Zufälliges Zitat

"Wenn gar nichts mehr geht, 50 Kilometer gehen immer noch."

Walter Wagner, Laufreport

Nächster Ultramarathon

"Miniultra" mit Unterbrechungen

Cape Wrath Challenge - Ab durch die Dünen..

Am nördlichsten Zipfel Schottlands fand ein Etappenlauf mit einem ungewöhnlichen "etwas-mehr-als-Marathon" am letzten Tag statt.

Nach einem Tag zur Akklimatisierung machen wir (Stefan Schlett, Edgar und ich) uns am 21.05.02 mit etwa 100 anderen Läufern auf, die ersten 12 Meilen entlang Loch Eriboll unter die Füße zu nehmen. Tausende dümmlich dreinblickender Schafe sind unsere einzigen Zuschauer.

Den Nachmittag verbringen wir am menschenleeren Strand, lassen uns den Pelz verbrennen und ich mich tatsächlich von Stefan zu einem eisigen Bad überreden.

Der zweite Tag führt uns bergauf und ab über Wiesen und Heide, teilweise ohne Wege. Die 5 Meilen sind ein einziger Genuss und definitiv zu kurz!

Cape Wrath Challenge - Bachtal ohne Wald

Danach geht's rauf auf Ben Hope, höchster Berg hier im nördlichen Schottland. Abends ist Tanzen angesagt. Einheimische versuchen gemeinsam mit dem Dorflehrer uns steifen und ungelenkigen Läufern die traditionellen schottischen Tänze näher zu bringen.

Die dritte Etappe über 10 Meilen ausschließlich Strasse und Schafe lassen mich die Zeit mit den anderen Teilnehmern verschwätzen.

Nachmittags besuchen wir Handa-Island, menschenleer, hunderttausende Seevögel auf den Klippen und herrliche Ausblicke über die Insel und zurück zum Festland.

Zum Barbecue am Abend gibt's schottisches Wetter: es regnet ordentlich. Der Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch. Zunächst versuchen wir uns am riesigen Feuer zu trocknen - alle 3 Minuten wenden wie ein Brathähnchen, aber als wir satt und bis auf die Knochen nass beschließen doch lieber den Rückzug anzutreten hört es natürlich auf zu regnen.

Am nächsten Morgen versuchen wir uns mit seakayaking. Der Lauf ist am Nachmittag, da wir auf Niedrigwasser warten müssen. Zuerst entlang des feinen Sandstrandes, geht's dann zurück über Dünen und durch teilweise tiefen Sand. Wir haben das zweifelhafte Vergnügen während des Laufes Zeugen einer der vielen Militärübungen zu werden. Auf Cape Wrath, der Insel für den morgigen Marathon werden Bomben abgeworfen. Es donnert wie bei einem Gewitter und wir sehen die Rauchfahnen aufsteigen. Mir ist bei dem Anblick recht mulmig zumute.

Am Abend gibt es in der Bar extra für uns ein umfangreiches Angebot an diversen Nudelgerichten und anschließend ein Livekonzert mit Musik aus den wilden 60ern.

25.05.02 Heute gilt's.

Cape Wrath Challenge - What a view..

Ein sehr eigenartiger Wettkampf. Die vorangegangenen Läufe muss man zwar absolvieren, sie werden aber nicht gewertet!!

Doch der heutige Lauf über 27,2 Meilen zählt! Wir starten in Gruppen. Die Staffelläufer sind schon lange weg und jeweils etwa 15 Ultras machen sich auf zur Fähre! Dort stoppt die Zeit, wir werden in noch kleineren Grüppchen übergesetzt und auf Cape Wrath einzeln wieder neu gestartet. Wir haben ein Logbuch bei uns, auf welchem sämtliche Ankunfts- und Ab'lauf'zeiten durch die entsprechenden Marshalls verzeichnet werden, die Nettolaufzeit wird erst am Ende errechnet.

Gleich der erste Anstieg ist sehr steil und es wird einsam. Etwas mehr als 11 Meilen rennt jeder über die vielen Hügel und das kleine "Feld" verteilt sich schnell. An zwei Punkten betreut uns das Militär, notiert die Nummern der Läufer und versorgt uns mit Getränken.

Cape Wrath Challenge - Turm am Ende..

Am Leuchtturm wird für jeden Läufer wieder die Zeit angehalten und man hat Pause so lange man mag, um sich den Turm, die Klippen, das riesige Nebelhorn und die Küste anzusehen. Edgar wartet bereits auf mich, hat er doch meine Banane im Rucksack für mich hierher geschleppt! Mit mehreren Bechern heißem Tee gestärkt, trete ich eine halbe Stunde später den Rückweg an. Edgar ist schon unterwegs, ihm war in kurzen Ärmeln kalt, ich bin, wie immer, wie zur Sibiriendurchquerung gekleidet. Kurz vor der Fähre hole ich ihn ein, er hat viele Bilder gemacht und ist überrascht, dass ich bereits da bin. Nach der Rückfahrt auf der Fähre, jetzt bei deutlich niedrigerem Wasserstand, habe ich zum ersten Mal im Leben die Gelegenheit dem führenden Polizeifahrzeug als erste unseres kleinen Grüppchens nachzulaufen! Ich fliege mit dem Wind im Rücken förmlich den Hügel hinauf.

Im Ziel darf ich auf Edgar warten, schade nur, dass er die Kamera hat. Es konnte ja niemand ahnen, dass ich vor ihm hier sein würde.

Das Büffet am Abend ist vom Feinsten, besonders für einen Fischfan wie mich und die vor drei Tagen eingeübten schottischen Tänze machen die müden Beide munter. Das ganze Dorf ist auf den Beinen und feiert mit uns.

Siegerehrung gibt's natürlich zwischendurch auch noch! New Balance Laufschuhe für die ersten drei Männer, Frauen und alle Teilnehmer der ersten drei Teams!

Wir drei Deutschen haben uns wacker geschlagen. In der Gesamtwertung bilde ich genau die Mitte. Platz 20 von 39 Finishern. Stefan ist zwei Plätze vor, Edgar zwei Plätze hinter mir. Und ich darf mich als zweite Frau über die neuen Schuhe freuen!

Fazit: absolut empfehlenswert! Ein Laufurlaub der etwas ungewöhnlichen Art, frei von Zeitendruck in wunderschöner Landschaft und TOP organisiert! Auch das Rahmenprogramm für rennfreie Nachmittage und begleitende Nichtläufer machen die Wahl eher zur Qual, da mehr geboten wird, als Zeit ist. An den geführte Wanderungen oder Landyachting, den Führungen zu den Vogelkolonien, Abseiling und Klettern haben wir gar nicht teilnehmen können.


© Angela Ngamkam & Edgar Kluge , 30. Mai 2002
notcrazyisnotnormal@yahoo.de

Und so stand es in den News vom 26.02.2002:

  • The Cape Wrath Challenges
    CAPE WRATH CHALLENGESMal Lust auf etwas ganz besonderes? Vom 21. bis 25.Mai 2002 findet am Ende Grossbritanniens - da wo dich nichts ausser Wasser mehr trennt vom Polarkreis oder von Canada - ein Etappenlauf statt. 8, 5, 10 und 4 Meilen - gefolgt von einem 27Meiler am 5.Tag in "the last great wilderness" - einen schöneren Lauf-Urlaub kanns doch fast gar nicht geben...