Zufälliges Zitat

"Du merkst, dass Du ein Ultra bist, wenn Du Dich wachlaufen musst um frühstücken zu können."

Sarah und Frank Hildebrand, 24h Seilersee

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Jürgen Hoffmann zum Lauftage 100 KM Biel-Bienne:
Jürgen Hoffmann , 23.12.2005

Biel im Winter? Nein, nur......

...ein später Bericht aus dem Sommer.

Muss man wirklich einmal im Leben nach Biel? Wenn man den vielen Laufberichten über den 100 Km Klassiker glaubt, schon. Ich glaubte es noch nicht, war ich doch 2004 den 100 Km Dodentocht in Belgien gelaufen, und das war nicht so weit zu fahren und hat riesigen Spaß gemacht, trotz der 10 Stunden Dauerregen. Warten wir es ab, Belgien ist nicht Biel und 100 Km sind nicht 100 Km! Irgendwann würde ich Biel laufen, das stand fest.

Vorsicht, der Bericht ist sehr lang, aber der Lauf halt eben auch...

Mein Training 2004 und Anfang 2005 lief hervorragend und als Spaßläufer war ich gut in Form. Rodgau eröffnete für mich die `05 Wettkampfsaison über 50 Km mit 5:05:05. Marburg folgte mit 4:42 im April. Jetzt stand mein Entschluss fest, Biel wird dieses Jahr gelaufen. Ich meldete mich in Biel und bei meinem Chef den Urlaub an. Jetzt gab es kein Zurück mehr! Als Vorbereitung folgte der 50 Km Westerwaldlauf am 05.05.05 und der Helgoland Marathon am 21.05.05 mit 3:36. Als letzter großer Test absolvierte ich meinen Geburtstagsultra über 47 Km Anfang Juni. Viele Frühkilometer ab 4 Uhr morgens rundeten mein Biel Training ab. Die Nacht der Nächte konnte kommen.

Die Anfahrt nach Biel am Freitag klappte hervorragend, bei bestem Sommerwetter ab Karlsruhe mit Klimaanlage, und so kam ich gegen 13:30 Uhr ganz entspannt an der Eishalle an. Ich suchte mir einen Parkplatz am Straßenrand. Ca. 250 Meter vom Sportplatz entfernt wurde ich fündig. Die Temperatur betrug jetzt 27° C im Schatten, also Zelt aufbauen und ein Schlafversuch. Die Aufregung war jetzt schon zu groß, an Schlafen war überhaupt nicht zu denken.

Den ersten Bekannten entdeckte ich dann ungefähr 15 Meter neben meinem Zelt, es war, wie sollte es anders sein, der liebe Bernhard. Komisch, Bernhard treffe ich überall als ersten. Später in der Eishalle dann Frau Gabi Werwolf nebst Liebsten. Gabi wollte nur den Nachtmarathon laufen, so kurz vor dem Swiss Jura sollten es keine 100 Km werden, verständlich.

Bei der Startnummernausgabe kam ich dann verabredungsgemäß mit dem Schweizer Urgestein Bugs Bunny alias Bruno Schneiter aus Winterthur zusammen. Anschließend wollte ich mich noch etwas ausruhen und so verabredeten wir uns für 21:30 Uhr am linken Rand des Startkanals.

Ich bereitete im Zelt meine Ausrüstung vor und versuchte zu schlafen, keine Chance, zuviel Adrenalin im Körper. Ich ging abwechselnd zwischen Zelt und Auto (dort gab es gekühlte Getränke), hin und her, rollte auf der Isomatte kreuz und quer, langweilte mich und konnte den Start kaum erwarten. Hunger hatte ich übrigens kaum, ich aß bis zum Start nur 2 Bananen, 2 Cornys und 1 Ochsenauge und fühlte mich plötzlich unheimlich „platt“.

Am frühen Abend plauderte ich mit Bernhard über seinen kürzlich absolvierten Pisa-Marathon und er zeigte mir stolz seine dort gekaufte Laufhose nach einem Motiv von Michelangelo. Diese Hose war für Biel allerdings total ungeeignet, wegen der Dunkelheit würden die Zuschauer kaum was sehen ;-))

Bei meinem letzten Gang zum Auto sah ich plötzlich drei Autos vor meinem, einen bekannten Corsa, richtig, die Powerschnegge war auch da. Dr. Hans Drexler war gerade bei den rituellen Salbungen, die ein Läufer vor so einem Ereignis unbedingt vornehmen muss. Wir sprachen über den Isarlauf, meine Vorbereitung und meinen schlappen Formzustand.

Nach einem letzten Toilettengang begab ich mich um 21:00 Uhr zum Startbereich. Von Bugs Bunny war noch nichts zu sehen, aber neben einem Bierstand traf ich Helmut Hardy, den Öcher. Er hatte lauter nette Leute dabei die auch schon den Rengsdorfer 50 Km Westerwaldlauf kannten. Helmut wollte so um die 10 Stunden laufen, ich wünschte Ihm viel Glück und hielt wieder nach Bugs Bunny Ausschau. Er war trotz verabredetem Treffpunkt nicht zu finden. Ok, dann halt ohne Hase.

Dafür traf ich aber Roland Serau, Ironman Thomas Wenning mit Freundin, Windshopper und Angela Notcrazy. Vor lauter Geschwätz vergaß ich das Trinken, was sich noch rächen sollte. Ganz unspektakulär erfolgte um 22:00 Uhr der Start. Es ging durch begeisterte Zuschauermassen durch die Stadt. Nach ungefähr einem Kilometer lief ich plötzlich neben dem Öcher und wir blieben im viel zuschnellen 5er bis 5:30er Schnitt zusammen bis nach Bellmund zum ersten Berg. Dort lies ich Helmut ziehen. Ich hatte jetzt schon unheimlichen Durst, leichte Kopfschmerzen und schon sehr viel geschwitzt, trotzdem genoss ich das Glockengeläut der Tiere auf den umliegenden Bergwiesen. Sehen konnte man Sie wegen der Dunkelheit nicht. Es herrschte eine eigenartige tolle Stimmung in dem noch recht dichtem Läuferfeld.

Kurz vor Km 10 zog Ironman mit seiner Claudia an mir vorbei. Ich trank wieder etwas Wasser und fühlte mich langsam besser, ich hatte meinen Schritt gefunden und die Begeisterung für diesen Lauf stieg immer mehr an. In den Dörfern und an Gehöften saßen die Menschen bei kühlem Bier, feuerten uns Läufer an und der Duft von gegrilltem Fleisch stieg mir dauernd in die Nase. Nicht nur die Läufer hatten die Nacht der Nächte vor sich, nein, auch die Bevölkerung, Sie erinnerten mich ein wenig an den Dodentocht 2004, nur war es hier trocken und warm. Ich hatte mit meiner kurz/ kurz Laufkleidung die richtige Wahl getroffen.

Selbst auf freiem Feld gab es Gruppen, die am Lagerfeuer feierten und uns so den Weg durch die Nacht zeigten. Verlaufen war fast unmöglich, es gab dauernd mit Taschenlampen beleuchtete Pfeile oder Hinweise. Der Mond und die Sterne leuchteten den Weg genug aus, eine Stirnlampe war zumindestens für mich als Westerwälder absolut unnötig. Das Laufen durch die Nacht über Feld lag mir sehr und wirkte unheimlich beruhigend mit den Düften nach Gras, Erde und Blüten. Die begleitenden Geräusche der Grillen und Frösche taten ein übriges zur einmaligen Stimmung die mich nun beflügelte. Das Durchlaufen von Aarberg mit der Holzbrücke und den vielen anfeuernden Zuschauern riss mich förmlich aus meinen Träumen, aber ich behielt meinen Schnitt bei und ließ mich nicht aus dem Konzept bringen.

Bei mir lief alles bestens, nur hatte ich dauernd Durst (die fehlende ausreichende Hydrierung vor dem Start rächte sich). Kurz vor Lyss lief Windshopper alias Shakal Ryan zu mir auf. Er war mit Trinkrucksack unterwegs und zum ersten Mal beneidete ich einen Läufer deswegen. Wir plauderten eine Weile bis die Fahrradbegleiter zu Ihren Läufern stießen, und dann musste ich Windshopper ziehen lassen.

Kurze Zeit später forderten die Führenden des Nachtmarathons mit Ihren Fahrradscouts lautstark freien Weg. Nein, was für eine Hetze, so wollte ich die Nacht nicht genießen. Man konnte zwar frei laufen, musste aber trotzdem auf die vielen Fahrradbegleiter der anderen Läufer aufpassen. Ich kam mir jetzt komischerweise recht einsam vor, fast jeder Läufer hatte plötzlich einen Fahrradbegleiter mit dem ununterbrochen gesprochen, getrunken und Kleidung getauscht wurde, kam mir jedenfalls so vor.

Bei Ammerzwil gab es endlich auch für mich etwas zu trinken, ich nahm nur Wasser, für Cola war es noch viel zu früh, obwohl ich schon richtig Lust darauf hatte. In Grossaffoltern, Vorimholz und Scheunenberg war ich so richtig neidisch auf die biertrinkenden Zuschauer, die auf den Terrassen vor den Kneipen saßen und uns anfeuerten. Auf der ewig langen Straße von Scheunenberg nach Oberramsern bot sich mir ein einmaliger Anblick: ein nicht enden wollender Lindwurm aus gelben und roten Lichtern der Fahrräder und Stirnlampen der Läufer in der Nacht.

Die Stimmung wurde jäh unterbrochen durch das unablässig quietschende Fahrrad eines Begleiters (wirklich eine Zumutung!!!). Bald hielt ich es nicht mehr aus und beschleunigte um endlich wieder Ruhe zu haben. Unterwegs habe ich einige Fahrradbegleiter am Boden gesehen, war wirklich nicht ungefährlich dieses „laufende Fahren“.

Das Marathonziel in Oberramsern war für mich als 100er allerdings erst 38,5 Km, aber mit 4:06 war ich mehr als zufrieden. Etwas langsamer lief ich nun weiter, es kam mir vor als sei ich schwindelig, und plötzlich war ich „kurz vor `m Sterben“. Ein in solcher Form nie gekannter Hammermann saß mir im Genick. Die folgende längere Steigung ging ich und aß dabei ein Corny. Der Schwindel lies etwas nach und glücklicherweise kam eine Verpflegungsstation. Völlig fertig lies ich mich auf einer Bank nieder und trank zwei Becher warme Brühe und aß dazu Brot. Das weckte die Lebensgeister wieder. Noch einen großen Becher Cola und der Hammermann war besiegt, ich lief weiter, seltsamer Weise, als sein nichts geschehen. Ich hatte wohl ein Mineral-Salz-Defizit durch die ungenügende Hydrierung im Vorfeld des Laufs. Also jetzt bei jeder Gelegenheit einen Becher Brühe, eine Cola und Brot, es half!

Ich genoss den Lauf wieder und zwar besser als zuvor, es lief wie am Schnürchen und die Kilometer flogen nur so dahin. In den Ortschaften saßen die Leute noch immer vor den Kneipen und feierten. Da, das 50 Km Schild, Bergfest und im Osten ein hellblauer Horizont. Toll waren die riesigen Brunnen vor den Bauernhäusern, hier konnte man sich das Gesicht und die Arme waschen und kühlen. In Kernenried konnte man in der Morgendämmerung schon wieder recht gut die Landschaft erkennen, jetzt kam Kirchberg mit einem großen Verpflegungspunkt. Ich setzte mich wieder und trank Brühe, aß Brot und spülte Cola hinterher. Jetzt lag nur noch ein läppischer Marathon vor mir, und es wurde hell, auf auf zum Ho-Chi-Minh-Pfad.

Es ging zunächst auf Asphalt unter der Autobahn A1 durch und dann auf einem Feldweg am Waldrand bergab ins Emmental, hier konnte man schon wirklich gut sehen, aber das sollte sich schnell ändern sobald ich unter die Bäume lief, und dann lag er vor mir, der berühmt berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad. Es wurde sehr eng und duster, ich lief ganz vorsichtig, immer darauf gefasst gegen einen Stein oder in ein Loch oder gegen Wurzeln zu treten. Etliche Läufer mit Stirnlampe haben mich hier überholt, aber auch ohne Lampe ging es recht gut vorwärts, bin halt Westerwälder ;-).

Rechts vom Pfad konnte ich durch die Zweige der Bäume den rotgefärbten Himmel sehen, ein schöner Tag kündigte sich an. Endlich kam eine Überführung unter der eine Verpflegungsstation aufgebaut war, gleiche Prozedur, setzen, Brühe trinken, Brot essen und mit Cola runterspülen, auf und weiter. Jetzt lichtete sich der Wald und ich lief auf der Dammkrone neben einer Mauer im frühen Morgen, links die Emme, rechts Wiesen und Felder und im Hintergrund die Schweizer Berge. Irgendwann passierte ich ein Kraftwerk hinter dem ein Heißluftballon in den Morgenhimmel stieg, und ganz weit am Horizont war der Schweizer Jura in der Morgensonne zu sehen.

Herrlich dieser Morgen, die 65 Km spürte ich kaum und überholte jetzt die Läufer, die mich auf dem Ho-Chi-Minh überholten. Nach erneutem Verpflegungspunkt lief ich über die Emme nach Geralfingen hinein. Hier saßen tatsächlich noch Gäste vor einer Wirtschaft und feierten immer noch. Auf einer Linkskehre lief ich durch den Ort und plötzlich hörte ich meinen Namen rufen, war ich jetzt im Läufer-Delirium oder rief da wirklich einer? Der Öcher saß vor einer Bäckerei bei Kaffee und Brötchen und winkte mir zu. Oha, Helmut hatte wohl keine gute Zeit hinter sich.

Die Strecke führte jetzt auf abgelegenen Landstraßen durch schönste Weidelandschaften mit wunderschönen Holzbauernhöfen. Die Fahrradbegleiter waren schon seit Gerlafingen wieder auf der Laufstrecke, aber irgendwie waren es nur sehr wenige und ich hatte sie auch nicht vermisst.

Nach dem Verpflegungspunkt Ichertswil (ich trank immer noch Brühe, aß Brot und spülte mit Cola), sah ich einen Läufer der von seiner Frau auf dem Fahrrad betreut wurde. Er war in einem erbärmlichen Zustand und hatte die Essensrückgabe gerade hinter sich, die Reste klebten noch an seinen Beinen, aber er wollte immer weiter obwohl seine Frau anderer Meinung war. Jetzt lief ich dauernd hinter einem Läufer, der wie ich, allerdings in einem anderen Rhythmus Gehpausen einlegte. Wir überholten uns ständig gegenseitig wie an Gummibändern gezogen.

In Bibern nach der Zeitnehmermatte, hatte mich der Öcher-Helmut wieder eingeholt, war auch kein Wunder, es ging steil bergauf und er hatte eine Fahrradbegleiterin die Ihn bei Laune hielt. Ich war froh jetzt einen netten GesprächspartnerIn zu haben, wir drei diskutierten über so tolle Themen wie „Restmetervermessung“, „Startnummernband“ und „technische Hilfsmittel“ wie „MP3“ usw. Für Helmut waren schon Laufschuhe „verbotene technische Hilfsmittel“, dabei schien die Sonne doch noch nicht so stark ;-)).

Plötzlich klingelte irgendwo dauernd ein Telefon, Helmut meinte, es käme von mir, aber das konnte nicht sein. Mein Telefon war seit gestern Abend aus! Haha, Tücken der Technik, es war meins! Durch den hellen Sonnenschein konnte ich auf dem Display nichts erkennen. Ich lies Helmut samt Begleiterin erst mal ziehen und brütete über meinem Telefon. Was war los? Zuhause was passiert? Nein, mein Telefon war ausgeschaltet. Da, wieder klingelte es. Jetzt machte ich mir wirklich Sorgen, ich rief zu Hause an, mein Sohn wollte gerade zur Arbeit und war sehr erstaunt, es war alles in Ordnung. Von zu Hause hatte mich niemand angerufen.

Ich lief weiter und das verdammte Ding klingelte wieder und keiner war dran! Jetzt rief ich meine Frau im Büro an (Sie muss auch Samstags manchmal früh arbeiten), aber auch hier war alles in Ordnung. Sie wünschte mir für die restlichen 20 Km noch viel Spaß und der kurze Plausch gab mir wieder mächtig Auftrieb. Helmut holte ich bald wieder ein und über. Und das vermaledeite Telefon klingelte in regelmäßigem Abstand. Ich ignorierte es eisern, denn es konnte eigentlich nicht klingeln, es war ausgeschaltet. Was haben wohl die anderen Läufer gedacht, die das klingeln aus meiner Gürteltasche ertragen mussten? Jaaa, und dann dämmerte es auch mir, die Weckfunktion, die ich gestern Nachmittag im Zelt auf 7:00 Uhr gestellt hatte, ich wollte ja vor dem Start noch schlafen!!! Peinlich, peinlich!

Jetzt liefen wir an der Aare entlang, immer schön in der Sonne und es lief bei mir immer noch wie geschmiert. Eigentlich mussten doch Gehpausen kommen, wie beim Ironman den ich bei Km 85 überholte. Thomas hatte Magenprobleme, ein kurzer Wortwechsel und weiter. Es war mir unheimlich, das ich noch so entspannt laufen konnte. Ich glaube es lag an der permanenten Brühezufuhr. Auch Windshopper Shakal Ryan lies ich kurz vor Büren an der Aare hinter mir.

Überholt wurde ich schon länger nicht mehr, und jetzt ging es über die Aare durch eine Gärtnerei in die Felder. Bei Km 90 war in der Ferne ein Anstieg zu erkennen, aha, endlich ein Alibi zum Gehen in Sicht. Und das tat ich auch. Oben auf dem Hügel war unten die Schnellstraße, die ich gestern nach Biel fuhr, zu erkennen. Bergab lief ich recht moderat, es waren zwar nur noch 10 Km, aber die Hitze machte mir jetzt doch arg zu schaffen.

Am Verpflegungspunkt in Pieterlen tankte ich noch mal ordentlich Wasser, Cola und aß mit Apfelsinensaft (!) getränkte Banane, als der Öcher laut lästernd „ Na, haste Durst?“ an mir vorbei lief. Er hatte wohl das Ziel gerochen, ich habe Ihn zwar dauernd gesehen, aber nicht mehr eingeholt, trotz aller Mühe.

Die letzten Kilometer gingen entlang der Bahntrasse, teils am Waldrand im Schatten, teil in der Sonne. Bei Kilometer 95 musste ich das erste mal bei diesem Lauf in die Büsche zum Wasser lassen, soviel abschließend von einem Ultra-Anfänger zur ausreichenden Hydrierung beim Laufen!

Jeder Kilometer war jetzt ausgeschildert, war auch nötig, die Umgebung war mehr als ätzend, ein Industriegebiet mit Kies und Geröllhalden, aber Biel war schon zu sehen und das nahe Ziel spornte an. Eine letzte Linkskurve und dann die Gerade am Eisstadion vorbei rechts in den Zielkanal, was war das herrlich! Begrüßt durch die Sprecherin und mit Tränen und einem Lächeln im Gesicht nach 11:34 Stunden durchs Ziel. Biel!!!

Direkt hinter dem Ziel lag auch der Öcher-Helmut, betreut von Frau und Tochter. Wir beglückwünschten uns gegenseitig und waren irgendwie geistig abwesend. Nach erneuter Flüssigkeitszufuhr ging ich die 200 Meter zu meinem Zelt und wollte schlafen. Es ging nicht, zu viel Endorphine, also auf zum Auto, Waschzeug holen und zum Duschzelt. Unterwegs traf ich Gabi Werwölfin nebst Liebsten, Sie erzählten mir von Ihren Erlebnissen der Nacht und Gabi mahnte mich zum Duschen, ich stank wohl erbärmlich.

Das Duschzelt war Klasse, genug Platz, richtig heißes Wasser, endlich Zähne putzen und ausgiebig wässern. Frisch gesäubert dann die Urkunde und das „Beendetertehemd“ abgeholt, noch mal einen Schlafversuch gestartet, wieder gescheitert, und beschlossen das Zelt ab zu bauen und ab nach Hause. Schließlich wartetet ab 18:00 Uhr der 50. Geburtstag meiner Nachbarin auf mich.

Nach einer Ruhepause bei Karlsruhe bin ich wohlbehalten und voller Energie um 16:00 Uhr in heimatlichen Gefilden angekommen.

Fazit und Kritik:
Der menschliche Körper ist etwas außergewöhnliches! Kritik, nein, keine am Veranstalter, nur am Läufer, an mir!

Noch einmal zur Eingangsfrage: Muss man wirklich einmal im Leben nach Biel? Nein, nicht einmal, Ö F T E R !!!

Biel kann man nicht nur laufend erleben, sondern auch riechen, sehen, fühlen und schmecken, auch in der Nacht! Wie hatte es Wigald Boning einmal unter anderen Umständen über einen anderen Lauf so ähnlich gesagt: „Ein auf der persönlichen Liste der Top-Ten-Erlebnisse ganz oben angesiedeltes...“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Biel ich komme wieder!


FunRunny (© Jürgen Hoffmann, 2005)



© Jürgen Hoffmann, 23.12.2005

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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