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"Der Unterschied zwischen Betreuern und Läufern ist der ShinSplint"

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Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Matthias C.S. Dreyer zum Österreichischer Super-Marathon:
Matthias C.S. Dreyer , 21.09.2005

53 Kilometer durch die Wachau - aber Ultra?

Es ist eben kein „echter Ultra“, vielmehr ein schöner Marathon mit einer angehängten Ultra-Schleife. So lautet mein Fazit zum 8. Wachau-Marathon (zum zweiten Male mit einem Ultralauf kombiniert).

Ich beginne mit dem Schönen. Das ist die Landschaft, eine Art Mittelrheintal, nur an der Donau, aber auch UNESCO-Weltkulturerbe. Es sind die Weinberge, die Wälder, die Orte, die Stifte, die Weingüter, Kirchen, Burgen, Türme und Tore, die dieses malerische Ensemble mit dem Namen „Wachau“ über ca. 30 Kilometer ausmachen. Es empfiehlt sich etwas Zeit mitzubringen, um die guten Weine und das Essen zu genießen (da lacht das Pälzer Herz!).

Gestartet wird in Emmersdorf in der Freizeitanlage Luberegg, es folgen die Orte Aggsbach, Willendorf, Spitz, Weissenkirchen, Dürnstein, das Ziel liegt in Krems, also donauabwärts (unterbrochen von zwei Schleifen, eine direkt nach dem Start ca. 180 Meter und eine weitere bei Kilometer 4, das sog. Marathon-Karussell von Grimsing), gut für schnelle Zeiten. Die Strecke führt über die Bundesstraße B3, ist autofrei (zumindest für die Zeit des Marathon), durchweg asphaltiert und bestens zu laufen. Die breite Straße bietet ausreichend Platz zum Kennenlernen und zum Plaudern. Selbst ein Tunnel kann dieses Landschaftslauferlebnis nicht trüben.

Die Startunterlagen werden auf der Messe in Krems ausgegeben. Dort erfahre ich, dass für alle „Bewerbe“ (der Österreicher meint damit Wettbewerbe) ein Bus- und Bahntransfer von Krems (Bahnhof) zu den Startorten stattfindet und bekomme eine Art Fahrschein für die Fahrzeugart meiner Wahl (Bus oder Zug, auch eine Rückfahrt ist organisiert, falls der Läufer mit dem PKW zum Start anreist). Dies verwundert mich zunächst, denn ich habe vernommen, dass ca. 10.000 Läufer teilnehmen wollen. Na gut, die werden schon wissen, was zu tun ist, dachte ich für mich und ging zunächst einmal ins Gasthaus „Zur Post“, um mir einen Grünen Veltliner – trocken einzuverleiben – mit das beste Erlebnis an diesen drei Tagen!

Am nächsten Morgen standen ab 7.00 Uhr (letzte Abfahrt 8:15 Uhr) die Busse und um 7:35 Uhr ein Zug zu den Startorten bereit. Als ich so gegen 7:15 Uhr am Bahnhof eintrabte, Chaos pur, das sich minütlich verschärfte. „Wo fährt der Bus nach...“, „wo muss ich einsteigen, um nach...“, „ist der Marathonbus schon weg?“, usw. Ich musste feststellen, Läufer werden zu Tieren, wenn der Start gefährdet sein könnte. Leider hatten die Veranstalter versäumt, klar zu machen, wo die Abfahrt zu welchen Bewerben liegt, welche Busse zu nehmen sind. Ein Hin- und Hergerenne, Geschubbse, Gedränge, wie zu besten Schülerbuszeiten!

Gegen 7:45 Uhr erhaschte ich einen Bus – und im Gegensatz zu vielen anderen einen Sitzplatz - und ließ mich durch die Wachau kurven. Nach ca. 45 Minuten war der Start erreicht und dann die Ankündigung, nicht um 10:10 Uhr sondern 20 Minuten später werde gestartet. So waren dann mehr als 3 Stunden vergangen, bis es endlich losging. Die Kleidersäcke konnten in den Bussen verstaut werden, die dann zum Start zurückfuhren.

Für die Ultras kam es aber noch besser. Wie bereits oben erwähnt, ist für die 53 Kilometer eine zusätzliche Schleife in Krems entlang der Donau zu laufen (Abzweigung bei Kilometer 37). Das war nun wirklich der ödeste Teil der Strecke und das zum Ende. Sehr schlecht ausgeschildert war die Abzweigung auch noch, wie lässt sich sonst erklären, dass etliche Läufer direkt ins Marathon-Ziel brummten? Sehr ärgerlich.

Als wir nach 10 Kilometern Donaudeich und Donaubrücken – unterbrochen von einem Zwischenspurt über die Sportanlage Furth mit sehr anfeuerungswilligen Zuschauern (bravo) und einer Verpflegungsstation – für die restlichen 5 Kilometer erneut auf die Marathonstrecke einbogen, floss auf der Bundesstraße bereits dichter PKW-Verkehr und von Zuschauern keine Spur. Die Absperrungen wurden bereits abgebaut, die Fußgängerzone voll von querenden Touristen, ohne Verständnis für Läufer, an der letzten Versorgungsstelle kein Cola mehr, und dass im Ziel überhaupt noch jemand war, grenzte fast schon an ein Wunder. Auch meine Frau war zwischenzeitlich gegangen, nachdem sie bereits 2 Stunden gewartet hatte. Information zur veränderten Startzeit – Fehlanzeige, Zielphoto, Fehlanzeige. Klar, mit 5 Stunden und 55 Minuten war ich einer der Langsamen, aber ist das ein Grund dafür, uns so hängen zu lassen? Und schließlich gab es Läufer, die über 7 Stunden lang den Lauf genossen, was war mit denen? Und das bei einem Preis von 50€ Startgebühr, sehr schwach!

Wir verbrachten keine zweite Nacht in Krems – gute Plätze für Wohnmobile gibt es übrigens zwischen Messe und Bahnhof – jeweils 200 Meter zur Ausgabe der Startunterlagen und zum Abtransport, also optimal, sondern rollten zu „Susis Jausenstation“ bei Aggsbach – einer der zahlreichen Stellplätze direkt an der Donau. Dort trafen wir einen Marathonläufer (78 Jahre) mit seiner Frau aus Köln, die uns das „Geselchte“ empfahlen. Dazu einen Grünen Veltliner und im Anschluss einen „Sturm“ (neuer Wein) und die Welt des Pälzers fügte sich wieder in gewohnte Bahnen und der Blick des Ultraläufers entfernte sich zum nächsten Ziel, zur Schwäbischen Alb.

Matthias


© Matthias C.S. Dreyer, 21.09.2005

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