Tritt ein, bring Glück herein

Stop, leider geschlassen!

 

Bärbel Krapp zum Lauftage 100 KM Biel-Bienne (15.06.2006) - Ultramarathon beim Steppenhahn (10.2000)

Zufälliges Zitat

"There is nothing noble in being superior to some other man. The true nobility is in being superior to your previous self"

James Raia

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Bärbel Krapp , 15.06.2006

Biel 100 km - Die Nacht der Nächte

Wo soll ich anfangen - soooo viele Eindrücke und sicher kann ich nur einen Bruchteil widergeben. Also am besten direkt mit der Anfahrt. Jozsef und ich sind bereits Donnerstag vormittag aufgebrochen. Jozsef hat die Laufsachen gar nicht erst mitgenommen, da er schon seit einer Woche wieder mit seiner Nasennebenhöhle zu kämpfen hatte.

Mit dem Flieger nach Zürich. Dort schon leicht Ängste ausgestanden, weil der Flieger beim Landeanflug ganz schön schaukelte und ich dachte, er setzt nicht mit den Rädern, sondern mit einer Tragfläche auf. Aber alles gut überstanden.

Dann zum Bahn-Ticketschalter. Dort die bittere (teure) Nachricht: die 50% Rabatt für Voranmelder gelten nur bis Sonntag, 11.6. Also auch mein Ticket zum regulären Preis gekauft – waren teurer als die Flugtickets . Schnell in den schon wartenden Zug gestiegen. Wir sagen noch scherzeshalber, wenn die Züge so super ausgestattet sind, na gut, dann ist das viele Geld auch gerechtfertigt. In Zürich Hbf steigen zwei Schaffner zu und teilen uns mit, dass wir in der ersten Klasse sitzen (ach deshalb die super Sitze) und ob wir nachlösen wollen oder die Klasse wechseln – ach nee – nachlösen muss nicht sein Also für den Rest der Strecke im richtigen Abteil (ist aber immer noch wesentlich sauberer als bei uns).

Wir kommen an und finden gleich in der Nähe des Hbf direkt am Bieler See unser Backpacker-Hotel (ganz wichtig – vor allem für Jozsef zur Überbrückung – inkl. kleiner Privatbrauerei ). Leider ist hier ein Fehler passiert und uns wird gesagt, dass wir am Samstag morgen das Zimmer (von Doppel auf 6-Bett) wechseln müssen. Uns wird aber zugesichert, dass wir das 6er für uns allein haben. Da hat Jozsef am Samstag ja gut zu tun, denn ich werde zu der Zeit noch unterwegs sein.

So, jetzt erst mal ein/zwei Bierchen testen und Kontakt mit Micha und Gero aufnehmen, ob wir uns um 18.30h am Eisstadion treffen. Alles klar, die beiden wollen auch ihre Start-Nummern abholen. Großes Hallo und Kennenlernen von den beiden anderen Berlinern Achim und Joachim. Beim anstehen noch einige andere übliche Verdächtige getroffen und dann zur Pasta-Party. Hier hab ich auch noch ein Bier getrunken (das war wahrscheinlich eins zu viel) oder aber die Wetterumstellung, der unruhige Flug… auf jeden Fall hatte ich die ganze Nacht Kopfschmerzen und da diese am Morgen nach dem Frühstück immer noch nicht besser waren, blieb mir nichts anderes übrig, als eine Aspirin zu nehmen. Mach ich zwar äußerst ungern, aber ich hatte auch keine Lust, den ganzen Tag und vor allem am Abend immer noch mit Kopfschmerzen rumzulaufen. Zum Glück wurde es kurze Zeit später auch besser.

Dann sind wir erst mal nach Biel in die Stadt, denn mit Jürgen rechneten wir erst gegen Mittag. Habe aber mal sicherheitshalber eine SMS geschickt, dass wir in der Stadt sind und er sich melden soll, wann er in Biel eintrifft. In Biel erst mal ins Café Central auf einem großen Platz
und nicht mal ne halbe Stunde später sehen wir die vier Berliner auf das Café zusteuern Also wieder zusammen sitzen und gegenseitiges Aufmuntern für den Abend. Mittags dann Richtung Hbf / Hotel. Auf einmal hinter uns der Ruf „Bärbel“ – war Jürgen, der natürlich kein Handy dabei hatte und schon wesentlich früher als gedacht angekommen ist und seinen Rucksack schon im Hotel deponiert hatte. Gemeinsam ins Hotel um meine vergessene Fahrkarte (für kostenlose Fahrten innerhalb von Biel) zu holen und weiter zum Eisstadion. Tja – Pech gehabt, hätten wir vorher mal lieber nachschauen sollen. Heute erst ab 16.00h Startnummern-Ausgabe.

Also, um die Zeit zu überbrücken, hat uns Jürgen überredet, erst mal zur Taubenlochschlucht zu fahren und dort ein Stück rein und wieder zurück zu laufen. Eigentlich wollte ich mich ja schonen und relaxen vor dem Lauf . Die Schlucht hat sich aber gelohnt

Auf ein neues – zurück zum Eisstadion. Auf halbem Weg schon von Bernhard Sesterheim (letztes Jahr Badwater gefinisht) eingeholt worden. Wie immer viel zu erzählen und gemeinsam zum Stadion. Startnummer für Jürgen geholt, gemeinsam Pasta gegessen und Mathias, Manfred und die übrigen Berliner getroffen. Danach zurück zum Hotel und noch etwas in den „hart erkämpften“ Liegestühlen ausgeruht, dabei Sonnenbrand auf der Nase bekommen. Jozsef kennt natürlich keine Rücksicht und trinkt Bier; Jürgen auch zum Test eins – ich als Vernünftigste natürlich nicht

Langsam wird es Zeit, uns fertig zu machen. Cremen was das Zeug hält, und genau überlegen, was mitgenommen wird, was nicht. Jürgen entscheidet sich kurzfristig nicht nur neue Schuhe anzuziehen, sondern auch noch für nicht selbst getestete – aber von anderen für gut befundene – Zehensocken. Sehr lustig die bunten Ringel-Zehensocken (und farblich so gut auf die anderen Sachen abgestimmt ). Hoffentlich geht das gut, denke ich so für mich. Rucksack genommen (Jürgens Part) und auf geht’s.

Im Bus steigen immer mehr Läufer zu und am Eisstadion angekommen, erst mal zum Treffpunkt. Und so nach und nach trudeln auch alle inkl. Ryan ein. Gegenseitiges Glück wünschen, von Jozsef verabschieden und dann fällt auch schon der Startschuss. Jürgen und ich sind gemeinsam mit Gero, Micha, Mathias und Manfred ziemlich weit hinten im Startfeld. Wir wollen uns auch nicht von anderen verleiten lassen, zu schnell anzugehen, was soweit auch klappt – bis auf einmal, als mich ein Bekannter (Yogi) einholt und doch immer wieder das Tempo anzieht und etwas schneller läuft, als wir es uns vorgenommen haben. Bis er erkennt, dass er zu flott ist für uns und abreissen lässt. Für Manfred sind wir etwas zu schnell und er läuft lieber langsamer.

Die ersten ca. 6-7 km geht es durch Biel mit vielen Zuschauern, hier überholen wir auch Elisabeth Krämer, die mich so toll beim 24h-Lauf in Köln letztes Jahr angefeuert hat. Kurze Zeit später kommt der erste knackige Anstieg und wir verfallen in flotten Gehschritt. Das haben wir vorher schon besprochen, um unsere Kräfte zu sparen. Nach dem längeren Anstieg schauen wir noch mal auf das beleuchtete Biel zurück und es ist spürbar kühler geworden. Die nächsten km vergehen wie im Flug und wir laben uns an den Verpflegungsstellen. Die Auswahl ist ziemlich groß (sehr schön – die Nacht ist gerettet ). Bald kommen wir nach Aarberg und hier auf der Holzbrücke ist die Hölle los. Jürgen etwas vorgelaufen und drei Bilder gemacht (wobei wir hinterher feststellen, dass ich in eins richtig reingelaufen bin und nichts von der Brücke, sondern nur mein grinsendes Gesicht zu sehen ist). Diese drei Bilder stellen im übrigen die ganze Bilder-Session dar – wovon Jozsef zwar enttäuscht war, durch Geros Bilder jetzt aber entschädigt wurde

Nach ca. 22 km kommen zwei langgezogene Steigungen und auch hier gehen wir immer wieder. Schön, so kann man prima erzählen und alle Eindrücke geniessen. Jürgen fragt mich, ob ich es auch spüre, wenn wir unter einem alleinstehenden großen Baum herlaufen, dass es dort viel wärmer ist, und tatsächlich – ein schönes Gefühl, an dem wir uns immer wieder erfreuen können. Jürgen muss in der ersten Zeit kaum die Stirnlampe anmachen, da auch andere Läufer Stirnlampen haben und das schon ausreicht. Außerdem stossen irgendwann die Fahrradfahrer dazu und auch hierdurch gibt es Licht. Schon einige Zeit vorher überholt uns der erste Marathonläufer; die bringen irgendwie Hektik rein, was mir persönlich nicht so gut gefällt, genau wie die Staffettenläufer, man orientiert sich doch auch danach, was hinter einem passiert, und hat Angst, dass einen jemand über den Haufen fährt oder in die Hacken läuft. Aber gut, die Marathonläufer sind wir nach 38,x km los

Toll ist das Erlebnis, dass durch den Fast-Vollmond der Mond Schatten wirft – da ich nie nachts laufe, eine neue Erfahrung. Und ich muss aufpassen, mich nicht vor mir selbst zu erschrecken.

Bald haben auch wir die Marathonstrecke hinter uns – allerdings müssen wir währenddessen noch mal einen Berg überwinden, danach geht es leicht bergab und wir haben nach 6h Bergfest am 50km-Schild. Danach meint Jürgen, wäre es Quatsch umzudrehen, denn dann hätten wir ja eine längere Strecke zurückzulegen Wo er Recht hat… Kurz danach dann die Stelle, wo ich zu Jürgen sage, ich müsste mal kurz in die Büsche und er dann natürlich auch die Gelegenheit wahrnimmt (zu öfter hatten wir hinterher ja auch gar keine Zeit mehr )

Bald kommen wir nach Kirchberg, wo die Möglichkeit besteht, mit Wertung auszusteigen. Es sind einige Läufer im Bus zu sehen. Wir sind froh, dass es uns gut geht und wir weiterlaufen können. So langsam bin ich gespannt auf den berühmt-berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad. Was wird mich dort erwarten? In der Zwischenzeit merken wir, dass wir immer mehr Läufer überholen, und selbst fast nur noch von Staffettenläufern überholt werden. Gutes, nein sehr gutes Gefühl, weil das bis ins Ziel auch so bleiben wird.

Jetzt kommen wir zum Ho-Chi-Minh-Pfad und so langsam kommt die Dämmerung durch. Wir brauchen zwar teilweise noch die Stirnlampe – aber die dient eher der Sicherheit, weil es doch sehr steinig und wurzelig ist. Einmal knicke ich leicht mit dem Fuss um, aber zum Glück nichts passiert. Das würde mir gerade fehlen. Der Pfad zieht sich ziemlich in die Länge und erfordert volle Konzentration. Danach auf den Emmendamm und hier können wir beobachten, wie die Sonne langsam aufgeht.

Mist, jetzt hab ich einen Stein im Schuh. Sage Jürgen, ich warte noch den steinigen Weg ab und dann such ich mir ne Bank zum stützen. Stein raus und weiter geht’s. Kann mich sogar noch bei km 65 bücken ohne Probleme. Jürgens Kommentar: haste Dich bis jetzt noch nicht richtig angestrengt

Km 70 und 75 gehen ohne Probleme vorbei. Dann kommt Bibern und die letzte Möglichkeit des Ausstiegs mit Wertung bei km 76,x Auch hier ist gerade ein Bus – aber wesentlich weniger, die drin sitzen. Ich schaue gar nicht richtig hin, da ich mit allen mitfühle, die sich zu dem Schritt entscheiden. An der Verpflegungsstelle vor dem letzten knackigen Anstieg wird gerade eine Läuferin interviewt – nein, nicht ich – hätte ja auch gar keine Zeit für gehabt

Beim Lauf nach oben, merke ich, dass ich eine Stelle nicht gut genug eingerieben habe, es reibt schon stark – zum Glück hat Jürgen auch noch die Hausapotheke im Rucksack und so wird noch mal kräftig geschmiert. Rest einfach ans Unterhemd

Oben haben wir – zumindest hügelmässig – das schlimmste geschafft. Dank neuer Bergabtechnik macht mir das langgezogene Hinunterlaufen nicht viel aus. Bin immer noch topfit und das, obwohl Jürgen seit km 75 das Tempo leicht angezogen hat. Wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass er mich unter 12 Stunden ziehen will, sondern rechnete nach den 6h bei 50 km eher mit 12:30-13:00h, wenn keine Probleme kommen. Also hatten wir plötzlich nicht mehr so viel Zeit für die Verpflegungspunkte, alles wurde etwas schneller abgewickelt. Bis km 90 auch gar kein Problem, danach wurde es allerdings etwas härter für mich.

Kurze Zeit später an einem leichten Anstieg holen wir Joachim ein, der leider mit Seitenstichen zu kämpfen hat. Wir wünschen uns gegenseitig gutes Durchkommen und dann müssen wir wieder zügig weiter.

Bei km 94 Mathias eingeholt. So eine Freude für uns alle. Für Jürgen, weil er die Führungsarbeit gern etwas aufgeteilt hätte, für Mathias, weil er sich so an uns hängen konnte und die 11hxx wieder in erreichbare Nähe kamen und für mich einfach deshalb, weil ich gern nette Männer um mich rum habe Bei km 95 folgten dann (zur besonderen Qual für mich) die einzelnen km-Schilder. Der nächste km war endlos. Als Mathias sagte, den haben wir in 6:15 (?) geschafft, konnte ich es nicht glauben, ich dachte es seien mindestens 8 Min. gewesen. Das nächste Schild sehe ich gar nicht – weiss auch nicht, was oder wer mich so ablenken konnte. Auf jeden Fall habe ich auf das Schild gewartet und war sauer, bis Mathias (oder Jürgen) mich von meiner Qual erlösten und mir sagte, wir sind an 97 schon vorbei und jetzt kommt bald das km Schild 98. Und so war es zum Glück auch.

Mathias meinte, jetzt könnten wir doch etwas Druck rausnehmen. Aber nein, Jürgen geht lieber auf Nummer sicher und wir bleiben im 6er-6:30er Schnitt. Bei km 99 dann ein klein wenig (minimal!) lockerer und Richtung letzte Kurve – wer steht denn hier – Micha, schon geduscht, dass konnte leider nur eins bedeuten

Aber unsere Freude gemeinsam ins Ziel zu laufen, war natürlich trotzdem riesengroß und auf der Zielgeraden sagte der Sprecher: Bärbel Krapp aus Düsseldorf, die zwei Männer ins Ziel bringt – Jürgen Köllner aus Berlin und Mathias Paul. (ich habe in der Aufregung aber nur Bärbel Krapp gehört – das andere haben Mathias und Jürgen mitbekommen).

Jozsef hat uns schon erwartet und alles bildlich festgehalten

Der Lauf war ein superschönes Erlebnis, von dem ich noch lange zehren werde – vor allem, weil gemeinsam mit Jürgen. Vielen Dank lieber Bruder! Ohne Dich hätte ich das nicht – zumindest nicht in dieser für mich so tollenZeit und mit so vielen schönen Eindrücken/Erlebnissen geschafft.

Gruß Bärbel

© Bärbel Krapp, 15.06.2006

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


Kommentare Kommentare zu diesem Bericht:
 
Bernhard schrieb am 17-06-2006 10:27:

Re: Biel 2006

Hallo Bärbel,
So wie ich Deinem Bericht entnehme, hat ja alles wunderbar geklappt und Deine Erwartungen wurden weit übertroffen.So gehe ich davon aus, daß es auch für Dich bedeutet: "einmal Biel, immer Biel".
Herzlichen Glückwunsch und habe weiterhin viel Freude am Leben!
Bernhard
--
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