Zufälliges Zitat

"I'm going to have a bath instead of a shower.. that way I don't have to stand on my feet."

Bob Lance

Nächster Ultramarathon

Burkhard Jürgens , 13. Oktober 2004
Burkhard Jürgens

Was fürs Auge

Der Baden-Badener Panoramalauf ist eine Runde für Genießer

Beim Merkur ist die Gruppe über den Berg. Manche eher kurzatmig, andere kraftvoll-elegant, aber Hauptsache, dass niemand am ersten steilen Anstieg des Panoramalaufs gescheitert ist. Oben auf dem Baden-Badener Hausgipfel belohnt alle der gleiche weite Blick: Unten in der Rheinebene glänzt silbern der Fluss, dahinter schimmern die Vogesen durch den morgendlichen Dunst.
Panoramalauf 2004 Nach Süden zu, von der Sonne warm beschienen, der den Höhen, Dörfer in den Tälern. Am Aussichtspunkt spendet ein Brunnen köstliches, kühles Wasser. Neben ihm ein verwittertes Relief des Gottes Merkur; der römische Patron der Wanderer gab dem Berg seinen Namen. Ob es an ihm liegt oder an der motivierenden Aussicht ­ plötzlich scheint gewiss, dass es ein guter Tag wird und ein guter Lauf. Immerhin 50 Kilometer stehen noch an.

Panoramalauf 2004

Laufen und schauen: Ernst Jünger notierte einmal, auf einhundert Metern zu Fuß sehe man mehr als während einhundert Kilometern im Auto. Und tatsächlich: Wie der Weg sich ins Tal windet, Obstwiesen durchquert und auf laubbedeckten Waldpfaden wieder ansteigt ­ ständig wechseln die Eindrücke. Hier leuchten herbstlich rote Beeren in einer Hecke, da malt die Sonne Lichtflecken ins Buchenlaub; immer wieder öffnet sich eine neue Perspektive auf Baden-Baden und die umliegenden Täler. Wer läuft und dabei nicht nur Kilometer frisst, zehrt ebenso vom Schauen wie von Energieriegeln und Wasser. Einleuchtend, dass Rolf Mahlburg auf die Idee kam, mit Veranstaltungen wie dem Baden-Badener Panoramalauf Menschen das Augenlicht zurückzugeben.

Panoramalauf 2004

Bei diesem Lauf gibt es keine Sieger, keine Verlierer. Nur Gewinner. Dass es nicht darum gehe, Schnellster zu sein, hatte Rolf vor dem Start am Morgen noch betont. Gemeinsam laufen, gemeinsam ankommen, ist sein Motto. Und: Gemeinsam helfen. Statt eine Startgebühr zu verlangen, erbittet er einen Beitrag für die Christoffel-Blindenmission, ein christliches Hilfswerk, das sich auf die augenärztliche Versorgung in armen Ländern spezialisiert hat. Damit alle Spenden dem guten Zweck zugute kommen können, beschränkt sich die Logistik rund um den Panoramalauf auf das wirklich Notwendige: Nur ein paar Radler begleiten den Trupp, an den sechs Versorgungsstellen gibt es Wasser und Zitronentee aus soliden Bechern statt Wegwerfgeschirr. Was einfach ist, kann also auch noch ökologisch sein. Und entgegen der Ankündigung, dass jeder selbst für sein Essen sorgen müsse, haben ein paar gute Geister doch noch Äpfel geschnitzelt und Butterbrote geschmiert. Es mangelt an nichts.

Panoramalauf 2004

In gemächlichem Tempo geht es durch die Landschaft, für die Schnellen nicht zu langsam, für die Langsamen nicht zu schnell ­ eine Art Genusslauf. So kommt man ins Gespräch, teilt mit dem gemeinsamen Erlebnis auch je eigene Erfahrungen. Von seinem Ultramarathon auf Réunion erzählt einer, hundertdreißig Kilometer mit achttausend Höhenmetern, eine elende Schinderei muss es gewesen sein. Eine Seniorin, drahtig und zäh, schwärmt von ihrem Tourenlauf von der Donauquelle zum Feldberg, dem höchsten Punkt des Scharzwalds. Bald kreist die Unterhaltung zwischen ambitionierten Wettkämpfern und Freizeitläufern um die richtige Verpflegung und Trainingstipps. Beiläufig wird die Runde so zur Ideenbörse und zum Laufseminar.

Die Sonne wärmt behaglich, der Wald duftet, man möchte ewig weitertraben. Aber irgendwann ist die letzte Anhöhe überwunden, und sachte fällt der Weg nach Baden-Baden ab. Als der Pulk nach neun Stunden und mit 63 Kilometern auf den Sohlen wieder am Ausgangspunkt eintrifft, gibt es herzlichen Applaus von den Läufern ­ für das Organisationsteam, aber ein bisschen auch für sich selbst.


© Burkhard Jürgens , 13. Oktober 2004

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