Zufälliges Zitat

"Man kann gar nicht so viel Bier trinken, wie man jetzt heulen möchte..."

Ein Helfer nach dem Ende der 144h in Erkrath 2007

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Frank Gussenstätter zum Swiss Alpine Marathon, Davos:
Frank Gussenstätter , 02.12.2006

K 78 – (m)ein Traum wird wahr!

Prolog

5:00 Uhr – der Wecker klingelt. Irena liegt neben mir, „Bist du wach“. „Ja“ knurre ich. Sie lässt mir keine Chance noch ein bisschen weiterzuschlafen – im Wecker-ignorieren bin ich Weltmeister. Ich genieße noch die wenigen Augenblicke und ringe mich durch aufzustehen. Kurze Desorientierung: Wo bin ich hier…ahh… Trattoria Carolina in Alvaneu… und warum? Die Antwort reißt mich aus den letzten verbliebenen Träumen: der K78… 78 km und 2360 m Höhenmeter zu Fuß… LAUFEN. Der Gedanke an das Bevorstehende schnürt mir den Magen zu – und in genau diesen muss nun das mitgebrachte Müsli rein. Nachdem ich nicht nur die Zahnbürste, sondern auch den Löffel für das Müsli vergessen habe, esse ich die Haferflocken mit den Fingern. „Wie in Afrka…“ denke ich. „Der Kontinent der großen Läufer…“. Ein Omen? Zum Nachtisch noch eine Banane und einen Liter Apfelschorle – ich reize die Belastbarkeit meines Magens bis aufs Äußerste. Anschließend wasche ich mich und schlüpfe in die bereitgelegten Sportklamotten. Um 6:00 Uhr bin ich startklar. Der Abschied von Irena fällt unendlich schwer, wie gerne würde ich mit Ihr, Jo und Kerstin in anderthalb Stunden als Supporter zum SAM gehen. Aber ich wollte es ja anders. Ich gebe mir einen Tritt und raus aus dem Haus. Draußen regnet es in Strömen es gibt in diesem Moment nichts, aber auch wirklich nichts, das mich motiviert gen Davos aufzubrechen. Vielleicht eins: die Hoffnung auf besseres Wetter und außerdem die 96 SFr Startgeld (man ist ja Schwabe).

Grübel, grübel…

Auf der Fahrt häng ich meinen Gedanken nach. Heute willst du den K78 laufen. Warum eigentlich? Gute Frage… vor 6 oder 7 Jahren hörte ich das erste Mal davon - es war sofort der Gedanke „nur Verrückte, da Lauf ich mit!“. Wirklich daran geglaubt habe ich aber nicht. Ich habe tiefen Respekt vor den Frauen und Männern, die diese Herausforderung meistern. Für mich war es (ist es?) unvorstellbar so etwas zu überstehen. Die Jahre gingen ins Land, diverse 10 km-, HM-, und Marathonläufe, sogar zwei Ultras über 50 km folgten mit mehr oder weniger Erfolg bzw. Zufriedenheit. Und jedes Frühjahr der Gedanke an den K78. Als ich 2003 als Zuschauer den SAM verfolgte, begann ein Feuer in mir zu brennen, von dem ich wusste: Es wird erst gelöscht, wenn du das Finisher T-Shirt trägst. Ein Meilenstein war die Begegnung mit den neuen Freunden des Lauftreff Eppelheim. Hier erlangte ich wichtige Erfahrungen für das Training der langen Distanzen. Und nach meinem ersten Marathon bei dem ich richtig gut durchkam, sollte es dann soweit sein: Ein Mann muss drei Dinge im Leben tun: einen Baum pflanzen, eine Familie gründen und ein Haus bauen. Bei mir kommt der K 78 als Viertes noch hinzu. Nach 3000 Trainingkilometern in 18 Monaten fühlte ich den Hauch einer Chance diese Herausforderung zu bestehen.

Davos, 6:45 Uhr

Regen klatscht auf die Windschutzscheibe und von der genannten Chance ist genau so wenig zu sehen, wie von der Sonne am diesem grauen Juli-Morgen. Missmutig mache ich mich auf, meine Startunterlagen zu holen. An der Ausgabe frage ich die Frau nach der Wettervorhersage. „Gegen Mittag soll es schöner werden und aufhören zu regnen… hoffentlich.“. Tolle Aussichten, dann sind es ja nur 4 Stunden im Regen, juhuu !! Zufällig erfuhr ich noch, dass der Parkplatz 10 SFr kostet (O-Ton Schweizer Zivilschutz: „Mich würd´s wundern, wenn das parkieren irgendwo in der Schweiz mal umsonst wäre.“). Der Automat nimmt aber keine Scheine, also Geld wechseln… ich bin genervt. Schließlich mach ich mich auf den Weg in die Umkleide. Der übliche Geruch von Massageöl, Schweiß und Ich-hab-meinen-Magen-vergewaltigt, schlägt mir entgegen und weiter auf das Gemüt. Ich schau mir die anderen Teilnehmer an… in Gesprächen bekomme ich mit, das ALLE mindestens schon einmal den K78 gefinisht haben – ok, wo ist die Anfängerkabine. Meine Gedanken kreisen um pro und contra Regenschutz sowie meinem Trinkgurt, bei dem ich die Trinkflaschen vergessen hab. Niemand um mich herum scheint sich darüber Gedanken zu machen. Zweifel kommen auf: 78 km, du Spinner das schaffst du nie. Nicht bei diesem Wetter, nicht auf dieser Höhe (Davos liegt ja auf rund 1500m), nicht mit so vielen Höhenmetern (+/-2360m), nicht in den Schuhen; nicht… - STOP!!!! OK, zwei Möglichkeiten: 1. heimfahren und sein restliches Leben in einem Mausloch verbringen oder 2. mit breiter Brust zum Start. Spontane Entscheidung: mit schmaler Brust zum Start. Während ich meinen Trinkgurt zum Gepäckgurt umfunktioniere und ihn mit Fotoapparat, Ärmlingen, Powerballs usw. fülle, rede ich mich selbst stark: du hast ausreichend trainiert, die Woche über gut verpflegt, genug getrunken, alles organisiert (na ja fast alles, DANKE IRENA) – du hast alles dafür gegeben heute hier zu sein – verzweifelte Versuche von Autosuggestion. Flugs noch zur Gepäckaufbewahrung, dort gebe ich die Tasche ab… und es ist mir, als gebe ich alle negativen Gedanken der letzten Stunden mit ab: Alea acta sunt, die Würfel sind gefallen… noch 20 Minuten zum Start.

Nachdem die Mountainbiker des Teamwettkampfs auf die Strecke geschickt wurden, richtet sich die volle Aufmerksamkeit des Sprechers und der Zuschauer auf den K78. Die Rede ist vom „härtesten Bergultra“, „genug Trinken auch wenn’s kühler ist“, „Salze aufnehmen“ usw. . Ich geh derweil über den Kunstrasen des Davoser Stadions und mit jedem Sekundenschlag in Richtung 8:00 Uhr merke ich, wie ich ruhiger werde. Ich lebe den Moment, sauge die Atmosphäre förmlich in mich auf, denke daran wie lange ich davon geträumt habe hier zu stehen. Mir schießen Tränen ins Auge – ein hoch emotionaler Augenblick, mein Herz ist so weit, ich könnte die ganze Welt darin aufnehmen. Kurze Zeit später reihe ich mich in eine der letzten Startreihen, ich will nicht bolzen, ich will genießen - mit allen Sinnen - ICH BIN BEREIT!!!

So gut wie geschafft, nur noch laufen…

Der Startschuss fällt, die folgenden Stunden erscheinen mir aus der Erinnerung wie von einem mystischen Schleier umgeben. Die Strecke führt zunächst 5 km durch Davos. Etwas verschlafen stehen etliche Zuschauer am Wegesrand. Ich erhasche einen kurzen Blick in Richtung Dischmatal, durch welches ich hoffentlich heute zurück nach Davos komme. Nach dem Ortsausgang geht es durch die Wiesen und Weiden des Landwassertals. Wenig später endet der asphaltierte Weg und die erste Steigung kommt auf mich zu. Hier kurz der Gedanke an die 2360 Höhenmeter, die jetzt bald nur noch 2330 Höhenmeter sind – ok, dringend ein neuer Gedanke, sonst wird man verrückt. Ich konzentriere mich auf den Schritt, den Atem und meinen Puls – ab 150 Schlägen nehme ich Tempo raus oder gehe. Über schöne Wanderwege durch den Wald geht es in leichtem Trab gut voran. An den Single-Trail-Passagen staut sich die Läuferschar und wir bewegen uns wie ein unendlich langer Wurm hintereinander durch die Landschaft. Die kleinen Dörfer Spina und Monstein sind bald passiert und es geht in steilen kurvenreichen Pfaden bergab in Richtung Zügenschlucht. Hier fallen mir die ersten Läufer am Steckenrand auf, die mit muskulären Problemen zu kämpfen haben. Ich höre in meinen Körper und fühle nichts was mich beunruhigt, keine Schmerzen, keine Anstrengung – soll aber auch nicht, nach knapp 25 km.

Die wohl größte Herausforderung

In der herrlichen Zügenschlucht geht es durch Tunnels entlang der alten Straße nach Wiesen. Am Bahnhof „Wiesen“ versammelten sich einige Zuschauer um einen Sprecher, der mit typischem schweizerischem „Enthusiasmus“ jeden einzelnen Läufer begrüßt. Ich höre meinen Namen und weiß: Ich bin auch da – kein Traum: Realität. Ein paar hundert Meter weiter kommt die wohl größte Herausforderung für mich. Das 90 m hohe Wiesener Viadukt – durch die Stahlplatten sieht man bis zur Landwasser – bei meiner Höhenangst nicht unproblematisch. Auf der anderen Seite angekommen bin ich so voller Adrenalin, dass ich erst einmal ziemlich schnell weiterlaufe. Nach etwas auf und ab im Wald geht es in weiten Serpentinen nach Filisur (31,1 km) hinunter. Mit 3:05h liege ich bestens im Plan und genieße die Stimmung im Ort. Kurz nach dem Ortsende erreicht man den tiefsten Punkt der Strecke in 1019 m Höhe. Auf den nächsten 21 km erwarten mich nun 1613 Höhenmeter. Hier hört der Spaß auf und der Ernst des K78 beginnt. Sehr konzentriert begebe ich mich an den zunächst sehr moderaten Anstieg durch das Albulatal. Plötzlich weitet sich der Blick auf die Felspassage der Passstraße unterhalb von Bergün, und mir wird klar: Das wird ein sehr steiler Aufstieg: Die Straße ist zum greifen nah… nur leider 250 m über mir. Gezwungenermaßen komme ich als Teil des „Läuferlindwurm“ mit ruhigem Puls und gemächlichen Schritt voran. Oben auf der Passstraße bin ich dann auch sofort wieder in der Lage den neu gewonnenen Platz zu nutzen und ein richtig gutes Lauftempo aufzunehmen. So erreiche ich bald den Ortseingang von Bergün (39,1 km). Hier ist der wichtigste Verpflegungsposten, denn von hier ab geht es ins Hochgebirge. Jetzt heißt es nochmals gut essen und trinken.

Bergün, einmal mit dem Auto, zweimal mit dem Fahrrad und nun zu Fuss…

In Bergün ist eine klasse Stimmung. Bei der Zwischenzeit stelle ich fest, dass ich mit ziemlich genau 4 Stunden besser als im Plan vorgesehen war. Kurz nachdem wir die Trasse der Albulabahn unterqueren, beginnt der lange Aufstieg zur Keschhütte. Erst noch durch ein weites Tal auf einem breiten Fahrweg. Immer wieder versuche ich, das Talende zu entdecken. Wie weit ist es noch zum „finalen“ Aufstieg. Der Forstweg schlängelt sich in Serpentinen, die sich mit langen Geraden abwechseln, bergauf. Mir fallen die vielen Läufer um mich herum erst gar nicht auf. Irgendwann denke ich mir „so viel 78er???“. Bei einem erblickte ich die Startnummer: Diese war weiß und somit waren die vermeintlichen 78er zum Großteil 42er. Ich lief von hinten in das Feld des K42, der kurz vor meiner Ankunft in Bergün dort gestartet wurde. Diese Läufer wählten für ihren Marathon wohl eines der schwierigsten Profile überhaupt aus. Bei km 47,2 erreiche ich Chants. Hier endet die breite Fahrstraße. Über einen Forstweg geht es in steilen Serpentinen durch den Wald. Laufen scheint hier unmöglich – und keine 2km später verschärft sich die Situation. An der Verpflegung in Valzana – auf knapp unter 2000m – beginnt der Singletrail, der weitere 4 km bis zur Keschhütte mit unglaublichen Steigungsprozenten empor führt. Als die Baumgrenze überwunden ist, tauchen wir in dichten Nebel. Man sieht keine 30 Meter weit. Somit kann ich nicht abschätzen, wie weit es zum Pass ist – Segen oder Fluch, ich weiß es nicht. Irgendwann frage ich einen Zuschauer, wie weit es noch sei. „20 oder 30 min“, ich denke mir „hoffentlich nicht“, er soll aber Recht behalten.

„The crazy Peak“ an der Keschhütte

Doch irgendwann höre ich mitten im Nebel den Sprecher der Keschhütte. Ich habe ihn erreicht, den höchsten Punkt des K78 auf 2632m – dicker Nebel, Temperatur wohl unter 5°C. Die Verpflegung ist zwischenzeitlich Routine: zuerst ein Schluck Boullion wegen der Salze, dann 2-3 Becher isotonische Getränke, ein Stück Weißbrot oder ein Rosinenbrötchen, Finger weg von den Bananen, die bekommen mir nicht, und noch ein Stück vom Powerbar-Riegel, den ich mir in Bergün eingesteckt habe. Obwohl ich gerne noch die Atmosphäre genießen würde, geht es schnell weiter. Für 52,9 km habe ich nun 6:06h benötigt. Die ersten steilen Passagen hinab zur Platta Naira sind sehr staksig. Kurz schießt mir der Gedanke durch den Kopf „wenn es dich hier auf die Fresse haut…“. Es sollte das einzige Mal sein. Schnell habe ich die Trittsicherheit wieder erlangt – wie heißt es beim Wandern: Immer oben auf die Steine. Damit komme ich dann gut zurecht. Ein kurzer, heftiger Regenschauer mit einigen heftigen Windböen kann mir da auch nichts anhaben. Kurze Zeit später trennen sich die Strecken des K78 und des K42. Die Marathonis müssen noch viel weiter in das Hochtal absteigen, als „Ultra“ bleibt mir das Privileg auf den legendären Panoramatrail einzubiegen. Schlagartig bin ich alleine. Nur vereinzelt sehe ich einige bunte Flecken zwischen den Steinblöcken huschen. Ich genieße die Einsamkeit der folgenden 6 - 7 km. Von Panorama ist an diesem Tag hier nichts zu sehen, somit ist es also nur ein „Trail“ – und der hat es in sich. Hoch konzentriert und, dank meiner noch lockeren Beine, immer noch sehr leichtfüßig hüpfe ich wie eine Gämse durch das Gelände. Die Euphorie hier oben zu sein, ist groß, aber vermutlich ist es ein Tribut an die Höhe und den damit verbundenen Sauerstoffmangel, das ich immer wieder Gehpausen einlegen muss. Zum Glück erfahre ich erst nach dem Rennen das hier oben meine km-Zeiten auf bis zu 10 min absinken. Dies war zuletzt in den steilsten Passagen hinauf zur Keschhütte der Fall. Kurz vor dem Scalettapass kommt dann der große Moment: die Begegnung mit dem Streckenarzt. Es ist für jeden Läufer ein kurzer Check des allgemeinen Zustands vorgesehen – und er ist „allmächtig“. Nimmt er Dich aus dem Rennen ist der Traum geplatzt. Auf die Frage: „Und wie geht es dir, Frank?“ antworte ich: „Perfekt“ – und das ist nicht gelogen. Ich darf weiter.

Es könnte klappen…

An der Verpflegung auf dem Scalettapass noch kurz gespeist und schon geht es hinunter in Richtung Davos. Ja, Davos… das erste Mal kommt der Gedanke es tatsächlich schaffen zu können. Ein Mitläufer scherzt, er habe einen Gleitschirm deponiert, um ins Tal zu fliegen. Mich zieht es nach Dürrboden, ich hoffe dort auf meine mitgereisten Supporter zu treffen. Eigentlich wollten die schon hier oben irgendwo stehen. Mit hohem Tempo und langen Schritten geht es bergab, da… linke Wade… ein Zwicken… sofortige Entlastung, anhalten, tasten, massieren, nichts passiert. Einige hundert Meter weiter, gleiches Spiel, dieses Mal die rechte Wade. Ok, ich habe es verstanden: Tempo raus. Trotzdem bin ich immer noch flott unterwegs: unter 5 min pro km und das nach 62 km. Ich fliege regelrecht ins Tal. Ich glaube zu träumen. Einen dieser Träume, bei denen man schon weiß, dass eh’ gleich der Wecker klingelt – mein Wecker klingelt aber nicht und so träume ich auf dem Weg nach Dürrboden weiter. In Dürrboden dann wieder ein Sprecher, auch hier wieder mein Name, also bin ich auch hier wieder angekommen. Kurzer Snack und ein super Fanclub macht eine Extra-LaOla für mich. Leider ist von Irena, Kerstin und Jo nichts zu sehen. Wo sind sie nur? Ok, ich stürze mich auf die letzten 14 km ins Tal, eigentlich so gut wie im Ziel. Doch dann passiert es doch, zum Glück aber viel später als befürchtet und bei weitem nicht so schlimm: Der Einbruch. Ich kann aber immer noch gut laufen, lediglich die Leichtigkeit ist verloren. Mit einem starken Willen halte ich ein 6er Tempo. Mental hangele ich mich von km-Schild zu km-Schild – 5 km weit jedes Mal, ein Kraftakt. Die Rechnerei im Kopf beginnt. Eine Zeit unter 9h ist unmöglich geworden, unter 9:30 h sind aber allemal noch drin.

…der Hammer am Schluss, aber nicht der „Mann mit dem Hammer“!

Bei der Durchlisage am Ortseingang von Davos, kommt der letzte, kurze, aber äußerst giftige Anstieg. Ich kenne Ihn von 2003 her noch – nur damals als Betrachter. Und heute: kurzes Gehen, oben angekommen finde ich kaum mehr den Tritt. Es fällt unendlich schwer wieder loszulaufen, irgendwie schaff ich es aber. Einige hundert Meter durch den Wald, runter in den Ort und auf einer ewig langen Geraden durch die Randbezirke von Davos. Die Sonne knallt – das Thermometer zeigte wohl so um die 25°C an – und ich wünsche mir eine der vielen Wolken am Himmel möge sich erbarmen und sich vor die Sonne schieben. Die haben das ja schließlich den ganzen Tag schon so gemacht. Als ich dann nach zwei weiteren Kurven auf die Hauptstraße von Davos einbiege, stehen dort einige hundert Menschen und feuern mich an. Meine Tour d´honneur beginnt. Und wie ich so von links nach rechts schaue, entdeckte ich Jo. Ich laufe auf ihn zu und er sagt: „Die letzten Meter laufe ich mit dir !!“, dreht sich um, und rennt los. Ich rufe im hinterher: „Wenn du mit mir laufen willst, muss das langsamer sein…“

Davos, 17:17 Uhr

Beim Einlauf ins Stadion machte der Sprecher gerade Pause und so fiel es kaum jemandem auf, dass ich ins Ziel kam. Das war mir aber auch egal: 9 Stunden 17 Minuten 32 Sekunden I DID IT! Ich hatte den K78 gefinisht. Ich war zunächst sprachlos. Heute kann ich sagen, ich war damals (und bin es heute noch)…

…überwältigt von einer sagenhaften Strecke, stolz, es geschafft zu haben, froh, nicht mehr laufen zu müssen und traurig, weil es nun vorbei war.

Nach einer kurzen Erholungspause gehe ich mir meine schönste Auszeichnung abholen: das Finisher-Shirt des K78. Vorbei beim Erdinger-Stand auf ein Siegerbier und dann erstmal duschen. Nach dem Duschen – und das war die einzige schlechte Erfahrung am heutigen Tag: die Duschen war kalt – verschwanden wir vier recht schnell in Richtung Alvaneu. Nun erfahre ich, das Jo an der Keschhütte war, als ich dort vorbeikam und wir uns trotzdem verpassten. Komischerweise haben wir beide den Läufer mit dem „Svensson“-Trikot gesehen. Die beiden Mädels waren auf der K42 Strecke als ich oben auf dem Panoramatrail lief. Das wir uns nicht trafen war für alle sehr ärgerlich… . Jetzt knurrte aber unisono allen der Magen, denn wie sich herausstellte hatten meine Supporter fast einen Halbmarathon in Wanderstiefeln und mit Gepäck an diesem Tag absolviert. Soviel Einsatz ehrt mich sehr.

Nachschau/ Vorschau

Den größten Dank gebührt Irena, die aus einer relativ ablehnenden Haltung gegenüber dem K78 sich damit soweit anfreunden konnte, mich sogar vor Ort zu unterstützen. Weiterhin ein dickes Dankeschön an Jo und Kerstin die mich ebenfalls vor Ort unterstützten. Den Dreien mein tiefster Respekt, bei dem Wetter durch die Berge zu rennen (grins). Aber auch ein herzliches Dankeschön an alle, die mich im Vorfeld unterstützt haben, insbesondere die vielen Mails von noch mehr Leuten (Danke Peter) die mich erreichten und die tolle Karte aus Schwerzenbach (Danke Thomsen). Tja, jetzt muss ich ja nur noch ein Baum pflanzen, eine Familie gründen und ein Haus bauen… aber dann kann man keine Ultraläufe mehr machen… so muss das noch Zeit haben… nächstes Jahr… Juni… Biel… 100 km… nein, Irena war nur ein Witz, das sind doch eh nur Verrückte die so was machen.

Heidelberg im September 2006
Angus




© Frank Gussenstätter, 02.12.2006

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