Zufälliges Zitat

"Du merkst, dass Du ein Ultra bist, wenn Du Dich wachlaufen musst um frühstücken zu können."

Sarah und Frank Hildebrand, 24h Seilersee

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Roland Rothfuß zum Fidelitas Nachtlauf:
Roland Rothfuß , 26.06.2007

Einsam durch die Nacht - Verlaufen inclusive...

23.6.2007 : 29. Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe über 80 Km.

Nachdem ich 1987 hier schon gelaufen bin, wollte ich diesen Biel-ähnlichen Ultra nochmals unter die Füße nehmen. Die Anfahrt beträgt nur 160 Km, in Ettlingen hatten wir ein supergutes Hotel erwischt. Am Renntag gibt es wolkenbruchartige Niederschläge, es ist bewölkt und angenehm kühl. Freudig-angespannt warten mit mir viele Läufer/innen auf den Start um 17 Uhr- 177 davon kamen durch und in die Wertung. Dazu noch Staffeln und die 5-und 10-Km-Runner. Der Start ist auf dem Sportplatz mit Clubhaus des TUS Rüppur, am Waldrand gelegen und sehr idyllisch.

Kurz vor dem Start kommt die Sonne `raus und bleibt bis Sonnenuntergang- das gibt sofort eine unangenehme Schwüle. Wir laufen durch Karlsruher Gewerbegebiete, topfebene Strecke zunächst, verführt zum schnellen Laufen; außer mehreren Autobahnbrücken flach laufen wir in Durlach-Bahnhof weiter Richtung Grötzingen. Dann Zwangspause an einem Bahnübergang, doch der Zug kommt schnell. An jedem der rund 16 Streckenpunkte muß man die cut-off Zeiten beachten, sonst fliegt man raus- allerdings unter normalen Umständen für mich kein Problem.

Dann steigt der Weg plötzlich und sehr lange an, Waldweg nun, Reibeisenähnlicher Steinbelag, festgebacken, ungut für die Füße. Das sind nun die Kraichgau-Höhen, die Jöhlinger Höhe. Oben geht es über einen Wiesen-Trail weiter, die Sonne scheint, am Horizont dunkle Wolken. Es handelt sich um Wege mit zwei ausgetreten Spuren, in der Mitte höher, grasbewachsen: Man muß also die Füße sehr eng aufsetzen und sieht nicht so genau, wohin man tritt. Später bei Nacht im Wald genau diesselben Wege, doch total verschlammt, tiefe Pfützen, bergab sehr rutschig.

Dann geht es kilometerweise scharf bergab, die Verpflegungsstände sind bestens bestückt, Wasser, Iso, Malzbier, später Cola, Bananen, Brot, Kuchen, Schokolade und einiges mehr.
Die Streckenmarkierungen sind weiße gemalte und in Ortschaften geklebte Pfeile, Flatterbänder in Kopfhöhe und weiße Striche zur Abgrenzung falscher Wege. Trotz der Staffel-Läufer verteilt sich das Feld schnell, und schon am Anfang laufe ich oft mutterseelenallein. In den kleinen Ortschaften ist kaum was los, einige Kinder bieten rührend Wasser an, wollen abklatschen, doch Trubel ist nur in größeren Orten durch die Betreuer und Angehörige.

Bereits jetzt muß ich durch die Ortschaften höllisch aufpassen, um nicht vom Weg abzukommen- bei 3 Stunden habe ich die erste, ernste und einzige Krise des Laufes. Magenprobleme, fix und fertig durch die Schwüle, bin trotz aller Routine auch vielleicht zu schnell angegangen, mein rechter Fuß brennt wie Feuer an der Sohle. ICH LEIDE!! Doch ich bin auch ein Fighter, habe so meine -natürlichen- Methoden- nach ca. 5 Minuten geht es wieder schneller, der Fuß brennt nicht mehr, fühle mich wie runderneuert. Ist halt eine Kopfsache, Medikamente würde ich nie nehmen, halte ich für gefährlich, hasse Doping sowieso und bin ein unverbesserlicher Idealist. Allerdings habe ich wertvolle Zeit nun eingebüßt...

Über Singen-Wald erreiche ich Singen-Freibad und Mutschelbach-Rathaus (Km 39). Kilometerschilder: Fehlanzeige, es gibt kein einziges. Ich habe mir allerdings die wichtigsten Daten eingeprägt. Dann laufe ich eine sanfte Anhöhe hoch, wieder einmal mutterseelenallein, Kreuzung, Ortschaft, Berg runter??? Wo sind meine Flatterbänder? Es ist noch glockenhell, ich werde nervös- kein Mensch weit und breit. Umdrehen, ca. 500 Meter wieder bergauf zur Kreuzung, sehe nichts- da kommen zwei Läufer und biegen kundig rechts ab- hinterher. Am nächsten Verpflegungsstand höre ich dann zufällig, daß das Pfeilschild verschwunden sei.

Bei Tornadostein ist es nun dunkel, ein fahler Mond hängt am Himmel, auch am Horizont wird es immer schwärzer- Nebel kommt auf. Ich schalte meine LED-Stirnlampe ein- ohne geht hier rein gar nichts. Die kommenden Waldpassagen sind schwer zu laufen: Zunächst die schon erwähnten Wege mit schmalen Spuren, außerdem muß es die ganze Zeit geschüttet haben, obwohl ich keinen Tropfen abbekommen habe. Das Wasser steht teilweise knöcheltief in Riesenpfützen, trotz Lampe kann man so schnell nicht alles sehen, die Füße müssen " mitsehen. " Plötzlich geht`s steil bergab, gerade hier viel Schlamm, höchste Rutschgefahr. Der Wald ist wie ein Tunnel oben geschlossen, wirklich zappenduster.

So geht das etwa 14 Kilometer durch den Wald, ein kleiner Steg, ein Wildbach rauscht, begleitet mich nun bis Ettlingen, romantisch, plötzlich fehlt wieder meine Markierung. Ein Kollege taucht hinter mir auf: " Hier lang, immer rechts halten, am Fluß bleiben " rät er. Wege einem starken, in den Weg ragenden Ast haut es mich beinahe hin, Schock, ging blitzschnell, da eine scharfe Biegung, paß`auf, Junge !!!

Bei Marxzell und somit Km 61 geht es weiter nach Ettlingen. Meine anvisierte Zeit ist schon außer Reichweite, trotzdem bin ich gut drauf und flott unterwegs, vor allem ohne Magenprobleme. In Ettlingen laufe ich direkt auf unser Hotel Watthalden zu, die Pfeile zeigen Richtung Rüppur. Ich hole einen jüngeren Läufer mit Trinkrucksack ein, überhole, und wir laufen hintereinander durch Ettlingen. Noch rund 7 Km, denke ich- doch wo zum Geier ist meine Markierung??? Ich stehe an einer Kreuzung Richtung Rüppur, der Kollege hat mich eingeholt. Hektik- wo geht es hin???

Der mit dem Rucksack ist noch wütender als ich, ist schon letztes Jahr hier gelaufen, wollte unter 9 Stunden kommen- ich finde schließlich nach Zurücklaufen den gut getarnten Pfeil. Der Kollege hat gewartet, bis ich winke, es geht in eine Wohnsiedlung und leicht bergan.

Kurze Zeit in einer weiteren Wohnsiedlung noch mal dasselbe, hier zeigt der Pfeil GERADEAUS; dabei geht`s nach 3 Meter scharf rechts. Wir laufen natürlich geradeaus, suchen hektisch, landen in einer Wohnanlage vor dem Kinderspielplatz- Weg aus !!! Ich renne 500 Meter zurück, suche, endlich- da lang !!! Auf einem Radweg laufe ich nun meinen Streß weg, lasse den Rucksack-Mann einfach hinter mir im Dunkel der Nacht- der ruft mir noch hinterher: " Vorne kommt der letzte Verpflegungsposten, hier links in den Wald !" Im Wettkampf werde ich halt zum Tier...

Über diese letzte Verpflegungsstelle- übrigens alle von der Feuerwehr flutlichterhellt mit Generatoren- geht es nun Richtung Stadion in den Wald `rein, jetzt höre ich schon die Ansagen, sehe Flutlicht, noch eine halbe Runde- Finish, Medaille, später noch ein Pokal für Platz 3 in M 60 bei einer miesen Zeit von 8:58h- 8:20 habe ich mir ausgerechnet, doch meine Krise durch die schwüle Witterung und 5 Mal verlaufen machten alle Planung zunichte.

Fazit: 50 % Vorbereitung, 50 % muß auch der Himmel beisteuern, sonst zieht er Dir auch kurz vor dem Ziel noch den Stecker `raus...Doch ich nehme das sportlich-locker, war halt ein wenig ein Abenteuer-Lauf, die ersten beiden waren aus Karlsruhe und kennen die Strecke.

Dieser Lauf hätte meiner Ansicht nach viel mehr Läufer verdient, da er im Süden einer der ganz wenigen Ultra`s ist- wenn die neuralgischen Stellen besser gekennzeichnet wären- so wie halt in Biel, notfalls Ordner einsetzen. Außerdem ist er relativ schwer zu laufen und landschaftlich sehr schön. Der Veranstalter bestätigte mir später, daß von Blödmännern Markierungen entfernt wurden, auch in Ettlingen, wo wir uns verliefen.

Am nächsten Morgen nach kurzer Nacht ein superlanges Frühstück, das keine Wünsche offen ließ, ein Spaziergang in die Ettlinger Fußgängerzone bei Traumwetter und fast südländischem Flair, Penne beim Italiener, anschließend im nächsten italienischen Cafe`Kuchen und Eis mit Cappuccino. Leute, war das schön, auch meine Frau hat es sichtlich genossen, war wie Urlaub im Süden, nett, badisch-heimelig.

Gute Gastronomie, beste Hotellerie, natürlich ein viel besseres Preis/Leistungsverhältnis als in Biel- wenn halt die Strecke nicht so kompliziert wäre und 20 Km länger. Doch jetzt reizt mich natürlich, bei meinen Streckenkenntnissen doch noch demnächst meine Traumzeit zu schaffen...Nächstes oder spätestens übernächstes Jahr.

Und, liebe Ultra`s, gönnt euch mal diesen Lauf, er hat es verdient !!!

© Roland Rothfuß, 26.06.2007

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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