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Verena Liebers zum Krötenwanderung (31.01.2006)

[www.steppenhahn.de/ultramarathon/umbericht.html, 10.2000]
"The pain of finishing lasts a couple of days. The pain of dropping lasts forever."
- Bill Wagner
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Verena Liebers , 31.01.2006

Auf den Hund gekommen

Der Steppenhahn ist bekannt wie ein bunter Hund. Seit einiger Zeit läuft er auch mit einem. Also nicht nur mit Pulsmesser und mir sondern auch noch mit Birke. Das ist kein Baum aus seinem Garten sondern eine Vierbeinerin aus der Ultra-Szene. So diese Rasse „ich-hör-nur-auf-wenn-du-es-mir-befiehlst“. Man sieht ihr die Kondition aber nicht unbedingt auf den ersten Blick an, da ist sie dem Steppenhahn-Stephan schon ähnlich. Auch ihr Sympathiefaktor gleicht dem Herrchen: Spontan kann sie jeder gut leiden. Wie sich das dann entwickelt, wenn man sich genauer kennen lernt, ist unterschiedlich. Jedenfalls passen die beiden ganz gut zusammen und deswegen haben sie den letzten Sommerurlaub auch miteinander verbracht. Ich war mental dabei, anders ging es nicht, denn ich war das Ziel. Wenn das Ziel aber schon mit läuft - das funktioniert nicht. Ich saß also in Otterndorf an der Nordseeküste gemütlich in meinem bonbonfarbenen Häuschen, habe zielgerichtet Gedichte geschrieben, Fisch gegessen und die Sonne beobachtet. Per Handy habe ich Stephan gelegentlich motiviert, so hat er insgesamt zehn Tage für die knapp 500km gebraucht. Vielleicht wäre er ohne die Anrufe schneller gewesen, aber dann hätte ich nicht genug Zeit zur Vorbereitung gehabt. Falls ich als Ziel nicht ausreichen würde, hatte ich nämlich vorsichtshalber Bier eingekauft sowie den Lauftreff und die Presse von Otterndorf für einem Steppenhahn-Empfang begeistert. Das war gar nicht so einfach, schließlich glaubt einem das doch keiner, dass jemand 500km für ein kühles Bier läuft. Das kann er schließlich auch woanders haben. Nur das Bier mit mir eben nicht :-)
Aber zurück zum Hund. Birke war nun jeden Tag zwischen 40 und 60km gelaufen und dachte, das wäre normal. Zum Glück ist sie gutmütig und akzeptierte in Otterndorf auch mal kürzere Strecken. Dann trug sie jedoch mindestens einen halben Baumstamm mit, um ihre Energie irgendwie zu bändigen. Den sollten wir zwischendrin auch noch irgendwo hin werfen, nur damit sie ihn wieder holen konnte. Baden fand sie auch prima und so verliefen die Ruhetage ziemlich bewegt. Dann kam der Otterndorfer Küstenmarathon und das vergesse ich bestimmt nicht: Wir laufen - der Stephan, der Hund, der tanzende Typ in schwarz (siehe anderer Bericht) und ich - und was ruft das Publikum? „Der Arme Hund!“ Also nicht etwa „Die arme VIGLi kommt vor lauter Lachen kaum zum Laufen“ oder „Die armen Herren müssen sich jetzt bestimmt 42 km lang VIGLi-Gedichte anhören“, nein, nur „Der arme Hund“. So eine weite Strecke, das ist doch Tierquälerei. Das gequälte Tier schob zwischendrin noch eine Runde im Kanal ein, weil er eigentlich doch eher Duathlon-Fan ist und wieso, wir keine Lust hatten Stöckchen (oder Baumstämme) zu werfen, hat ihn auch gewundert. Also da muss man mental erst einmal durch, dass man sich fünf Monate die Finger wund schreibt für die Kunst und dann kommt die Presse und fragt: „Wie geht es dem Hund?“
Aber ich habe ihr das natürlich nicht übel genommen, der Birke. Wir laufen jetzt auch noch zusammen. Statt Otterndorfer Watt ist Kemnader See im Dunkeln angesagt. Stephan sagt nun nicht mehr „jetzt ist er 136“ (siehe „Der Pulsmesser“) sondern „Birke – hier!“. Das ist für mich ok. Das was früher die „Mein-Puls-ist-weg“-Breaks waren, das sind jetzt die „Birke-ist-weg“-Pausen. Stephan rennt dann los, ruft „Biiiirke“ und ich mache eine Trinkpause. Das ist auch ok, nur manchmal ein bisschen beängstigend. Der Hund soll schließlich schon auf alle Fälle wieder kommen, genau wie der Puls. Aber da ist so ein Tier eben doch eigenständiger als das Blut. Der Duft von einem Reh-oder-was-auch-immer kann für es absolut verlockender sein als die Gesellschaft von Stephan und mir. Das sind so die Wesenszüge, die ich nicht wirklich verstehe.
Heute bin ich allerdings Kemnader See nicht mit Hund und Steppenhahn im Dunkeln gelaufen sondern mit Kröte und Heinz im Hellen. Die Kröte hatte ich in DINA4 auf meinem Pullover und den Heinz immer neben mir. Der Heinz kennt die Birke auch und so bei Kilometer 14 haben wir uns beide sehnsüchtig an sie erinnert. Es fehlte einfach jemand der weg läuft, so dass man in Ruhe eine Trinkpause einschieben kann. Ich meine, wenn jetzt der Heinz weg gelaufen wäre oder ich, das hätte einfach nicht so viel gebracht, denn wir hätten uns womöglich gar nicht gesucht. Da ist so ein Hund schon was anderes. Als wir das dann mental verdaut hatten, dass wir da in der Spitzentruppe der Krötenwanderer mitrennen und keine Aussicht auf unverschuldete Pausen besteht, da haben wir uns mental weiter entwickelt. So Läufer sind ja schon pfiffig und auf 18km kann man schon eine Menge Entwicklung durchmachen. Wir schlugen das Thema Ultra und Berglauf an.
„Beim Rennsteig bin ich bergauf immer gegangen. Auf 74km ist das total energiesparend und man verliert kaum an Tempo.“ Das war mein Beitrag.
„Ich muss Höhenmeter für den Rothaarsteig trainieren.“ Das war Heinz.
Dann kam das Lottental. Die ideale Chance für den Berglauf zu trainieren.
„Rennsteig“ gab Heinz das Stichwort und ich reagierte prompt. So gingen wir dann ganz gemütlich die letzten Meter zum Kuchenbuffet beim Steppenhahn. Es gibt also auch Pausen, die frei von Puls- und Hundesuche sind. Deswegen steht der Heinz jetzt auch in meiner Urkunde neben den 1:52 Min und 80 Höhenmetern und direkt auf der Kröte, während ich auf seiner Kröte zu lesen bin. So können wir uns gegenseitig abheften, das ist eine schöne Erinnerung. Wer hat schon eine Kröte mit Verena oder Heinz?
Übrigens kreiste Birke unruhig um den Tisch, als die Läufer so allmählich von ihren Krötenwanderrouten zum Kuchenbuffet wechselten. Sie wäre bestimmt viel lieber gelaufen. Da kann ich nur sagen: Der arme Hund!


© Verena Liebers, 31.01.2006

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Kommentare Kommentare zu diesem Bericht:
 
  • Birke Frank 02-02-2006 07:36

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