Zufälliges Zitat

"Über lange Strecken gewinnt oft nicht der bessere, sondern der, der weniger Fehler macht."

Emil "Lokomotive" Zatopek (1922-2000)

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Alle zeigen - Bericht von Gabi Leidner zum SCMT 6-Stunden-Lauf Nürnberg:
Gabi Leidner , 21.03.2005

Schneekreise

Der März steht üblicherweise im Zeichen der 6 h-Frühjahrsläufe und ein fester Bestandteil dieses Terminkalenders ist der Lauf des Sri Chimnoy Marathonteams in Nürnberg. Schauplatz des Geschehens sind die Wöhrder Wiesen. Eine Runde um die Wiesen mißt amtlich vermessene 1.523 m und so wird das Terrain zwischen Altstadt und Wohngebieten von der Nürnberger Laufszene für Aktivitäten vielerlei Art genutzt.

Der Startschuß zum 6 h-Lauf fällt laut Ausschreibung um 10 h, so daß LäuferInnen, die aus dem süddeutschen Raum kommen, durchaus auch erst am Veranstaltungstag anreisen können. Dieses Jahr sollte sich eine solche Entscheidung allerdings als nicht sehr glücklich erweisen. Der kalte Wind vom Freitag war nämlich über Nacht über eine Gewittergrenze geflüchtet und hatte dichtem Schneetreiben Platz gemacht. Die Autobahnen Richtung Nürnberg waren unfallbedingt hoffnungslos verstopft und so kamen einige TeilnehmerInnen teilweise deutlich zu spät, einige dürften aus eben diesem Grund gar nicht (an)gekommen sein. Auch die spätere Frauensiegerin, Elke Streicher vom EK Schwaikheim, konnte ihren Wettkampf erst mit 40 min Verspätung in Angriff nehmen. Das Schöne an einem Stundenlauf ist halt, daß so etwas überhaupt möglich ist. Bei einem normalen Marathon (und mehr) wäre der Zug abgefahren, da läßt einen keiner mehr ¾ h nach dem Startschuß auf die Strecke. Da aber hier das Ziel von allen gleichzeitig erreicht wird, egal wie weit sie in der vorgegebenen Zeit kommen, ist ein nachträglicher Einstieg möglich, man hat sich nicht morgens umsonst auf die Laufsocken gemacht.

Wer, wie wir, schon am Freitagabend angereist war, hatte zwar nicht das Verkehrsproblem, aber bei morgendlichen Blick aus dem Fenster hätte ich mir am liebsten die Decke wieder über den Kopf gezogen.

Gegen 4 h nachts wurden wir schon mal von einem ultralauten Donner geweckt, der gleich einen Blitz mit an seiner Seite hatte – und am nächsten Morgen bei Besichtigung der Laufstrecke sahen wir die Bescherung: der Blitz hatte in 2 Bäume direkt neben der Strecke eingeschlagen. Schon bald war die Nürnberger Berufsfeuerwehr vor Ort, befreite etwa 20 m Wiese vom Schnee, streute Kies drauf – und sperrte den Asphalt, um ein Auto dort zu plazieren und im Laufe des Tages die beiden Bäume zurückzuschneiden. So kamen wir gleich noch in den Genuß, alle paar Minuten eine kleine Crosseinlage absolvieren zu dürfen, die im Lauf der Stunden immer mühseliger wurde.

Die Wiesen selbst sind leicht abschüssig, so daß in jeder Runde kurz vor der Verpflegungsstelle ein klitzekleiner „Hügel“ erklommen werden mußte, den man morgens, noch frisch in Beinen und Geist, kaum wahrnahm, der aber im Laufe des Wettkampfs von Unsichtbaren mit dem Zugseil hochgezogen wurde.

Apropos Verpflegungsstelle: den SCMT-Läufen eilt der Ruf legendär guter Verpflegung voraus und der Nürnberger Lauf macht diesem alle Ehre. Wer zum Beispiel die Verpflegung beim Rodgauer 50er kennt und diese, zu Recht, als erstklassig bezeichnet, wird hier noch positiv überrascht: Marmeladenbrote, Schmalzbrote, Hefekuchen, Kekse mit und ohne Schokolade, Nüsse, Rosinen, diverses Salzgebäck, Tee, Buffer, Cola, Malzbier, Orangensaft, Apfelsaft, Wasser (warm und kalt) und Brühe – all’ das hatte der Tisch schon morgens zu bieten. Und dieses Angebot wurde mittags noch getoppt, als plötzlich laufwarme Pellkartoffeln mit Butter und Salz ihren Platz auf der Tafel einnahmen.

Diagonal gegenüber des Verpflegungszeltes, zu dem sich auch noch ein Sanizelt gesellte, stand ein langes Zelt mit (von mir) ungezählten Rundenzählern. Morgens bekam jeder Läufer „seinen“ Rundenzähler zugeteilt und diese erfaßten dann, teilweise die ganzen 6 h lang, Runde um Runde der von ihnen Beobachteten. Und das bei dieser Eiseskälte und im Schneetreiben, das fast 5 h anhielt. Chapeau und danke, liebe HelferInnen entlang der Strecke! Uns wurde unterwegs wenigstens warm....

Ein weiteres Markenzeichen der SCMT-Läufe sind, so habe ich mir versichern lassen, die Tafeln mit den Motivationssprüchen entlang der Strecke – und die riesigen gelben Smilies an den Bäumen. Diese bildeten dann auch die Farbkleckse entlang der Strecke, die der so sehnlichst erwartete Frühling uns verweigerte. Dazu kamen einige bunte Mützen und farbige Jacken mancher Wettkämpfer, aber üblicherweise ist die Winterlaufbekleidung ja dem Wetter angepaßt. Bonjour Tristesse.

Da die Uhr aufgrund der Witterungsbedingungen nicht rechtzeitig an die Wiesen kam, wurden wir mit 10 min Verspätung auf die Strecke geschickt. Diese war bestens präpariert und schneefrei – nur eben naß, was so manche/n der etwas Schnelleren von hinten wie ein Ferkel aussehen ließ.

Schon nach zwei Stunden mußten die ersten krankheitsbedingten Ausstiege verzeichnet werden – die Grippewelle rollt eben immer noch über Deutschland hinweg und macht auch vor LäuferInnen nicht Halt.

Von Anfang an stürmte Wolfgang Schneider (LGV Marathon Gießen) los, spulte, liebevoll supportet von seinem Sohn, Runde um Runde ab. Die anvisierten 80 km konnte er nur knapp nicht erreichen, 26 m fehlten ihm am Ende. In gebührendem Abstand folgte ihm Georg Weiß, aufmerksamen Verfolgern des virtuellen Transeuropalaufs auf steppenhahn.de als „Readyforextremes“ bekannt. Nomen est omen und so schaffte Georg immerhin auch 73,328 km, lief als 6 h lang etwas schneller als einen 6er Schnitt, Schneider brauchte im Schnitt sogar nur 4 ½ min pro 1.000 m. Dritter wurde Andreas Hauber (DJK Ellwangen) mit 72,99 km.

Bei den Frauen lag anfangs Simone Stöppler vom SSC Hanau-Rodenbach deutlich vorne, zumal ja Elke Streicher im Schneechaos steckengeblieben war. Irgendwann ward Simone aber nicht mehr gesehen – sie war planungsgemäß nach 50 km ausgestiegen und so war der Weg frei für Elke, die in 5:20 h immerhin noch 62,44 km schaffte. Zweite wurde Anne Smolka (Marathon Schwarzwasser) mit 61,55 km, auf Platz 3 findet man Eva Jaksch aus Salzburg mit 61,38 km.

Hervorzuheben ist sicher die Truppe Kinder & Jugendlicher aus Montenegro, die ebenfalls 6 h lang ihre Runden drehten. Die Schwestern Dijana (Jhg. 1992) und Danijela (Jhg. 1990) Kovac schafften 51,27 und 50,01 km und waren damit 13. und 16. in der Frauenwertung. Selbst die 11jährige Marija Ivkovic-Ivandekic schaffte mit 42,58 km noch mehr als Marathon, der 10jährige Oszkar Bernat immerhin auch noch 41,13 km.

Zwischen Lauf und Siegerehrung gab’s nicht nur reichlich heißes Wasser aus der Dusche, sondern auch noch diverse Getränke und massenhaft Nudeln mit zweierlei Soßen – und alles war im Startgeld enthalten.

Fazit: trotz der Wetterkapriolen war’s ein schöner Tag – wenn man sich erst mal überwunden hat, macht selbst Schnee nicht mehr so viel aus. Hauptsache, man läuft und trifft viele alte und neue Bekannte aus der Ultrafamilie.


© Gabi Leidner, 21.03.2005

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