Günter Böhnke , 07. August 2006
The Return of the Desert Fox - Badwater 2006
Mein
Badwater Mantra:
Starte
langsam, stark beende den Lauf
Entspanne
dich, sei offen, genieße jeden Schritt nach Stovepipe Wells
Locker
hinauf zum Townes Paß
Schwebe
hinunter nach Panamint Springs gleich einem Adler
Locker
hinauf zum Darwin Turn Off
Laß
es rollen nach Lone Pine
Locker
hinauf zum Mount Whitney
Umarme die
Gnade
Fühle
die Harmonie des Tanzes
Tanze
weiter, tanzender Läufer, tanze weiter

Dieser Bericht gibt meine Erfahrungen bei der Vorbereitung auf und
der Teilnahme am Badwater Ultra 2006 wieder. Er ist somit kein
Laufbericht im eigentlichen Sinne, neigt eher in Richtung einer
‚wissenschaftlichen’ Abhandlung. Der/die Leser/in mag darüber
erstaunt, gelangweilt, vielleicht sogar enttäuscht sein. Dies
liegt zum einen daran, daß ich diesmal im Vorfeld Lust hatte,
mich in alle Aspekte eines solchen Laufes zu vertiefen, zum anderen
war das emotionale Erleben des Laufes bei weitem nicht so ausgeprägt
wie beim ersten Mal. Daher mag mein Bericht von 2004 die Mehrheit
eher ansprechen, er sei ihr ans Herz gelegt
(/ultramarathon/umbericht0112.html).
1. Zielsetzung
Aus der Zielsetzung und
ihr Spannungsverhältnis zur Wirklichkeit entsteht der Weg, das
Training, die Hingabe, das volle Leben. Folgend die Zielpyramide für
den Badwater Ultra, wobei das jeweils obere Ziel die darunter
liegenden mit einschließt:
1. Unter die ersten 10
soweit nach vorne wie möglich.
2. Meine Zielzeit von
2004 verbessern (< 39 Stunden).
3. Unter 48 Stunden
bleiben, um die Gürtelschnalle, den Buckle, zu erhalten.
4. Offiziell innerhalb
von 60 Stunden finishen.
In einer Zeit von
36:57:35 war es mir vergönnt, die Ziellinie zu durchschreiten,
was mir den 14. Platz einbrachte. Ziel 1 hat sich als nicht
realistisch heraus gestellt, eher war es ein Traum, der weiterhin
darauf wartet, einmal Wirklichkeit zu werden.
2. Training
Zum Training
gehört sehr viel mehr als nur zu laufen. Sei dir jedoch immer
bewußt: auch Regeneration ist Training. Das
erforderliche Training wurde in Zusammenarbeit mit Bennie Lindberg,
meinem Freund und Trainer (www.ad-extremum.de),
im wesentlichen aus der Charakteristik des Laufes in Verbindung mit
der Zielsetzung abgeleitet. Der Badwater Ultra wird verehrt
aufgrund:
* Der Hitze tagsüber mit bis zu über 50°
im Schatten, wobei kein Schatten existiert.
* Der Länge der
Strecke von 135 Meilen bzw. 217 Kilometer.
* Der zu überwindenden
Höhenmeter von ca. 4.300 mit drei sehr langen Anstiegen.
Körper:
Aufgrund der Erfahrungen von 2004 ist eine ausreichende
Grundlagenausdauer von entscheidender Bedeutung, so daß auch
nach ca. 150 km die sehr gut zu laufenden 50 km nach Lone Pine
wirklich läuferisch bewältigen werden können und nicht
in einer schleppenden Gehpartie ausarten. Hier, nicht zu Beginn, kann
enorm viel Zeit gewonnen werden. Dazu dienen:
Back-to-Back-Läufe.
Darunter werden mittellange Läufe von ca. 30 km an zwei
aufeinanderfolgenden Tagen, bzw. vor- und nachmittags ggf. kürzer,
verstanden. Der zweite Lauf soll dabei die Belastung, den
Erschöpfungszustand zum Ende eines sehr langen Laufes
simulieren. Vorteil ist, daß mit einer höheren Intensität
als bei einem sehr langen Lauf trainiert, das Training insgesamt
flexibler gestaltet werden kann.
Sehr lange
Ausdauereinheiten mit bis zu 70 km sowie eine Kombination von
Beidem.
Badwater ist zudem in
Teilen ein Berglauf. 2004 mußte ich die langen Anstiege zum
Townes Paß (27 km) und zum Darwin Turn Off (knapp 30 km) gehen,
war nicht in der Lage zu laufen. Neben Kraft- war daher auch
Lauftraining bergauf Teil der Vorbereitung.
Geist und Seele:
Um den Badwater Ultra zu bestehen, bedarf es einer ausgeprägten
psychischen Stabilität, die Streßbedingungen wie extreme
Hitze, Übelkeit, Schmerzen, tiefe Erschöpfungszustände
und Schlafentzug zu tolerieren in der Lage ist. Meine Übungen
beinhalteten Meditationssitzungen (eine tägliche
Gewohnheit von mir, unabhängig vom Laufen), Visualisierung der
Strecke und des Laufes, Autosuggestion (positive Aussagen,
formelhafte Vorsätze), gedankliche Einteilung und Durchdringung
des Laufes.
Hitze: Das mit
Anstand wichtigste Element ist die Hitzeakklimatisation vor Ort.
30-90 Minuten Training pro Tag für 10 Tage führen bereits
zu einer weitreichenden Anpassung. Auch mental sollte man die Hitze
zumindest 3 Tage vor dem Rennen erfahren haben. Sie ist einfach nicht
vorstellbar. Auch beim 3. Jahr in Folge war sie für mich erneut
ein kleiner Schock. Von Vorteil ist, wenn schon davor unter
Hitzebedingungen trainiert, die Anpassung eingeleitet werden konnte
(Sauna, laufen in dicken Winterklamotten). Bedeutende Dinge geschehen
bei der Anpassung an die Hitze: Herzschlag, Körpertemperatur und
der Salzgehalt im Schweiß sinken unter Belastung, während
die Schweißrate zunimmt.
3. Das
Ernährungssystem
Essen und
trinken bleiben einer der Schlüsselfaktoren für die
erfolgreiche Teilnahme an Ultras, insbesondere bei Extremläufen
wie Badwater. So manch einer kam schon zum Schluß, daß
der Badwater Ultra kein Laufwettbewerb, sondern eher mit einem
Trinkgelage zu vergleichen ist, nicht die Beine, sondern Magen und
Darm den Ausgang bestimmen.
Trinken: In der
Lage zu sein, genügend Flüssigkeit aufzunehmen, ist einer
der zentralen Punkte beim Badwater Ultra. Da die Umgebungstemperatur
(in der Sonne bis zu 70°) weit über der Körpertemperatur
liegt (die Temperatur der äußeren Hautschicht liegt
normalerweise bei 33°), bleibt dem Körper nur die
Möglichkeit durch maximale Schweißproduktion
Verdunstungskälte zu erzeugen. Dabei kann die Schweißrate
2 Liter / Stunde überschreiten. Eine willkommene Art der
Entschlackung, die teure Kuren überflüssig werden läßt.
Hinzu kommen Wasserverluste durch urinieren und beim Badwater Ultra
wegen der extrem trockenen Luft insbesondere über die Atmung.
Durch externe Kühlung (insbesondere nasse Handtücher) kann
der Flüssigkeitsverlust allerdings erheblich reduziert werden.
Beim Western States
100, ein 100 Meilen Lauf in Kalifornien, wird bereits ein
Wasserverlust von 3 % des Körpergewichts wie folgt beschrieben:
Der Läufer fühlt sich müde und nähert sich der
Erschöpfung. (A Step Beyond: A Definitive Guide to Ultrarunning,
Herausgeber: Don Allison, 1. Auflage 2003, S. 126). Bei meinem
Körpergewicht von ca. 85 kg sind das gerade mal 2,5 kg. Wie
schnell ist dies bei einem möglichen Wasserverlust von ca. 2
Liter / Stunde erreicht.
Die Schlüsselfrage
ist, wie unser Organismus, insbesondere Magen und Darm, solch eine
Menge an Flüssigkeitszufuhr bewältigen kann. Dazu schreibt
mir Dr. med. Beat Knechtle: „Beim Trinken kannst du
wahrscheinlich schon mehr als 1 l / h in dich hineinleeren. Du wirst
dann dein Natrium immer mehr verdünnen und am Schluß eine
ausgeprägte Hyponatriämie (Wasservergiftung) haben. Wenn du
Wasser mit etwas Glukose und Natrium trinkst, kannst du die
Flüssigkeit vielleicht etwas länger im Körper halten“.
Die Zufuhr von Wasser muß daher unbedingt im Zusammenhang
mit der Aufnahme von Natrium geschehen.
Ergebnis:
Gemäß Aufzeichnungen war ich während der heißesten
Phase zu Beginn des Rennen in der Lage zwischen 1,0 und 1,5 l / h an
Flüssigkeit zu mir zu nehmen, ohne daß ich auch nur
Anzeichen von Magen-/Darmproblemen hatte. Gereicht wurde Wasser mit
600 mg Salz / l. Gelegentlich wurde etwas Saft beigemischt. Enthalten
sind in der Menge 0,2 l / h der Flüssignahrung Fresubin sowie
0,1 l ProvideXtra, das mit Wasser vermengt gereicht wurde. Nach den
ersten Stunden trank ich pro Stunde 0,355 l alkoholfreies Bier, ein
echtes Highlight, das zudem zusätzlich 65 kcal lieferte. Auch
nachdem im späteren Verlauf Magenreizungen (leichtes Erbrechen
durch falsche Nahrungszufuhr) auftraten, war ich immer in der Lage
ein alkoholfreies Bier zu trinken. Insgesamt habe ich ca. 30
Flaschen zu 0,355 l geleert.
Zu keinem Zeitpunkt traten Anzeichen einer Dehydration auf.
Nahrung: Ziel
ist eine ausreichende und schnelle Energiezufuhr, ohne Magen und Darm
unnötig zu belasten. Bei einem Lauf wie Badwater ist von einem
Energiebedarf von ca. 500 kcal / Stunde auszugehen. Dabei sollte der
Energiebedarf eines Ultraläufers nicht nur durch Kohlehydrate
abgedeckt werden, sondern es werden während des Laufes auch
Proteine (Eiweiß) und Fett benötigt. Kohlenhydrate sind
die vom Körper bevorzugte und neben Fett der wichtigste
Energielieferant des Körpers, wobei auch bei langsamem Tempo
ihre Vorräte bald erschöpft sind. Zudem werden sie zur
Verbrennung von Fett benötigt. Nur dann kann Fett als
Energiequelle genutzt werden. Fett steht auch für extrem lange
Läufe in ausreichender Menge im Körper zur Verfügung.
Bei langandauernden Belastungen werden vom Körper auch Proteine
(Eiweiß) zur Energiebereitstellung genutzt, wenn die
Kohlenhydrate in den entsprechenden Muskeln aufgebraucht sind. Ein
unerwünschter Effekt, da der Körper sich dabei selber
kannibalisiert, Muskelfasern abbaut. Der Kohlenhydratzufuhr während
der Belastung kommt somit eine besondere Bedeutung zu. Allerdings
sind nach Knechtle (Knechtle, Dr. med. Beat, Energieumsatz bei
Ausdauerbelastungen, in Praxis 2004; 93: 457-468, S. 465) der
Aufnahme und Oxidation von Kohlenhydraten bei langandauernden
Belastungen aufgrund begrenzender Resorptions- und Transportprozessen
durch Membranen Grenzen gesetzt. So können maximal 250 kcal
(entsprechend rund 60 g Kohlenhydrate) pro Stunde aus der von außen
zugeführten Nahrung zur Deckung des Energieverbrauches
beitragen, wobei in etwa 80 g zugeführt werden sollten (Noakes,
Prof. Dr. Tim, Lore of Running, Discover the Science and Spirit of
Running, 4. Auflage 2003, S. 226f). Dies wären ca. 50 % der
oben ermittelten 500 kcal / Stunde.
Eingesetzt wurde Flüssignahrung der Firma Fresenius Kabi. Die Zusammensetzung
ist:
|
pro 100 ml
|
Fresubin
|
ProvideXtra
|
|
kcal
|
100
|
125
|
|
Eiweiß
|
3,8 g
|
3,75 g
|
|
Kohlenhydrate
|
13,8 g
|
27,5 g
|
|
Fett
|
3,4 g
|
0 g
|
|
Ballaststoffe
|
0 g
|
0 g
|
|
Wasser
|
84 ml
|
81 ml
|
Dabei ist der Hinweis
von Dr. med. Beat Knechtle zu beachten: Zu viel aufgenommene
Kohlenhydrate unter Belastung führen zu Durchfall wegen
osmotisch bedingten Diarrhö.
Zudem gibt Bennie
Lindberg, mein Trainer, zu bedenken: „Die Theorie brauchen wir als
Basis. Aber du weißt ja wie es ist. Plötzlich hast Du dann
mitten in der Nacht Lust auf ein Salamibrot …. und wir haben nur
Fresubin dabei. Hier, so denke ich, liegt das Schwierige beim
Badwater Ultra - alles „theoretisch“ möglichst perfekt zu
machen, aber gleichzeitig eine gewisse Spontanität zu bewahren.“
Ergebnis:
0,2 l Fresubin konnten pro Stunde leicht aufgenommen werden, dazu
kamen 0,1 l ProvideXtra mit Wasser vermengt. Vor Stovepipe Wells
wurde komplett auf ProvideXtra umgestellt, um die Zufuhr an
Kohlenhydrate zu erhöhen. Dies führte vermutlich zu einem
zuviel an Kohlenhydrate und hatte kurzzeitig Durchfall zur Folge, so
daß wieder zurück auf Fresubin gewechselt wurde. Ansonsten
wurde keine weitere Nahrung aufgenommen (außer alkoholfreies
Bier und Coca Cola). Vor Lone Pine und den Mount Whitney hinauf waren
meine Kraftreserven erschöpft, ich ging mehr als ich eigentlich
wollte. 3 Dosen Coca Cola vor Lone Pine à 0,355 l verhalfen zu
einem kurzfristigen Zwischenspurt, dann war die Energiezufuhr
verpufft, der Magen wollte weiteres Cola nicht mehr akzeptieren. So
halfen mir 0,2 l Fresubin und 0,355 l alkoholfreies Bier pro Stunde
über das letzte Stück nach Lone Pine und die knapp 4,5
Stunden den Berg hinauf. Alles andere lehnte mein Magen ab, auch wenn
eine zusätzliche Energiezufuhr äußerst hilfreich
gewesen wäre. Den Berg hinauf war ich voll in der
Fettverbrennung, konnte nur noch gehen und atmete schwer.
Salz:
Insbesondere ein ausreichender Salzgehalt im Körper ist
notwendig, um die zugeführte Nahrung und Flüssigkeit auch
aufnehmen zu können. Das liegt daran, daß Natrium
der quantitativ bedeutsamste Elektrolyt ist. Ein zu geringer
Salzgehalt hat Übelkeit und einen Widerwillen, Nahrung und
Flüssigkeit aufzunehmen, zur Folge. Auch wenn man sich zwingt,
zu essen und zu trinken, weil man richtigerweise glaubt, es zu
benötigen, um ins Ziel zu gelangen, es macht in solch einem
Zustand keinen Sinn mehr. Getränke werden nur noch schlecht
absorbiert, gluckern und schwappen im Darm umher. Was absorbiert
wird, kann vom Körper nicht gehalten, muß bald darauf
wieder ausgeschieden werden. Sinkt der Salzgehalt weiter, wird als
Verteidigungsmaßnahme Wasser vom Blut um die Körperzellen
herum eingelagert. Das ist der Grund, warum so oft nach stundenlangen
Laufen Hände und Füße anschwellen (Hyponatriämie,
Wasservergiftung), wobei die Dehydration zunimmt. (A Step Beyond,
135). Bei einer gut trainierten und an die Hitze angepaßten
Person beträgt der Salzverlust ca. 1,8 Gramm pro Liter Schweiß.
Allerdings: Dr. med. Beat Knechtle weist mich darauf hin, daß
die Natriumaufnahme wiederum durch Körperprozesse auf 800
mg / h limitiert ist. Noakes (S. 198) bemerkt, daß Menschen
weder Flüssigkeit noch Salz in größerem Maße
speichern können. Sinn und Zweck kann daher nur sein dafür
zu sorgen, daß man beim Start ausreichend getrunken hat. Ein
zuviel führt zu vermehrten Toilettengängen und resultiert
in einem gesteigerten Verlust von Natrium und Kalium.
Ergebnis:
600 mg Salz pro Liter Wasser sind geschmacksneutral und haben sich
als völlig ausreichend heraus gestellt.
4. Ohne Kühlung
kein Finish.
Hitze wird dem Körper
gleich aus 3 Quellen zugeführt:
▲ 1. Durch
Sonneneinstrahlung (so soll es ja auch sein im Death Valley).
▲ 2. Durch
Abstrahlung von der Straßenoberfläche (tja, auch noch nach
Sonnenuntergang).
▲ 3. Durch
körperliche Betätigung (nun ja, ich hab ja gewisse Ziele).
Das führt zu dem
Dilemma, daß Blut gleich von 3 Systemen benötigt wird, die
um den wertvollen Stoff miteinander wetteifern:
▲ 1. Blut strömt
vermehrt zur Hautoberfläche, um die innere Körpertemperatur
von ca. 37° Celsius stabil zu halten (1. Priorität des
Körpers).
▲ 2. Blut wird
vermehrt von der Muskulatur als Transportmedium für die dringend
benötigte Energie angefordert (2. Priorität).
▲ 3. Blut wird vom
Magen zur Verdauung benötigt, um die sich leerenden
Energiedepots wieder auffüllen zu können (3. Priorität).
Daraus ist zu
folgern:
1. Je besser eine
externe Kühlung gelingt, desto mehr Blut steht zur Versorgung
der Muskulatur zur Verfügung – dem Sonnenliebhaber und Asketen
läuft es kalt den Rücken runter.
2. Je geringer die
Laufgeschwindigkeit, desto weniger innere Wärme wird erzeugt.
Zudem sinkt der Energieumsatz, so daß weniger Blut als
Transportmittel benötigt wird, was dem Verdauungsapparat
wiederum zur Verfügung gestellt werden kann – der Wanderer
lacht, den schnellen Läufer ergrimmt es.
3. Gelingt eine
Abstimmung der Punkte 1 + 2, so steht dem Magen ausreichend Blut zur
Verfügung, um die sich leerenden Energiedepots immer wieder
aufzufüllen (bei entsprechender Nahrungszufuhr) – nicht die
Beine, der Magen bestimmt den Takt.
Ergebnis:
Ein eisgekühltes, nasses Handtuch alle 7 Minuten während
der größten Hitze sowie ein Eisbeutel unter der Mütze
auf dem Kopf haben sich bewährt. Zusätzlich wurde ein
nasses Halstuch getragen, das die Halsschlagadern kühlte. Die
lange Sonnenschutzkleidung war von Vorteil. Zum einen mußte
kein Sonnenschutzmittel aufgetragen werden, zum anderen war die
brennende Sonne nicht direkt auf der Haut zu spüren.
Auch wenn ich unter der Hitze gelitten habe, zu keinem Zeitpunkt
war ich überhitzt.
5. Müdigkeit
It amazes me how tired
I can get just thinking about how tired I am. (Dreyer,
Danny, Chi Running: a revolutionary approach to effortless,
injury-free running, 2004, S. 185).
Wie kann ich beim
Klettern am Berg ermüden, wenn ich der Berg geworden bin?
(Twight, Mark, Steig oder stirb, 2001, S. 274).
Noakes (S. 542f) und
insbesondere Dreyer (S. 184, 202) enthalten eine Reihe von
Empfehlungen, die nicht nur hilfreich sind, wenn Müdigkeit
eintritt, sondern während des gesamten Verlaufs eines
Wettbewerbes. Jedoch, oft schweift der Geist ab, da ist die
eintretende Müdigkeit ein willkommener Mahner:
Spüre deinen
Körper, gehe ihn Schritt für Schritt durch.
Löse
Verspannungen - laß die Schultern fallen, laß die Arme
hängen und schüttle sie leicht, entkrampfe dein Gesicht
(die Gesichtsmuskeln sollen einen entscheidenden Einfluß auf
die Spannung der meisten anderen Körpermuskeln haben – auch
beim Meditieren habe ich gelernt, zu Beginn die Gesichtsmuskeln zu
entspannen – Mund, Kieferknochen, Augen, Stirn).
Prüfe deine
Körperhaltung, korrigiere sie bei Bedarf (meistens: richte dich
auf).
Verkürze den
Schritt, verlangsame dein Tempo.
Atme tief und
entspannt.
Erfreue dich an
deiner Umgebung.
Verleugne deine
Müdigkeit nicht, schenke ihr jedoch keine besondere Beachtung.
Entspanne
insbesondere deine müden, schmerzenden Muskelpartien, stelle
dir vor, wie ihnen jetzt wieder Energie zufließen kann (Chi –
die Lebensenergie, die uns durchströmt).
Lächle!
Nimm deine
Umgebung in dich auf.
Lehne dich leicht
nach vorne (von den Fußgelenken beginnend, nicht in der Hüfte
abknicken – alles weiter siehe das Buch von Dreyer) und laß
dich von den Schwerkraftarmen von Mutter Erde ziehen.
Überprüfe
dein Tempo.
Na, was ist,
vergiß das Lächeln nicht!!
Ergebnis:
Ich bin mit nur einer Schlafpause von 15 Minuten, in denen ich leicht
wegdämmerte, ausgekommen. Die Pause war kurz nach Panamint
Springs bei beginnender Morgendämmerung.
6. Rennstrategie
There’s such a fine
line between trying to gear it up a notch and putting yourself in
jeopardy later on. I think I pushed a little beyond that line, and
for the first time ever, I really thought I could not do it. (Scott
Mills beim Western States 100 in Jamison, Neal, Herausgeber, Running
Through the Wall: Personal Encounters With the Ultramarathon, 2003,
S. 102).
It’s easy to let your
ego get the better of you early on and run beyond your means. It’s
a mistake that may haunt you as the miles and the hours add up. One
of the biggest challenges in this early stage would be to have the
discipline to go slow, even as other runners passed me. And I hated
being passed. (Karnazes, Dean, Sieger Badwater Ultra 2004 in
Ultramarathon Man: Confessions of an all-night runner, 2005, S.
105f).
Mein 10 + 5
Rhythmus bis Stovepipe Wells hält den Puls unten, reduziert den
Energiebedarf und die interne Wärmeentwicklung, schützt
vor Überhitzung.
Das Lauftempo wird
vom Körper/Unterbewußtsein bestimmt, nicht von der Uhr
oder vom Ego, auf der Basis der verschiedenen Informationen, die von
allen Körperteilen kommen, die an der Leistungsbringung
beteiligt sind. So wird genau gewußt, welche Leistung erbracht
werden kann, welches Tempo angemessen ist, um nicht im weiteren
Verlauf einen starken Einbruch erleben zu müssen. Höre auf
deinen Körper, wähle ein entsprechendes Tempo, und
vermeide so, in Krisen zu geraten. Der bewußte Geist ist kein
guter Lenker. Oft zu optimistisch, von einer ganzen Reihe von
Faktoren beeinflußt (Erwartungshaltungen, Hoffnungen,
Vermutungen, ...), die nicht unbedingt etwas mit der eigenen,
aktuellen Leistungsfähigkeit zu tun haben.
Bleibe in der
Gegenwart, nur der jetzige Augenblick ist relevant, nicht die
Kilometer, die noch vor einem liegen. So ist als kleinste Einheit
nur der jeweilige Schritt zu bewältigen, was immer möglich
sein sollte, bis auf einmal einer über die Ziellinie führt.
Ergebnis:
Insbesondere der 10 + 5 Rhythmus zu Beginn schützt davor, das
Rennen zu schnell anzugehen. Sofort nach dem Start war ich das
Schlußlicht der 10:00 Startgruppe. Jedoch schon bald begann ich
die ersten Läufer/innen zu überholen. Ständig hörte
ich auf meinen Körper. Zu keinem Zeitpunkt habe ich überzogen.
7. Das Team
Ohne sein Team ist der
Läufer beim Badwater Ultra ein Nichts, ein Gestrandeter.
Umsorgt, gehegt und gepflegt wurde ich von meinem Dream-Team aus dem
Jahre 2004, zusätzlich bereichert um Jürgen, bekannt auch
als ‚The Ultrakraut’:
Bennie Lindberg (Teamchef),
Birgit Dasch, Ingrid Rücknagel-Böhnke, Jürgen
Ankenbrand.
Mein Erfolg ist der
Ihre, mein tiefster Dank ist mit Ihnen.
8. Was noch
Im Gegensatz zu 2004
hatte ich diesmal keinerlei Schwierigkeiten mit meinen Füßen.
Nicht eine Blase bildete sich. Die Füße wurden vor dem
Lauf und noch einmal nach den ersten 70 km mit Bodyglide sorgfältig
eingerieben, dazu wurden doppellagige Coolmesh Socken von Wright
verwendet.
Zum Schluß -
vom Wege
Solch ein Lauf kann zur
spirituellen Erfahrungen werden. Gerade dieses ist mein
Hauptanliegen, der Kern, die Essenz, die mich ruft und immer wieder
an die Startlinie führt.
Tanze
weiter, tanzender Läufer, tanze weiter
Gebe dich
ganz der Erfahrung hin
Öffne,
entfalte, verschließe dich nicht
Wandere im
Geiste nicht an einen anderen Ort
Sei
dankbar, daß solch eine Erfahrung dir geschenkt worden ist

Bennie Lindberg, Birgit Dasch, The Desert Fox, Ingrid Rücknagel-Böhnke, Jürgen Ankenbrand
Schließe
die Augen, gehe auf Reisen, ich freue mich, dir zu begegnen.
Wo?
Welch
eine Frage!
Natürlich
beim Badwater Ultra 2008.
© Günter Böhnke, 07. August 2006
Weitere Info's und Berichte zum Lauf: