Zufälliges Zitat

"Schnell wie der Wind ist das weisse Pferd der Araber. Doch das Kamel stampft durch die Wueste, Tag und Nacht."

Unknown (bzw. shakal ryan)

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Jürgen Hoffmann zum Dodentocht:
Jürgen Hoffmann , 14.08.2007

Mein 4. Dodentocht (diesmal mit Doping)!!!

Ja wenn Du einen Brief mit Totenkopf bekommst, setzt der Verstand aus, jedenfalls bei mir (wer schon einmal den Dodentocht gelaufen ist, bekommt per Post eine Einladung, und auf dem Umschlag ist der markante Totenkopf). Also anmelden und schon drauf freuen. Das war vor vielen Wochen. Am 10. Augustus 2007 war es endlich wieder soweit, morgens um 5:00 Uhr aufstehen, damit ich früh ins Büro komme und auch wieder früh weg darf, mein 4. Dodentocht wartete auf mich. Mittags in der Kantine noch mal richtig Nudeln gegessen und dann um 14:00 Uhr (Dank an meinen Chef Stefan) los über Venlo, Antwerpen nach Bornem.

Entspannt die Startunterlagen abgeholt, Andenken (obligatorisches Dodentocht T-shirt und diesmal auch eine neongelbe reflektierende Dodentocht Kappe für die dunklen Winterläufe) gekauft. Zurück zum Auto, vielleicht kann ich ja noch ein Stündchen schlafen, aber wie erwartet, es wurde nichts draus. Gemütlich die obligatorischen rituellen Salbungen vollzogen (Penatencreme auf den Hintern und zwischen die Schenkel) und die Warzen der Brust abgeklebt. Die Ausrüstung (100 Km erprobtes Laufhemd vom Westerwaldlauf 2004, kurze Hose, Odlo Unterhose, RU4 Falke Socken, die neuen Asics GT2120 und meine Gürteltasche mit Kamera, Telefon, 6 Cornys, Euros, Taschentücher, MP3-Spieler und Kappe) angelegt.

Vor mir parkte ein belgischer Läufer, der sich ebenfalls startfertig machte. Ich wünschte Ihm viel Erfolg und ging los zum „Tent“. Dort wollte ich mich um 18:30 Uhr mit dem Schweizer Urviech Bruno (BugsBunny) treffen. Seltsame Typen lungerten am Tent rum:

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Nach kurzer Begrüßung begaben wir uns Richtung Start zur Gepäckaufgabe, Bruno musste seine „Bagage“ scannen lassen, es dauerte ca. 45 endlose Minuten bis wir zum ersten Scannen kamen.

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Wir kämpften uns ca. 50 Meter weiter als im Vorjahr durch, kamen allerdings nicht in die Nähe der Startline, also um 21:00 Uhr kein loslaufen, sondern erst einmal marschieren und zickzack laufen. Endloses warten und unfreiwilliges inhalieren von Zigarettenrauch der Wanderer, aber das kennt man ja als Dodentocht Starter.

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Endlich 21:00 Uhr und los ging es, ja, ging, ca. 5 Minuten bis ich laufen konnte. Dann allerdings waren wir Läufer relativ schnell unter uns und es versprach eine wundervolle Nacht zu werden. Ich lief im gewohnten Trainingsschlappschritt und genoss die Atmosphäre, feiernde Zuschauer am Straßenrand, Dämmerung und entspannte Läufer um mich herum. Ab und zu mal ein Jungspund der vorbeisprintete, na ja, der wird auch noch langsamer werden.

Nach 8,6 Km die erste Verpflegung mit Getränk bei Weert Kerk und langsam wurde es richtig dunkel. Toll, endlich mal wieder ein Nachtlauf, wir liefen entlang der Schelde auf dem Deich und ab und zu hörte man Enten und Gänse schnattern. Positionsleuchten von Booten und Schiffen leuchteten anheimelnd in der Nacht. Dann der krasse Gegensatz als wir durch Bornem liefen, richtiges L’Alpe d’Huez Gefühl mit Abklatschen der vielen Hände verursachte die erste Gänsehaut der Nacht.

Roddam Friesland drinks war bald erreicht, da, ein Läufer mit gelben 100 Mara shirt. Ich rief einfach mal eyh „Affenzahn“ und tatsächlich, er war es, Thomas Radzuweit, den ich mal in Biel kennen lernte. Ich trug ihm Grüße an Schneggi auf und lief ein bisschen mit Ihm zusammen, er startet zum ersten Mal hier, fand es aber schon schön. Dann verloren wir uns aus den Augen bis Wintam. Nach der Möhrenverpflegung saß „Affenzahn“ auf einer Bank und rief mir zu, ich glaube er rauchte eine! An der Schule in Ruisbroek hatte er mich wieder eingeholt und wir aßen gemeinsam leckeren Kuchen. Als Getränk nahm ich heißen Tee mit viel Zucker. Bei mir war alles im grünen Bereich und ich lief viel zu schnell mit 9,3km/h, das lag wohl an der nächsten Verpflegungsstaion, die Duvel Brauerei lockte.

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Aber im Gegensatz zum Vorjahr trank ich diesmal kein Bier, sondern holte mir eine Suppe. Da traf ich dann den Belgier, der vor mir parkte, es sollte nicht das letzte Mal sein, bis zur Palm Brauerei traf ich Ihn an jeder Station.
Ich setzte mich mit meiner Suppe auf eine Brauereigarnitur und schaute mich um. Was für ein Zufall, neben mir entdeckte ich Florian Bechtel, der seinen bewegenden Ultraeinstieg beim ersten Rheintalultraweltkulturerbelauf (nicht nur das Wort ist lang, der Lauf war es auch) feierte.

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Mit Florian lief ich dann wieder viel zu schnell bis zur Schule nach Londerzeel. Dort trank ich wieder Tee mit Zucker und aß ein Mars (ja genau das, Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück). Florian musste ein dringendes Geschäft erledigen und ich machte mich alleine auf den Weg. Florian war gut drauf und würde mich sicher bald einholen. Ich dagegen überholte das letzte Mal „Affenzahn“ der jetzt warm eingepackt im Gehen eine rauchte. Das BergfestschildDodentocht2007

passierte ich allerdings alleine. Es dauerte bis zur Palm Brauerei bis wir uns wieder trafen. Auch hier trank ich diesmal kein Bier, sondern legte eine ausgiebige Pause ein mit Brot, Tee, Wasser und Zitronen. Ich verschenkte die Biermarke an eine Zuschauerin.

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Jetzt wurde es Zeit fürs Doping, also einstöpseln und los ohne Florian, aber mit hard `n heavy in den Ohren. Bisher war ich ja ein Gegner des musikuntermalten Laufens, aber frei nach unserem altvorderen Konrad: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ lernte ich diese Art des Laufens hier in der Nacht zu schätzen. Die Beine waren jetzt seit 6 Stunden nur gelaufen, das können die jetzt auch weiter alleine, was sollten sie auch sonst machen, aber der Kopf, der könnte jetzt Probleme machen.

Durch die peitschende, aggressive, hämmernde Musik in meinem Gehirn wurden alle möglichen Probleme weggeblasen, perfektes Doping, die Beine liefen wie ein Uhrwerk und ich bekam eine Gänsehaut nach der andern, nur die vielen Fahrradbegleiter gingen mir so langsam auf den Senkel. In Ihrem zitternden Licht konnte man sehr schlecht die Wegstrecke erkennen, ohne Licht war es viel besser. Fahrradbegleiter bei einem solchen Lauf? Was soll der Schwachsinn, unterwegs gibt es doch alles was man braucht. Das habe ich schon in Biel nicht verstanden.

Unterwegs zur Sporthal Merchtem passierte mir dann das Malheur, welches bei Florian zuvor ohne Folgen blieb, aber ich nicht verstehen konnte, wie man nur mit offener Gürteltasche loslaufen konnte. Ich verlor einige Dinge, wurde aber darauf aufmerksam gemacht und sammelte alles wieder ein. Nun war aber alles wieder im Lot, ich bekam immer mehr Oberwasser und steigerte mich in einen Laufrausch nach dem anderen. Die Toten Hosen sangen „unsterblich“ und ich fühlte mich wirklich so und steigerte mich wieder auf 7,2 Km/h bis zur Sporthal Buggenhout. Auch hier legte ich eine ausgiebige Pause mit leckern Kokosflockentörtchen und Tee ein. Ich lief die ganze Zeit nur in kurz kurz, es war mir nie kalt und passend zum Sonnenaufgang dann „Hier kommt die Sonne“ von Rammstein auf dem Weg nach Lippelo kurz vor dem 75Km Schild.

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Die Landschaft war nun traumhaft, Wiesen mit Pferden und Rindern, Nebelschwaden in einem Meter Höhe und Läufer, die unbeirrt Ihrem Ziel entgegen liefen.

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Bisher wurde ich noch ab und an mal überholt, es waren immer die gleichen Läufer, die ich an der nächsten Verpflegung aber wieder einholte. Das änderte sich jetzt, ich überholte und zog unaufhörlich Richtung Bornem. Was hatte ich letztes Jahr hier auf dieser Wegstrecke gelitten? Nie mehr 100 Km, schon gar nicht hier, so sprach ich damals im Ziel, und jetzt, Hochgefühl, Unsterblichkeit und grenzenloses Glück beflügelten mich. Ich genoss den Lauf und nahm mir immer ausreichend Zeit zum Photographieren. Ich nahm an den Verpflegungsstellen immer Tee mit Zucker und ein klebriges zuckriges Törtchen, es bekam mir außerordentlich gut. Von meinen sechs Cornys hatte ich bisher nur zwei gegessen und dabei sollte es auch bleiben.

So langsam kam jetzt die Einsamkeit des Langstreckenläufers, niemand war mehr vor mir zu sehen (die waren alle viel schneller als ich) und ich musste mich jetzt selbst auf die Wegweiser konzentrierenDodentocht2007
die ein Verlaufen aber fast unmöglich machten.
Belgien ist ein recht kleines Land, deshalb wird hier auch platzsparend geparkt:
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Von nun an lief ich wieder an der Schelde vorbei. Mit Black Sabbath in den Ohren kam nun bei mir die zweite Luft und ich steigerte mich auf 8,1 Km/h. Die letzten zwei Kilometer bis rauf nach Bornem lief ich im sechser Schnitt, ich flog mit „Dopamin“ der Onkelz den berg rauf und hätte noch ewig so weiterlaufen können, doch dann kam die Annanas
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nach selbst gestoppten 12:25h (ich hatte die Uhr erst gedrückt, nachdem ich die Startlinie überquert hatte.

Mein Lauffreund Bruno alias BugsBunny begrüßte mich überraschender Weise mal wieder im Ziel, er hatte einen erneuten DNF beim Dodentocht hingelegt. Vernüftiger Weise, denn die Gesundheit geht nämlich vor!

Und das war der Dodentocht 2007:
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Ein wunderschöner Lauf, der mir gezeigt hat, dass man nie eine Meinung zementieren sollte, und das eifriges Kilometerfressen im Training selten schadet, sondern oftmals nützen kann. Schade war nur, dass ich Frank Hildebrand, der diesen Kultlauf auch jedes Jahr unter die Hufe nimmt, nicht getroffen habe.

Die Fahrt nach Hause war ätzend, ich bin Samstag um 10:00 Uhr gestartet und habe für die lächerlichen 250 Km fünfeinhalb Stunden gebraucht (Scheixx A4), da wäre ich doch besser gelaufen ;-)

Während ich jetzt den Bericht geschrieben habe, habe ich noch mal exakt die gleiche Mucke gehört und den Lauf noch einmal erlebt, wieder mit Gänsehaut. Also liebe LäuferInen, wenn Ihr einen schönen Lauf noch einmal erleben wollt, schreibt einfach einen Bericht, es ist gar nicht schwer.

Ganz besondern Dank gilt neben den Organisatoren und den vielen Helfern des Dodentocht noch folgenden Personen, ohne die MEIN Lauf so nicht möglich geworden wäre:

Meiner lieben Frau und meinen beiden Kindern,
den Toten Hosen,
den Ärzten,
den Böhsen Onkelz,
Black Sabbath,
Guns `n Roses,
den Scorpions,
Rammstein,
Lynard Skinnard,
Led Zeppelin,
Jimi Hendrix,
Ufo,
Nirwarna,
Frank Zappa und
Ten Years After

Jürgen (funRunny) Hoffmann, Neuss, 13.08.2007

© Jürgen Hoffmann, 14.08.2007

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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