Zufälliges Zitat

"Man kann gar nicht so viel Bier trinken, wie man jetzt heulen möchte..."

Ein Helfer nach dem Ende der 144h in Erkrath 2007

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von zum Benefizlauf Shu Jung Lu Chiu Hilden:
, 28.10.2008

24 Stunden einfach nur helfen

Als uns Anfang September die Horrornachricht über Shu-jung Lu Chiu erreichte, waren wir ein paar Tage nicht in der Lage, darüber zu sprechen, ohne einen dicken Kloß in den Hals zu bekommen. Connys erste Reaktion war: „Ich weiß wirklich nicht, ob ich das überhaupt hätte überleben wollen“. Wir hatten Shu-jung in Athen beim 7-Tage-Lauf kennengelernt und hatten sie als nette, oft verschmitzt lächelnde Person in Erinnerung und konnten und wollten uns nicht vorstellen, wie sie ihr Schicksal wohl meistern wird.

Nach ein paar Tagen wich die lähmende Betroffenheit dem Wunsch, irgendetwas zu tun, um ihr zu helfen. Dass die Hilfe nur finanzieller Natur sein könnte, war uns klar, und so überlegten wir, wie wir möglichst viele Menschen dazu bewegen könnten, mit uns gemeinsam für Shu-jung Geld zu sammeln. Die Idee war schnell geboren: ein Benefizlauf sollte wohl ein nennenswertes Ergebnis in finanzieller Hinsicht ermöglichen.

Mit der Hildener Niederlassung der Firma TNT Express GmbH hatten wir in der Zusammenarbeit während unserer 6-Tage-Läufe in Erkrath einen zuverlässigen Partner für solche Aktivitäten gefunden, und so lag es nahe, dort als erstes um Unterstützung zu einer Benefizaktion nachzufragen. Wolfgang Glowatzki, der Niederlassungsleiter und sein Team haben unsere Idee sofort aufgenommen und ihre Hilfe zugesagt. Außerdem erbot sich TNT, Connys gelaufene Kilometer mit einem Geldbetrag zu sponsern.

Als nächstes galt es, eine geeignete Sportanlage zu finden. Uns schwebte sofort die Bezirkssportanlage „Am Bandsbusch“ mit ihrer perfekten Infrastruktur vor. Um schnell reagieren zu können, war es nötig, möglichst rasch von der Stadt Hilden eine Zusage zu bekommen, dass man uns eine Sportstätte für unsere Aktion überlassen würde. Auch hier sprang die Firma TNT helfend ein und stellte den direkten Zugang zum Bürgermeister der Stadt Hilden, Günter Scheib, her. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir die Vorab-Zusage, dass wir eine Sportanlage würden nutzen können, uns so konnten wir noch am selben Tag unsere Idee im Internet publizieren.

Dass unsere Idee unter den UltraläuferInnen angekommen war, stellten wir an der überwältigenden Reaktion in den nächsten Tagen fest. Nicht nur, dass sich fast umgehend mehr als 20 Teilnehmer bei uns anmeldeten, erhielten wir etliche Mails mit der Anfrage, wo man denn Geld hin überweisen könne, wenn man selbst nicht zum Lauf kommen könne. Der eine oder die andere fragte nach der Möglichkeit einer Spendenquittung, und die Beantwortung dieser Frage hat uns fast verzweifeln lassen. Die gesamt Organisation rund um den Benefizlauf hat am Ende nicht so viel Zeit und Energie vernichtet, wie die Frage: „Wie stellen wir es an, dass die Spender von nennenswerten Beträgen in die Lage kommen, ihre Hilfe steuerlich geltend machen zu können?“ Vor uns schichtete sich ein Wust an Bürokratie rund um die Frage der Spendenquittung auf. Etliche Menschen und Vereine beschäftigten sich mit dieser Frage – am Ende haben wir beschlossen: es gibt keine Spendenquittung, es muss einfach ohne gehen, sonst ist das gesamte Projekt gefährdet. Auf unserer Suche nach einer Lösung haben wir Kontakt zur Taipeh-Vertretung in Berlin aufgenommen, wo man uns zugesagt hat, wenigstens dafür zu sorgen, dass auf dem Weg nach Taiwan wenig bis gar kein Geld versickert, und so haben wir uns wieder auf die Aktion als solches konzentriert.

Am 25. Oktober kurz nach 14.00 Uhr war es dann soweit. Gemeinsam schickten Wolfgang Glowatzki von der Firma TNT und der stellvertretende Bürgermeister von Hilden, Norbert Schreyer, rund 30 Teilnehmer auf ihren Weg rund um die Tartanbahn der Bezirkssportanlage „Am Bandsbusch“. Im Vorfeld waren auf das eigens für Shu-jung eingerichtete Spendenkonto bereits rund 2.000 Euro eingegangen. Finanziell war das Unternehmen „Benefizlauf“ schon jetzt ein Erfolg. Dass diese Summe im Laufe der 24 Stunden durch etliche Barspenden während des Laufs und errungene Kilometer, für die Sponsoren noch würden zahlen müssen, auf mindestens 5.000 Euro gesteigert werden kann, hatten wir nicht erwartet. Wir wären mit jedem Betrag oberhalb von 1.000 Euro schon glücklich gewesen.

Abgesehen vom finanziellen Aspekt, zeigte sich bei dieser Aktion aber auch die gelebte weltweite Solidarität der Ultralangstreckler untereinander. Ja, es gibt natürlich auch bei den „Ultras“ Konkurrenz. Ja, nicht immer sind sich alle Ultras in allen Fällen einig. Wie soll das auch gehen? Aber - wenn es eine/n der ihren schicksalhaft getroffen hat, können sie zusammenstehen und echte Solidarität beweisen. Obwohl es in Hilden keine offiziellen Leistungen zu erringen gab, kamen Sportler/innen aus ganz Deutschland und Europa, um ein tätiges Zeichen der Solidarität zu setzen. Der eine oder die andere, die am nächsten Tag in Remscheid bereits für den Röntgenlauf gemeldet hatte, schaute mal kurz am Samstag vorbei. Manch einer ist nur gekommen, um ein paar Euro in den Spendentopf zu werfen. Das halbe DUV-Präsidium, angeführt von Stefan Hinze, ist mal eben vorbeigekommen. Said Kahla ist gar selbst mit gelaufen. Das alles hat uns sehr tief bewegt und hat uns bestätigt, dass es richtig war, diesen Lauf in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.

Unser Dank geht an die rund 40 – 50 aktiven Teilnehmer (so genau haben wir da nicht Buch geführt, mach einer ist nur für ein paar Stunden mitgelaufen und dann wieder nach Hause gefahren), geht an die Helfer, hier ist vor allem Jan-Lukas Jöhring zu nennen, der fast im Alleingang als Verpfleger, Beleuchter und Moderator fungiert hat. Aber auch einige LäuferInnen haben zwischendurch einfach angepackt, wenn es Kaffe zu kochen, Wasser zu schleppen, Pizza zu organisieren etc. etc. galt. An allen Ecken war die berühmte Ultrafamilie aktiv. Danke auch an die Sponsoren, vorneweg die Firma TNT Express GmbH mit ihrer Niederlassung in Hilden, die Vertreter der Stadt Hilden, den völlig unkomplizierten Platzwart der Bezirkssportanlage und seine Ehefrau, die uns in allen Dingen rund um die Anlage den Rücken freigehalten haben. Danke den Sponsoren unserer Teilnehmer. Und, nicht zu vergessen, Danke an Jürgen Spitzer, der ein paar bewegende Videosequenzen von diesem Lauf ins Netz gestellt hat.

Diese Aktion wird in uns noch lange nachhallen. Wenn wir hier nicht auf einzelne Teilnehmer eingehen, so hat das nur den einzigen Grund, es müssten alle ganz besonders hervorgehoben werden – und das würde den Rahmen hier einfach sprengen. Zwei wollen aber trotzdem noch besonders erwähnen: die beiden jüngsten Teilnehmer: Phillip Kohlbrok, der mit seinen 12 Jahren 54 km weit gelaufen ist und die neunjährige Sarah Hildebrand, die es auf sage und schreibe 60,4 km gebracht hat. Beides unglaubliche Leistungen, zumal sie völlig ohne jeden Druck von außen erbracht worden sind. Der Ultralauf muss sich um sich selbst und seinen Nachwuchs wohl keine Sorgen machen!

Cornelia und Siegfried Bullig

Nachsatz: das Spendenkonto wird für die Sponsorenzahlungen noch bis zum 15. November offen gehalten. Danach werden wir das Geld nach Berlin zur Taipeh-Vertretung überweisen, von wo aus es direkt an Shu-Jung gehen wird. Wer die Gelegenheit nutzen möchte, noch geht es!


© , 28.10.2008

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


Kommentare Kommentare zu diesem Bericht:
 Bisher hat leider noch niemand einen Kommentar geschrieben :-((

Du bist nicht angemeldet und kannst somit keine Kommentare schreiben!

Falls du bereits als User registriert bist, kannst du dich hier anmelden, ansonsten müsstest du einmalig eine "Registrierungsprozedur" über dich ergehen lassen...