Zufälliges Zitat

"Schmeckte wie vorher, also habe ich es wieder runter geschluckt"

Christine K. über das "wiedergekommene" Powergel

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Alle zeigen - Bericht von Udo Baurmann zum Rhein-Marathon Düsseldorf:
Udo Baurmann , 03.06.2006

Heute war´s plötzlich zu warm ...

Dies sollte also der erste Marathon für dieses Jahr werden. Bereits früh im Jahr hatte ich mich angemeldet, um auch wirklich gezwungen zu sein, den Winter über Grundlagentraining durchzuziehen. Mit insgesamt 8 Läufen über mind. 25 km schien mir das auch ausreichend gewesen zu sein, wenn ich nur nicht so viele Trainingskilometer auf dem Laufband absolviert hätte. Hierdurch gewöhnt sich angeblich die Muskulatur an den weicheren Aufprall und hat dann Probleme bei Straßenläufen (hierzu später mehr) …

Leider konnte man dieses Jahr die Startunterlagen nicht schon am Freitag abholen, um am Sonntag kostenlos mit der S- und U-Bahn fahren zu können. So habe ich mich dann entschieden, mit dem Wagen möglichst nah an den Start heranzufahren, um keine U-Bahn nutzen zu müssen. Internet sei Dank war ich gut informiert, welche Straßen ab wann gesperrt würden. Oh je, frühes Aufstehen war angesagt.

Der Wecker klingelt um 5 Uhr, ich bin erstaunlicherweise schnell munter und mache mich bereits um 5:45 Uhr auf den Weg. Noch ist es frisch draußen, aber der Wetterbericht verheißt (für Läufer) kein gutes Wetter: Sonne pur, 25 Grad, böiger Wind. Die letzten Tage war es immer nur so um die 15 Grad. Prima, da kann sich der Körper ja richtig gut auf den Wetterumschwung einstellen !!!

Egal, ich kann´s nicht ändern und die anderen müssen da ja auch durch.

Kalkulierte Ankunftszeit: 6:45 Uhr; dann bleiben mir noch 45 Minuten, bevor die Parkplätze an der Cecilienallee nicht mehr erreichbar sind. Ich komme tatsächlich um 6:40 Uhr in Düsseldorf an und was sehe ich? Abgesperrte Strecke ! Na super, denke ich noch, als der Wagen neben mir einfach über die Gegenspur fährt und so die Absperrung ignoriert. O. k., denn man tau: Ich hinterher und siehe da, es gibt noch genügend Parkplätze im Schatten. Keinen Kilometer von den Rheinterrassen entfernt, schlendere ich langsam Richtung Startnummernausgabe. Als das erledigt ist, ist der Zeitpunkt gekommen, das Vorhandensein der Dixi-Toiletten auszunutzen…

… so, fettisch !

Jetzt mal langsam Richtung Ziel gehen, wo auch die Kleiderbeutel abgegeben werden können. Da hat man dieses Jahr aber mal wirklich etwas Feines hingesetzt: Ein riesiges Zelt mit vielen Helfern, die die Beutel fein säuberlich aufhängen, so dass diese auch bei Regen trocken bleiben und nach dem Lauf schnell wieder gefunden werden können (hat wirklich super geklappt!).

Mittlerweile ist es 7:30 Uhr und die Zeit für ein zweites Frühstück ist gekommen. Anschließend heißt es Pflaster aufkleben, Vaseline verteilen, Startnummernband vorbereiten, kurze Laufklamotten anziehen und Kleiderbeutel endgültig abgeben. Die Sonne wärmt nun schon leicht, richtig angenehm – noch!

Kurz vor 9 Uhr starten die Inliner, Rollis, Handbiker und die Einradfahrer. Wahnsinn: Einer der Einradfahrer fällt schon vor der Startmatte von seinem Rad, wird von 2 Helfern gestützt und radelt dann mehr oder weniger geradeaus von dannen. Ob der die gesamte Strecke schaffen wird?

Um 9:30 Uhr dann der Start der Läufer. Aufgrund meiner bisherigen PB von 4:27 an gleicher Stelle 2004 bin ich in der weißen Startgruppe eingeteilt. Zur Erklärung sei folgendes gesagt: Das ist die Gruppe von Läufern, die entweder noch nicht schneller als 4:00 Stunden gelaufen sind oder die, die sich sagen: „Ich habe für 6 Stunden gezahlt und die nutze ich auch aus!“

Mit meiner vernünftigen Vorbereitung (?!?) will ich mich heute vorsichtig an 4:20 Stunden oder sogar 4:15 Stunden herantasten. Mit einem Schnitt von 6:10 min/km (man soll ja lieber etwas langsamer starten, um hinten heraus noch ein Pfund zulegen zu können) will ich die ersten 10 km laufen.

Km 1 geht in 6:13 weg, km 2 in 6:11, dann 6:04 über 5:58 und wieder 6:07. Insgesamt also ein gut gelungener Start. Danach lasse ich meine Uhr einfach Uhr sein und blicke erst bei km 10 wieder hin: Hhmmm, 1:00:20 Stunden. Eigentlich ein klein wenig zu schnell, aber es läuft ja gerade so rund …

Übrigens sind die Verpflegungsstationen dieses Mal (so habe ich den Eindruck gegenüber 2004) deutlich häufiger vertreten. Alle 2,5 km nehme ich mir einen Becher Wasser oder Iso, tauche den Schwamm in die großen Wasserbottiche und freue mich (noch) meines (Läufer-)Lebens.

Die Stimmung am Streckenrand ist unterschiedlich: Mal große Menschenmengen, die einen anpeitschen, mal mehrere 100 Meter weit keine Menschenseele, die sich für die Läuferschlange interessiert. Einige Musikgruppen geben ihr Bestes, Cheerleader sehe ich auch und bedaure in diesem Moment, meine Bestzeit knacken zu wollen und keine Zeit verlieren zu dürfen …

Und schon sind die nächsten 10 km abgespult in weiteren 1:02:00 Stunden. Das passt ja echt wunderbar heute, alles läuft bestens.

Und dann kommt die Sonne !!! Und dann kommt der Wind !!! Und dann kommt die Rheinbrücke !!! Und dann merke ich eine Blase am Fuß !!! Und dann will mein Magen keine Getränke mehr !!! Auf der anderen Straßenseite kommen uns Läufer entgegen, die jetzt schon bei km 38 vorbei sind und wir armen Schlucker haben noch ca. 16 km vor uns. Ich nehme ein wenig Tempo raus, um dem Hammermann keine Chance zu geben, mich zu treffen. Und dann bei einer erneuten Zeitüberprüfung der Schock: Ich habe doch tatsächlich 45 Sekunden auf dem letzten km vertrödelt. Das Schild MUSS falsch stehen, sage ich mir. Aber keiner der um mich herum Laufenden hat einen ähnlich fragenden Blick wie ich. Für die ist alles in Ordnung. Aber was heißt eigentlich vertrödelt? Es ging halt nicht schneller! Jetzt muss ich aber wieder etwas Gas geben, um wenigsten sicher unter 4:20 Stunden zu bleiben. Ich nutze jede Gelegenheit, mich abzukühlen mit dem nassen Schwamm (vielen Dank auch an die privaten Gartenschlauch-Abkühler an der Strecke!). Es läuft nicht mehr rund, die Muskulatur wird hart (siehe Laufband-Training), Krämpfe wollen sich einstellen. Shit happens. Ich verabschiede mich von den 4:20 Stunden und will nur noch mit Würde ins Ziel kommen.

Mit ein paar Leidensgenossen bilden wir eine temporäre Laufgemeinschaft und halten uns mit lockerem Small-Talk (hechel) am Leben, wohl wissend, dass uns der Rückweg über die Rheinbrücke vermutlich den Rest geben wird.

Es kommt, wie es kommen muss, einer nach dem anderen muss abreißen lassen und dem wahnsinnigen Tempo (wahnsinnig langsam halt) Tribut zollen ;-)))

Irgendwann gegen Mittag (die Zeit ist jetzt mal echt nebensächlich!) bin auch ich am Ziel und kann trotz der schlechten Gesamtzeit innerlich lächeln. Ich bin durchgekommen, kassiere kein DNF, erhalte eine schöne Medaille und trinke ein schön leckeres Bierchen. Nach kurzer Pause im großen Zelt hole ich meinen Kleiderbeutel wieder ab und gehe Richtung Auto.

Kleine Begebenheit auf dem Weg dorthin: Eine Frau, deren Mann scheinbar auch gelaufen ist, fragt mich, ob´s denn anstrengend und schlimm war. Ich antworte flunkernd: „Nöö, und in meinem Alter achtet man eh nicht mehr auf die Zeit und Platzierung“. „Richtig so“, meint sie zu mir, dreht sich zu ihrem Mann um und geht weiter – während ich die Gelegenheit nutze, wieder in den Humpelschritt zu verfallen und mich zum Auto zu schleppen.

Am Montag habe ich selbst kleine Gefällstrecken gemieden, am Dienstag konnte ich Treppen mit Hilfe des Geländers bewältigen – und am Tag danach bin ich lockere 10 km gelaufen. Kaputt gegangen ist also nichts in der Muskulatur und ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Herausforderungen.


© Udo Baurmann, 03.06.2006

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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