dürfte auch er nicht unzufrieden sein, konnte er diesen tollen Lauf, die schöne Landschaft und das schöne Wetter sowie das nette Team doch länger genießen als ich. Und das mein ich sogar ein bißchen ehrlich...

Unser Tag klang dann aus mit einem nachmittäglichen Stadtbummel durch Linz am Rhein. Dort fand leider gerade ein Dorffest statt, so daß man aufpassen mußte, nicht über den Haufen gerannt zu werden. Welch ein Kontrast zu den schönen Stunden zuvor.

© Thomas Enck, 09.05.2005

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