Zufälliges Zitat

"Man kann gar nicht so viel Bier trinken, wie man jetzt heulen möchte..."

Ein Helfer nach dem Ende der 144h in Erkrath 2007

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Gerald Baudek , 16.09.2008

Juli-Tag in Fröttstädt

Die UTMB (Ultra-Trail de Mont Blanc)- Qualli macht's möglich / notwendig. 3 Wochen nach Biel stehe ich schon wieder an der Startlinie eines 100km-Laufes. Diesmal im thüringschen Fröttstädt, wo die ortsansässige Feuerwehr einen Lauf anbietet, den die UTMB-Orga für würdig hält, als halbe Qualifikation den wohl härtesten Berglauf Europas zu gelten.

Die erste Härte bei diesem Lauf lautet "Start Einzelläufer 4:00 Morgens", was wohl auch dafür sorgt, dass sich die rund 150 Läufer erst einiger Minuten vor dem Start versammeln. Beim Start im Dunkeln merke ich nicht, dass meine Uhr noch die rund 1 Stunde und 20 Minuten vom letzten Lauftreff anzeigt und nun die Laufzeit dazu addiert, eine kleine Rechenaufgabe für die nächsten 9 Stunden. Los geht's in einer 5er Spitzengruppe, unter anderem mit Vorjahressieger Jörg Kupfer und Steppenhuhn "Fausto" Carl-Wilhelm Wilke. Nach einigen Kilometern geht es dann in die erste, noch sehr moderate Steigung. Obwohl ich ja "nur finishen" will und für meine Empfindung verhalten laufe, ist bald mein einziger Begleiter der Radler mit dem Schild "Erster Mann". Der Bilck auf den Pulsmesser gibt mir aber recht, kein Grund auf die anderen zu warten. Wieder zwei Kilometer später, ich habe gerade meinen ersten Geh-Abschnitt an einer steileren Steigung eingelegt, kommt Frank Hardenack vorbei geschossen. Auch wenn er vermutlich blufft, und dies Tempo nicht lange halten wird, lasse ich ihn doch kampflos ziehen, und gönne ihm die Fahrradbegleitung. So bin ich nun ganz auf mich und die Streckenmarkierung gestellt. Letztere, bestehend aus gelben Pfeilen und rot-weißem Flatterband, ist aber wirklich gut angebracht, und nur einige, wenige Male muss ich mich an einer Kreuzung erst orientieren um die richtige Richtung einzuschlagen. Verlaufen werde ich mich zu meiner eigenen Überraschung auf der gesamten Strecke nicht. Der Lauf könnte auch "Rund um den Inselberg" heißen, immer wieder ist die Bergspitze mit der charakteristischen Bebauung aus einer anderen Pespektive zu sehen. Bei km 30 läuft dann mal wieder ein weiterer Läufer zu mir auf, und bald auch ein Stück vor mir her. Aber nach etlichen einsamen Kilometern finden Sven Franke und ich dann doch zusammen, und laufen eine ganze Weile gemeinsam. Am Rennsteig war ich deutlich schneller, dafür hat er sich noch einmal gezielt auf diesen Lauf vorbereitet. Kurz nach km 50, an einer weiteren größeren Steigung, läuft Sven krafvoll durch. Ich bleibe stattdessen meinem Vorsatz treu, solche Stellen gehend zu bewältigen. Schon bald entschwindet er aus meiner Sicht. Jetzt wechsele ich zwischen Gehen und Laufen, wie mir gerade zu Mute ist, an den Versorgungstellen gibt es zumeist ungefragt den aktuellen Stand "Der Blaue ist weit weg, und der ist schnell, aber der Grün-Weiße ist bloß 5 Minuten vor dir, den kannst du noch kriegen" ist die Standard-Meldung. Als es dann aber heißt "2 höchstens 3 Minuten" werde ich hellhörig, halte meine Versorgungspause etwas kürzer als gewohnt. Und tatsächlich sehe ich kurze Zeit später das Trikot wieder vor mir, das mir 25 Kilomter zuvor entschwunden war. Sven zeigt sich etwas entrüstet. Ich zeige noch einmal einen betont lockern Schritt, und dabei ein Tempo, dem er nicht folgen kann oder will. Beim nächsten Umblicken ist der Vorsprung bereits auf ein beruhigendes Maß angestiegen, und noch zwei Kilometer sehe ich hinter mir nur noch einen auflaufenden Staffelläufer. Jetzt gilt es nur noch die letzten 10 Kilometer würdevoll zu absolvieren und lächelnd zu finischen. Es ist jetzt kurz nach Mittag, die Straße liegt in der prallen Sonne, da muss man auch erst einmal durch. Bei km 98 noch ein Posten mit Wasser, ein paar Becher voll landen auf meinem Hemd und so kann es dann ins Ziel gehen (mit 9:09:58 und natürlich mit strahlendem Lächeln). Frank ist schon seit über 25 Minuten im Ziel, solange brauchen wir auf Sven nicht zu warten, ein gutes Pferd springt halt nur so hoch wie es muss.

Die wohl originellste Erklärung für eine verspätete Siegerehrung lautet : "Der Orga-Chef muss erst noch ins Ziel kommen" - naürlich als 100km Einzeläufer. Aber er kommt auch schon rund eine halbe Stunde nachdem er "in rund 10 Minuten" angekündigt wurde. Unter Anderem darf ich das Buch "Juni-Nächte in Biel" in Empfang nehmen. Ob der Titel "Juli-Tage in Fröttstädt" jemals erscheinen wird? Günther Rothe und seinem Team sei es von Herzen gegönnt.



© Gerald Baudek, 16.09.2008

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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