Zufälliges Zitat

"When you are 99 miles into a 100-mile running race, your brain is not the same brain you started with."

Paul Huddle

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Matthias Michel zum GutsMuths Rennsteiglauf:
Matthias Michel , 07.02.2006

vom Beckenbruch zum Rennsteiglauf

Vom Beckenbruch zum Rennsteiglauf

1. Teil
Ursache und Wirkung
28.11.2004 3000m über dem Meer - mein netter Arbeitgeber hat zum Skiwochenende auf dem Kaunertaler Gletscher/Tirol geladen- 11:00 Uhr gute Sicht aber etwas frisch. Völlig losgelöst von der Erde, machte ich den Abgang von der Piste. Als der Sinkflug durch die Erdanziehungskraft eingeleitet wurde, sah ich mein Verhängnis immer näher kommen und bereute das erste Mal im Leben keine Flügel zu haben- „das war’s“ waren meine vorläufig letzten Gedanken. Ich schlug mit der rechten Hüfte auf einen 0,5m großen Eisklotz und überschlug mich der Länge nach den Hang hinab. Durch Verkeilen der Skischuhe konnte ich geistesgegenwärtig den Sturz bremsen. Knapp neben mir wurde ich durch „meinen“ kalten Brocken überholt, den ich durch die Wucht des Zusammenpralls gelöst hatte. Ich schaffte es zwar aus eigener Kraft aufzustehen, aber den Hang bis zur Skipiste hochzuklettern konnte ich mir abschminken. Mir wurde schnell bewusst, daß nicht nur der Skitag versaut war. Ein umsichtiger Skiläufer hat meine Misere bemerkt und die Pistenwacht verständigt. 1h später war ich an diesem Novembertag, zum zweiten Mal in der Luft. Ich hatte unfreiwillig das ganze Programm eines Skiunfalls gebucht und wurde mit dem Helikopter des Öamdc nach Zams/Landeck ins Krankenhaus gebracht.
Um 6:00Uhr hatte ich mich heute aus dem Bett gestemmt. Turnschuhe an und los. Wie schon viele Morgen dieses Jahr. Ich hatte die Umgebung genutzt um ein bisschen in den Bergen zu laufen.
Nun lag ich in der Notaufnahme und konnte die Diagnose kaum abwarten. Sicherlich bloß verstaucht, geprellt und wieder mal Glück gehabt -hatte ich zu früh falsche Hoffnungen gehegt. Ergebnis meines „Ausflugs“ Fraktur der rechten Beckenschaufel. Das ist der Knochen wo eigentlich bei vielen Menschen der Hosenbund sitzt. Trotzdem Glück, das ich nicht operiert werden musste und der Bruch keine Fehlstellung des Knochens verursacht hat.
12 Tage stationäre Behandlung und viel liegen.

Mir wurde klar, daß ich die nächste Laufsaison knicken kann. Als leidenschaftlicher Ausdauerläufer mit zunehmenden Ergeiz gespickt, ein unvorstellbarer Gedanke. Ich hatte schon für das nächste Jahr den Rennsteig-Supermarathon im Kopf und das bedeutet ca1450hm bergauf und 72,7km Distance, das wiederum bedeutet trainieren, trainieren, trainieren. Was nun?
Die letzte Saison hatte ich zu meiner Zufriedenheit abschließen können. Meine Marathonbestzeit hatte ich unter 3h auf 2:59:47 netto gedrückt und war beim Berlin-Marathon unter den ersten 1200 Läufern bei 35000 Startern. Einen Monat später schaffte ich in Dresden noch eine persönliche Bestmarke, über die halbe Strecke (21,1kkm) mit 1:25:28, zu setzen.
Nun lag ich erst einmal fest, richtig fest, auf einer Gummimatte mit Bettlacken, ich konnte mich nicht rühren, denn jeder Bruch macht nun mal Schmerzen. Schweißgebadet lauschte ich dem Schnarchen der Zimmernachbarn. Nach 3 Tagen und Nächten durfte ich das erste Mal aufstehen. Solange habe ich die Gesäßmuskeln trainiert und war froh nicht auf den Schieber zu müssen, irgendwie nehme ich jede Herausforderung mit sportlichem Geist. So sah ich auch das gehen an den Krücken, trainiere ich eben die Arme ein bisschen.
Am 9.12.2004 wurde ich entlassen und fuhr mit Marco, meinem Kollegen, nach Potsdam meiner
2. Heimat.

2.Teil
Die Zuversicht kommt wieder
Mein Training begann 14 Tage nach dem Bruch und bestand vorerst aus Radfahren in den eigenen 4 Wänden oder „extrem Krücking“ 2,5h mit Lebensgefährtin über den Potsdamer Weihnachtsmarkt. Nachdem die Gehhilfen nach 3 Wochen ausgedient hatten, ging es häufiger mit Wanderstöcken querfeldein.
Weihnachten’04 ging es mit dem Bike das erste Mal wieder in freier Wildbahn um den Spremberger Stausee. Mein Gesundheitszustand hat sich rapide verbessert. Zwar spüre ich meine Verletzung nachdem Training, was nicht so schlimm ist. Besser danach als davor.
Ich mache jetzt ausgiebige Nordic Walkingtouren 2-3h, ergänzt durch Radfahren, an laufen ist immer noch nicht zu denken und übe mich in Geduld. Zum Jahresabschluß wandern wir unsere große 11 Brücken Spreerunde, in meinem Geburtsort Spremberg (25km)
2004 ist nun auch schon wieder Geschichte und blicke mit Optimismus ins Jahr 2005.
Ich bin der festen Überzeugung, mit positivem Denken leichter über die schattigen Seiten des Lebens springen zu können.
Meine Krankschreibung habe ich nach 6 Wochen beendet.

Im Jan.05 mache ich mich auf den Weg nach Wernigerode. Ziel ist wieder Wernigerode über Brocken, 40km, 1000hm, in 9h inkl. 1h Pause bei bestem Wetter. Mein Training wird durch ein Athletikprogramm ergänzt um die Stützmuskulatur im Fuß und Rumpf zu kräftigen. Ende des gleichen Monats geht es langsam mit dem Laufen los. Erst im Wechsel Wandern-Lauf, dann kleine Distanzen im lockeren Trab.
Den Jan. schließe ich mit 400km Rad, 135km Wandern und 30km Lauf ab.
So geht es weiter bergauf.
Im Februar habe ich mir eine Woche Schneeschuhtour in Südtirol verordnet. Touren um die 5h Dauer und der ständige Aufenthalt 1000m-2500m über dem Meer bringen den Kreislauf weiter auf Tour.
Inzwischen habe ich den Rennsteiglauf wieder im Focus.
Zur Vorbereitung absolviere ich erfolgreich 2x HM Strecken beim Ausdauersportwochenende vom 16.04.-17.04 im Spreewald (Spreewaldmarathon).
Am Sa. ging es in Lübbenau zum Biosphärenlauf an den Start über die 21,1km. Ich habe das Rennen verhalten begonnen und erst nach der Hälfte das Tempo erhöht. Zumal ich mich schon auf die sauren Gurken bei km10, gefreut hatte. Ich war überraschend 6ter der Gesamtwertung geworden und noch überraschender in meiner AK30 auf dem 2Pl. gelandet. Meine Zeit 1:28:41.
Abends ging es mit dem Bike nach Burg um meine Startunterlagen für den 2.ten Streich, zu holen. Irgendwie spürte ich meine „schweren“ Beine und war mir gar nicht mehr sicher ob der 2.Lauf was bringt. Zum Abendessen verschlang ich 300gr. Nudeln mit Pesto.
Am Sonntagmorgen fuhr ich wiederum mit dem Bike von Lübbenau nach Burg, zum Start. Meine Waden hatten immer noch eine gewisse Spannung. Mit etwas Verspätung knallte der Startschuß. Das Starterfeld war stärker besetzt wie am Vortag. Jetzt ging die Post ab. Ich konnte mich in einer schnellen Läufergruppe etablieren.
Und konzentrierte mich darauf meinen Rhythmus zu finden.
Die Verpflegungspunkte waren sehr dicht gestreut, ich begnügte mich mit Wasser zu erfrischen.
Meine Gruppe wurde von 2 weiteren Läufern überholt, ich hing mich an die beiden, die fortan mein Tempo bestimmten. 3km vor dem Ziel zogen die beiden weiter an, was soll’s ich bin ja hier um zu sehen was geht, also ziehe ich mit und immer weiter, bis keiner der beiden mehr bei mir ist. Der letzte km war ziemlich hart, heute hätte ich keinen m weiterlaufen wollen. 5 Monate nach dem Unfall erziele ich eine neue Bestzeit mit 1:23:07 Pl.4 und AK30 Pl.3. Ein gelungener Test.
Rennsteig ich komme!!!
6:45 Uhr ging es los. Langer Wechsellauf steht in meinem Trainingsplan. Es sind noch 3 Wochen bis zu Wettkampf. Meine letzte gr. Einheit. Es werden nacheinander 15min gelaufen und 15min gewandert, solange bis man 5:30h voll hat.
Die letzte Woche ist angebrochen, jetzt heißt es Ruhe, Ruhe und Ruhe.
Das Training wird zurückgefahren. Um den Energiespeicher für den Wettkampf aufzutanken, halte ich mich an einen Ernährungsplan.

WEG und Ziel
21.05.2005 3:30 klingelte der Wecker. Geschlafen habe ich sowieso kaum. Ich bin noch ein wenig nervös oder besser angespannt. Zum Frühstück habe ich vielleicht ein bisschen viel gegessen 3,5 weiße Brötchen mit Honig. In der Dämmerung sind wir zum Marktplatz von Eisenach gefahren. Ein kurzes Warmup. Der Startschuß für Europas größten Crosslauf fiel um 6:00Uhr. 72,7km, 1450hm auf- und 900hm abwärts sind zu absolvieren.
Die ersten 25km ging es bergan, nach 2h hatte ich den Inselsberg erreicht. Jetzt ging es rasend Bergab, fast 200hm wurden wieder vernichtet. Der weitere Weg ging immer mal hoch und wieder runter. Das Wetter spielte bis jetzt auch mit. Die Verpflegungspunkte waren sehr gut und reichlich. Durch Ansagen von Wanderern erfuhr ich, das ich mich unter den ersten 30 Läufern befinde. In Oberhof beginnt es zu regnen, da brauch ich mir zur Abkühlung kein H2O mehr über den Kopf zu kippen. Hier habe ich knapp 55km hinter mir und die Zwischenzeitnahme spuckt 4:32h aus. Im Ziel angekommen bin ich völlig platt. Meine Beine wollen einfach nicht mehr. Ich habe mühe, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Aber hinlegen geht auch nicht, denn ich friere und benötige erst meine Wechselsachen, ich wäre sowieso nicht mehr hochgekommen. Ich habe für die Strecke von Eisenach nach Schmiedefeld glatt 6:13h gebraucht. Das ist der 29Platz von ca. 1850 gemeldeten Startern/in. In meiner Altersklasse30 belege ich zu meiner Überraschung den 3Platz.



© Matthias Michel, 07.02.2006

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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