Zufälliges Zitat

"Früher haben wir ja gar nicht so trainiert. Wir sind die 100km einfach gelaufen."

Gudrun Ellenberger,100km Läuferin aus Melsungen

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Alle zeigen - Bericht von Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de zum Deutschlandlauf:
Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de , 16.11.2005

Lernen durch Schmerzen.

Bericht über den 1200 km Lauf durch Deutschland im Jahre 2005

Der schwierigste Kampf ist der Kampf mit sich selbst, der schönste Sieg ist der Sieg über sich selbst.

Es herrschte erst seit kurzem Einigkeit im Königreiche Optimus. Die Bevölkerung, die Optimisten, waren glücklich und voller Hoffung und Zuversicht auf blühende Landschaften. Doch das noch junge Königreich war in Gefahr. Der Feind, die Pessimisten, war destruktiv, lähmend und erstickte jede Hoffnung im Keim. Die gefürchtete Armee des Feindes bestand aus den Schweinehunden, die große Erfolge feiern konnten. Sie überzogen das Land mit einer schweren Rezession und stürzten das Königreich in eine tiefe Krise.

Ganz Optimus war von den Schweinehunden besetzt... Ganz Optimus? Nein, ein kleines Dorf leistete den Pessimisten nach wie vor heftigen Widerstand. Doch konnte man die Armee der Schweinehunde überhaupt schlagen? Auf kleinen Nebenkriegsschauplätzen waren den Optimisten erste Erfolge gelungen. Ein Keim Hoffnung blühte auf, doch die Schweinehunde kämpften unermüdlich und gewannen an Boden zurück.

Eine Idee wurde geboren: Tief ins Feindesland vorzudringen, soweit wie noch niemand zuvor. Dem Schweinehunden die Stirn zu bieten, sie zu verhöhnen und ins dunkle Schattenreich zurückzudrängen. In nur 17 Tagen wollte man das 1200 km entfernte Hauptquartier der Schweinehunde in Lörrach erreichen, das tief im Feindesland lag. Wenn sie dieses Ziel erreichten, würden viele Optimisten wieder Hoffnung schöpfen und ihrem Beispiel folgen.

General Ingo schickte seine Botschafter hinaus ins ganze Land um Krieger zu rekrutieren die sich zu dieser Schlacht berufen fühlten. Doch die meisten Menschen hatten Angst. War doch die Armee der Schweinehunde ein Gegner, der noch niemals endgültig besiegt werden konnte. Von über 80 Mio. Türen an denen die Boten anklopften, fanden sich nur 57 unerschrockene Krieger, die sich für diese schwierige und lebensgefährliche Aufgabe imstande sahen.

Die Truppe der Optimisten wurde zusammengestellt. An der Spitze General Ingo, der schon mehrfach als Krieger Schlachten gegen die Schweinehunde gewonnen hatte. An seiner Seite die Offiziere, eine Handvoll Veteranen, die ebenfalls unzählige Male dem Feind die Stirn geboten haben. Und jede Menge unerfahrene und ungestüme junge Krieger.

Bei der Zusammenziehung der Truppe vor der ersten Schlacht wurde sich noch einmal kräftig gestärkt. Mit Wein, Weib und Gesang bot der General Ingo alles, was das Königreich an Luxus zu bieten hatte. Diese berauschenden Feste waren üblich, bevor die Krieger ins Gefecht zogen. Denn nicht jeder würde die nächsten Tage überleben. Plötzlich tauchten 10 Amazonen auf, die für ihre Zähigkeit und Widerstandskraft berühmt waren. Sie boten dem General ihre Hilfe an, der sie auch dankend annahm. Somit wuchs die Truppenstärke für den Kampf gegen die Schweinehunde auf 67 Krieger auf. Mit dieser geballten Kampferfahrung könnte der Sieg gelingen. Die noch unerfahrenen jungen Krieger wurden sehr zuversichtlich und siegessicher, ja sogar ein wenig überheblich. Es musste schließlich nur jede Stunde 6 km tief in das Feindesland vorgedrungen werden. Das würde einfach sein, ein Kinderspiel.

Doch die kampferfahrenen Veteranen ermahnten zur Vorsicht. Sie wussten was auf Sie zukommen würde. Sie kannten den Feind mit all seinem Repertoire an Taktiken. Doch die jungen Unerfahrenen wollten nicht auf die Worte der Veteranen hören. Sie sollten in den nächsten Tagen dafür den Blutzoll zahlen müssen. Lernen durch Schmerzen.

Aber nicht nur Krieger unterstanden dem General Ingo, sondern auch über 30 Unterstützungskräfte bestehend aus Händlern, Köchen, Druiden und Fuhrleuten. Sie waren für das Wohl der Krieger verantwortlich. Obwohl sie sich nicht aktiv an dem Kampfgeschehen beteiligten, so würde sich ihre Mithilfe noch von unschätzbarem Wert erweisen.

Die Schlacht begann. 67 unerschrockene Krieger treten im Morgengrauen an der Ostseeküste den Kampf gegen die übermächtige Armee der Schweinehunde an. Doch kein Feind ließ sich blicken. Fast ohne nennenswerte Zwischenfälle wurde das erste Zwischenziel, die Stadtmauer von Stralsund, erreicht. General Ingo meldete dem König www.deutschlandlauf.com den ersten Raumgewinn ohne eigene Verluste. Die jungen Wilden hatten nach diesem leichten Erfolg nur noch Verachtung und Hohn für den Feind übrig. Doch die Veteranen ermahnten abermals zur Vorsicht. Sie kannten die erste Taktik der Schweinehunde. Zuerst studierten sie die Krieger auf ihre Schwachstellen um dann völlig unerwartet zuschlagen zu können.

Beim weiteren Vorgehen spürten einige Krieger die ersten leichten Anzeichen von Missempfindungen. Noch keine ernsthaften Verletzungen, nein, dazu waren sie einfach zu gut im Umgang mit ihren Waffnen geschult, sondern die ersten kleinen Nadelstiche der Schweinehunde. Das war ihre zweite Taktik. Auf verschiedenste Art und Weise Probleme und Verletzungen zuzufügen, um dann, bei den ersten Anzeichen von Erfolg versprechen besonders, hartnäckig weiter zu bohren.

Der erste Schock traf die Truppe. Sie hatten ihr erstes Opfer zu beklagen. Jetzt, nach nur zwei Tagen. Der gefallene Krieger war einfach zu langsam. Er konnte mit seinem Alter einfach nicht mehr das hohe Tempo der Truppe halten und geriet an das Ende des Feldes. Dort war er den Angriffen des Feindes, völlig allein auf sich gestellt, nicht mehr gewachsen und erlag seinen Verletzungen. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Den jungen Kriegern würde so etwas jedoch niemals passieren. Die Gedanken an die eigene Verwundbarkeit wurden schnell verdrängt, was sich noch als ein schwerer Fehler erweisen sollte.

General Ingo meldete jeden Tag die Erfolge des Angriffs an den König. Er erwähnte natürlich auch die Krieger, die sich im Kampfe besonders furchtlos gezeigt hatten und ehrte sie mit militärischen Orden. Diese Nachrichten verbreiteten sich in Windeseile im ganzen Königreich. Der Krieg hatte seine ersten Helden. Doch der Feind war aufmerksam. Seine dritte Taktik war die der psychologischen Kriegsführung. Die Schweinehunde flüsterten den Kriegern immer wieder Worte ins Ohr, um böse Kräfte, die in jedem von uns Schlummern, zu erwecken. Neid auf die Erfolge der eigenen Kameraden machte sich breit. Auf einmal war das große Ziel aus den Augen verloren und es wurde nur noch auf den einzelnen Tag geschaut. Jeder Krieger wollte am folgenden Tag der Beste sein, derjenige, der die meisten Feinde in der kürzesten Zeit erschlagen konnte. Doch das rieb die Truppe nur auf. Immer schneller wurde das Tempo des Vorstoßes und viele Krieger erlagen der Versuchung, wenigstens für einen Tag als Held des Volkes geehrt zu werden. Leider forderte dieses Konkurrenzdenken die nächsten Opfer. Wieder einmal waren es die Veteranen, die dabei nicht mitmachten. Sie boten dem Feind wenig Angriffsfläche. Denn sie wussten, dass es nichts nützen würde, eine Schlacht zu gewinnen aber den Krieg zu verlieren. Hatten sie nicht zu Beginn des Kampfes allen eingetrichtert: „Abgerechnet wird zum Schluss!!!“ Schnell wurde allen klar, dass man hier nicht gegeneinander kämpfte, sondern nur gegen sich selbst.

Die dritte Taktik der Schweinehunde ging voll auf und bereitete die vierte Taktik vor. Nun wurde das Schmerzempfinden der Krieger auf die Probe gestellt, die bereits einige Tage im Kampf waren. Wenig Ruhe und Schlaf, ungewohnte Ernährung und unzählige Verwundungen zehrten an den Kräften der Krieger. Die Druiden im Feldlazarett hatten von Tag zu Tag immer mehr zu tun. Die Schweinehunde waren besonders einfallsreich. Sie überzogen die Truppe mit Verwundungen und Verletzungen, mit denen niemand gerechnet hatte.

Die einfachen und leichten Verletzungen hatten sich die Krieger meist wegen Unachtsamkeit selber zuzuschreiben. Dem berühmten Wolf konnte mit ausreichender Schmierung Einhalt geboten werden, genauso wie den Schutz der Haut vor den verbrennenden Sonnenstrahlen. War es am Tage noch die glühende Hitze, so konnte es am frühen Morgen recht schattig werden. Deshalb wurden die Körper frühmorgens in unzählige Schichten von Lumpen und Leinen gehüllt.

Eine nicht zu vernachlässigende Verletzungsart war der Stress, dem sich die Krieger ausgesetzt fühlten. Die eigenen Erwartungen und der Erfolgsdruck durch die Daheimgebliebenen zu Hause zeigte seine Wirkung. Unruhe, psychische Verstimmung, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Leistungsknick, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, veränderter Appetit und vermehrte Schweißneigung waren Folgen des Drucks, den sich die Krieger selber auferlegten. Leider waren auch an dieser Form der seelischen Verletzung einige Krieger gestorben.

Körperliche Verletzungen hingegen traten häufig unmittelbar als Folge eines zu hohen Anfangstempos auf. Während bei Rücken- und Gliederschmerzen das ABC Wärmetuch gute Dienste leistete, mussten die Druiden bei Knieproblemen schon etwas tiefer in ihre Trickkiste schauen. Bandagen und Tapes konnten die Knie während des Kampfes entlasten und die gute alte Teersalbe konnte ihre heilenden Kräfte in den Kampfpausen bei Nacht entfalten. Der wichtigste Rat der Druiden war das tägliche Wechseln von unterschiedlichem Schuhwerk, um eine abwechselnde Belastung zu erreichen. Es zeigte sich auch der gefürchtete Muskelkater, der immer dann auftauchte, wenn ein Krieger am Tag zuvor besonders unermüdlich gekämpft hatte.

Zum großen Leid der Krieger verbreitete sich in der ersten Woche eine Magen-Darm Epidemie vor der aufgrund des geschwächten Immunsystems niemand verschont wurde. Plötzlich setzten Bauchkrämpfe ein und die Krieger mussten Zwangspausen einlegen. Eine Wundertinktur des Druiden half den meisten sprichwörtlich über den Berg. Doch das war noch lange nicht alles, was die Schweinehunde zu bieten hatten. Nach den Magenproblemen folgten die heftigsten Durchfälle, die die Krieger jemals erlebt hatten. Unzählige Male musste während eines Tage gerastet werden, um sich zu erleichtern. Dabei verloren die Krieger etliche Liter an Flüssigkeit und Energie und einige leider auch ihr Leben. Das deshalb viel getrunken werden musste verstand sich von selbst, doch dieses mal versagten alle Wundermittel des Druiden. Am Lagerfeuer entsann man sich jedoch einer ganz alten Methode: Kohle essen. Nur damit konnten die Durchfallattacken nach weiteren 2 Tagen in den Griff bekommen werden.

War zu Beginn des Gefechts Bergauflaufen noch schwierig und Bergablaufen eine Wohltat, so änderte sich das mit zunehmender Belastung. Bergauf wurde sowieso meistens nur noch marschiert und Bergab kam ein neuer Verbündeter der Schweinehunde hinzu. Es waren die Krämpfe. Da sich die Krieger nicht immer ausreichend mit Flüssigkeit versorgten, und tranken bevor sie Durst verspürten, stellten sich zunächst Krämpfe, später Erbrechen und Schwindelanfälle ein. Hervorgerufen durch den Flüssigkeits- und Mineralverlust wurden die Krieger auf eine harte Probe gestellt. Eine kleine Prise Salz zu den Getränken bewirkte Wunder, doch es musste Wohl dosiert werden; denn zuviel Salz das wäre schädlich und hätte den Körper ausgetrocknet. Die Veteranen hatten ja zuvor sehr deutlich gesagt, dass die Speicher des Körpers schon Wochen vor dem Kampf mit Mineralien zu füllen sind.

Mit der zunehmenden Dauerbelastung eines mehrtägigen Kampfes häuften sich natürlich auch besonders schwere Verletzungen. Es begann mit geschwollenen Füßen und Zehen. Das Schuhwerk wurde daraufhin leicht gelockert. Die Veteranen empfahlen sogar die Socken am Schaft zu zerschneiden um Druck vom Schienbein zu nehmen und ganz auf die obere Schnürung des Schuhwerks zu verzichten. Anfänglich wurden sie dafür nur belächelt, später lief eigentlich jeder der Krieger mit zerschnittenen Socken und offenem Schuhwerk herum. Das unwegsame Gelände, die Verletzungen und auch die zunehmende Erschöpfung veranlassten die Krieger vom schnellen Laufen auch mal zum Marschieren zu wechseln. Einige von ihnen waren im Wechsel von Laufen und Gehen sehr geübt und hatten damit auch keine Probleme. Andere waren noch nie zuvor solch lange Distanzen marschiert und bekamen dafür als Geschenk von den Schweinehunden Blasen an den Füßen. Manche waren sehr schlau und darauf vorbereitet. Sie hielten sofort inne und zerstachen die Blasen noch als sie noch sehr klein waren und hinderten sie daran größer zu werden. Andere hingegen liefen Tagelang auf ihren unbehandelten Blasen, die dadurch nur noch viel größer wurden und irgendwann aufplatzten. Als die Krieger dann auf rohem Fleisch weiterlaufen mussten, begann das große Leiden. Einige sind daran gestorben. Hätten sie die Blasen nur geöffnet als sie noch ganz klein waren, so wäre ihnen der Tod erspart geblieben.

Es folgten weitere schwere Verletzungen. Schon der griechische Krieger Achilles war an einer Stelle seine Körpers verwundbar. Auch unsere Helden waren vor diesem Schmerz nicht gefeit. Altes ausgelatschtes Schuhwerk und zu hohe und enge Fersenkappen verursachten Reizungen an der Achillessehne. Hier half nur das Zerschneiden des Schuhwerks und das konsequente langsame Weiterlaufen. Aber ein weiteres Schreckgespenst tauchte auf. Der Geist des Shin Splins. Nahezu jeder Krieger hatte irgendwann mit dieser Reizung des Schienbeins, die sich zur Schwellung, dann zur Entzündung der Knochenhaut und zuletzt zum Ermüdungsbruch führen kann, zu kämpfen. Als Gegenmittel mussten die Krieger das Tempo verlangsamen und die Socken und das Schuhwerk zerschneiden. Bei der Ernährung wurden die natürlichen entzündungshemmenden Eigenschaften des Omega 3 Fischöls und der Ananas genutzt. Doch auch die Druiden wussten zu helfen. Abends wurde sofort Eis gereicht, um die Schwellungen zu lindern. Danach wurden die Schienbeine mit Entzündungshemmern der Göttin Diclofenacia eingeschmiert und mit wundersamen transparenten Folien umhüllt. Dadurch konnten die Wirkstoffe die ganze Nacht ihre Kräfte entfalten. Einige Krieger liefen sogar am Tage mit diesen Folien herum. Das sah nicht nur lächerlich aus sondern hatte auch absolut null Wirkung. Trotz dieser wirksamen Maßnahmen sind einige Krieger an der Shin Splin Verletzung zugrunde gegangen.

Nach der Hälfte der Mission wurden einige Krieger sehr ängstlich. Ihr Urin war Blutrot gefärbt. Sie befürchteten schon die schlimmsten inneren Verletzungen und machten sich große Sorgen. Die Druiden gaben jedoch Entwarnung. Durch den gestörten Flüssigkeitshaushalt und einer Überproduktion der Nieren, die die ganzen Giftstoffe filtern mussten, war immer zu wenig Urin in der Blase. Das führte bei den langen Läufen zu Reibung und Abschürfungen an der Blaseninnenwand. Schon wenige tropfen Blut färbten dann den Urin rot. Als wirksamstes Mittel erwies es sich, mehr zu trinken, um die Blase immer gefüllt zu halten und langsameres Laufen, um die Reibung zu verringern. Nach ein oder zwei Tagen war dann auch dieses Problem behoben.

Ein Krieger hatte ein besonders schwerwiegendes Problem. Durch seine starken Zahnschmerzen wurden Migräneanfälle ausgelöst. Die Druiden wollten den betroffenen Zahn natürlich sofort ziehen aber der Krieger wollte das nicht und kämpfte sich die letzten Tage mit großen Schmerzen durch. Das war natürlich eine unnötige Belastung. Hatten die Veteranen doch jedem geraten, sich vor dem Kampf noch die Zähne behandeln zu lassen.

Leider ereignete sich auch ein Verlust außerhalb des Gefechtsfeldes. Im Nachtlager brach sich eine Amazone versehentlich bei einem Unfall einen Zeh und musste aufgeben. Also war nicht nur der Kampf gefährlich, sondern auch die Ruhepausen. Die Schweinehunde schlugen immer dann zu wenn man sie gar nicht erwatet hatte.

Dann waren da noch Beschwerden von denen die meisten Krieger gar nichts mitbekamen. Sie betrafen ausschließlich die Amazonen und stellten sich einmal pro Mondzyklus ein. Für sie war es besonders wichtig den Eisenverlust auszugleichen. Dazu verzehrten die sie geriebene Eisenspäne.

Viele weitere Einzelschicksale gab es noch und man könnte stundenlang von den verschiedensten Verletzungen weiterberichten, aber es gab für fast jedes Problem die gleiche Antwort der Druiden und Veteranen. Langsam anfangen, bei Problemen noch langsamer werden und zum Schluss darf es dann etwas schneller sein.

Die Druiden gaben ihr Bestes und waren eine hervorragende Hilfe im Kampf gegen die feindliche Armee. Viele Opfer waren zu beklagen, die an ihren schweren Verletzungen erlagen. Doch ohne dieses erfahrene Druiden hätten sich viel mehr Krieger aufgegeben. Sie wären einfach am Wegesrand stehen geblieben und verblutet. Doch die Druiden gaben den Kriegern die Hoffnung, den Tag durchzuhalten, sich am Abend zusammen flicken zu lassen und am nächsten Tag wieder erholt und genesen in die Schlacht zu ziehen.

Die Unterstützungskräfte leisteten genauso ihren wichtigen Beitrag. Jeder Tag wurde in kleine Zwischenziele unterteilt. Dort warteten die Unterstützer teilweise stundenlang auf die Krieger, um sie mit Wasser und Nahrung zu versorgen. Viele Krieger, die sich schon aufgegeben hatten schleppten sich noch - mit der Absicht aufzugeben - zum nächsten Versorgungspunkt. Dort jedoch beschlossen sie, frisch gestärkt, den Kampf wieder aufzunehmen und sich bis zum nächsten Versorgungspunkt durchzuschlagen. Einige Krieger wiederholten das am Tag unzählige Male und fanden sich am Abend zu ihrem Erstaunen doch noch im Ziel wieder.

Die fünfte Taktik war die berüchtigte Motivationskiller Taktik. Nachdem jeder Krieger eine oder sogar mehrere schweren Verletzungen hatte, wurde von den Schweinehunden noch eins drauf gesetzt. Sie flüsterten den Kriegern nun Fragen nach dem Sinn ihres Unterfangens ein. Diese Fragen wirken immer dann ganz besonders gut, wenn die Krieger schon körperlich durch Verletzungen angeschlagen waren.

In Extremsituationen entscheidet der Mensch immer zwischen Kampf oder Flucht. Der Kampf war mit viel Mut, Leidensfähigkeit und Entbehrungen verbunden. Warum also nicht die Flucht wählen? Und wenn schon die Flucht, mit welcher Ausrede zur Wahrung des Gesichts im Heimatland. Viele Ausreden wurden gesucht. Krieger hofften vom Blitz getroffen oder von einer Kutsche angefahren zu werden. Dann müssten sie nicht mehr weiter laufen. Jeder zu Hause würde doch verstehen wenn man deshalb aufgegeben würde, oder??? Die Krieger unterlagen einem Wechselbad der Gefühle. Jetzt bekamen die Ermahnungen der Veteranen einen Sinn: Verliere niemals das große Ziel aus dem Auge. Es gibt immer jemanden dem es noch schlechter geht als Dir und der sich nicht beschwert und jammert wie Du. Sei stark und nehme die Herausforderung an. Klagt nicht, kämpft.

Das gemeinsame Ertragen von Leid und Schmerz schweisste die verbliebenen Krieger zusammen. Es bildete sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das stark und immun gegen die Angriffe der Schweinehunde machte. Freundschaften zu bilden hatte sich als eine gute Strategie gegen den Feind erwiesen. Deshalb nutzte der Feind die besonders effektive sechste Taktik des Verlustes. Er musste die Gemeinschaften, die sich zu kleinen Teams gebildet hatten, nur zerschlagen. Es wurde sich ein besonders geschwächtes Opfer gesucht - und vernichtet. Der Rest der Gruppe trauerte dann um den schmerzhaften Verlust des Freundes und war wieder einmal anfällig für die nächsten Attacken der Schweinehunde. Freundschaften zu bilden erwies sich zwar als hilfreich, aber man durfte diese neugewonnenen Freundschaften nie zu nah an sich heranlassen. Um so mehr schmerzte dann nämlich der Verlust dieses Kameraden.

Je näher die Krieger in die Nähe des Zieles vordrangen, desto sicherer wurden sie, ihre Mission zu erfüllen. Immer weniger Verluste waren zu beklagen. Mittlerweile gab es seit mehreren Tagen keinen gefallenen Kameraden mehr. Die Krieger sahen sich schon im sicher geglaubten Ziel und wurden unachtsam. Völlig unerwartet traf es sie dann wie ein Blitz. Ein Kamerad erlag seiner schlimmen Magen Darm-Reizung gefolgt von Schwindelattacken. Plötzlich wurden die Krieger wieder vorsichtig und hörten in sich und ihre Körper hinein. Die Veteranen sagten immer: „Man darf das Bärenfell erst dann verkaufen wenn man den Bär erlegt hat, nicht vorher.“

Der Angriff auf das Ziel, die letzte Bastion der Pessimisten, stand unmittelbar bevor. Plötzlich geschah etwas Wundersames. Einige gefallene Kameraden waren wiederauferstanden und begleiteten als Geist die Überlebenden bei ihrem letzten Gefecht. Sie wollten einerseits ihre moralische Unterstützung für die verbliebenen Krieger geben und gleichzeitig auch ein wenig Anteil am finalen Sieg genießen. Somit wuchs die Truppenstärke beim letzten Gefecht noch einmal erheblich an.

Der letzte Kampf war nur noch zum Genießen. Die Druiden sprachen von körpereigenen Drogen, dem „runners high“. Die grandiose Landschaft tat ihr übriges und lenkte von den zurückliegenden Mühen und Strapazen der letzten 17 Tage ab. Das Ziel vor Augen, so nah wie noch nie, setzte ungeahnte Kräfte frei. Es war weit und breit kein Schweinehund zu sehen. Sie alle mussten der großen Entschlossenheit der Krieger weichen. Beim Zieleinlauf erlebten die Krieger dann unbeschreibliche Glücksmomente. Die große Belastung der letzten Wochen viel wie ein Stein von ihnen ab und einige hatten sogar Tränen in den Augen. Herzlichst schlossen sich nun die Krieger und die Unterstützer in die Arme. Ein gemeinsamer Sieg konnte gefeiert werden.

35 Krieger und 2 Amazonen, gut die Hälfte der Truppe, erreichte das Ziel in Lörrach. Diese Krieger sind erheblich in ihrer Persönlichkeit gewachsen. Sie wurden alle zu erfahrenen Veteranen und Vorbilder für die nächste Generation von Kriegern. Nun konnten auch sie fundierte Ratschläge zur Bekämpfung der Schweinehunde geben. Sie wurden in den elitären Orden der Länderdurchquerer aufgenommen. Erst 130 Menschen haben diese unfassbare Leistung, das Königreich ohne Pause zu durchqueren, jemals vollbracht. Der Schmerz vergeht, doch der Ruhm bleibt für immer.

Doch auch die schönsten Erinnerungen an den Tag des Sieges verblassen irgendwann. Die Schweinehunde gewannen still und heimlich an Boden zurück. Unermüdlich möchte General Ingo die Mission im folgenden Jahr wiederholen. Dabei sein werden wieder einige erfahrene Veteranen, wiederauferstandenen Seelen von gefallenen Kriegern und erneut viele junge und unerfahrene Kämpfer. Alle Erfahrungen über die letzte Schlacht wurden niedergeschrieben und von Minnesängern verkündet. Werden die jungen Krieger aus den Erfahrungen der Vergangenheit ihre Lehren ziehen? Werden sie auf den Rat der Veteranen hören, oder durch eigene Schmerzen lernen? Das nächste Jahr wird die Antwort darauf geben.

Nun wird sich der Leser fragen: Lohnen sich die ganzen Strapazen? Ja absolut. Der schwierigste Kampf ist der Kampf mit sich selbst, der schönste Sieg jedoch ist der Sieg über sich selbst.

c 11/2005 davorbendin@alice-dsl.de


© Davor Bendin davorbendin@alice-dsl.de, 16.11.2005

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