Zufälliges Zitat

"Wenn ich im Sinne des Ultrasports wetten müßte, auf Restmeter oder Erkrath,.....ich würde auf Erkrath setzten."

Wolfgang Gräf

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Steffen Fennig zum Lauftage 100 KM Biel-Bienne:
Steffen Fennig , 11.07.2008

Tagebuch eines Wahnsinnigen Teil III

Die letzten Drei Kilometer

Ich nehme mir vor, ab jetzt konstant zu laufen, egal ob Anstieg oder Hügel oder nicht. Man sieht schon die ersten großen Häuser von Biel, mit bunter Werbung auf den Dächern. Gesagt, getan. Ich winkle die schmerzenden Arme und trabe los. Vorbei am Läufer in grüner Hose und dem Fahrrad Tross. Während des Laufens merke ich, wie der Coach immer kurz hinter mir bleibt und der grüne Mann hinter mir her läuft. Ich höre ihn schnaufen und höre seine Schritte. Fast komme ich mir vor, wie Paula Radcliffe bei Ihrem New York Marathon, wo über Kilometer die Verfolgerin im Nacken saß. Da ich gedenke meine Ruhe zu bekommen, versuche ich das Tempo etwas zu beschleunigen. Tatsächlich geht die Taktik auf. Der grüne Mann hat wohl nicht mehr die Körner und lässt abreißen. Inzwischen geht es nach rechts über einen Acker, vorbei an einer Wiese und über eine staubige sonnenüberflutete Baustelle. Nur noch EIN Kilometer. Unglaublich.
Das Ziel
Ich kann es selbst nicht glauben, aber plötzlich kommt die Kraft zurück. Ich kann die Beine heben, mein Herz klopft. Da vorn den Einen in schwarz, den will ich mir noch krallen. Natürlich weiß ich, dass das eine sinnlose Aktion ist, aber es macht mir einfach Spaß und es heißt ja auch Wettkampf, oder? Im Fall. Fast im Spurt laufe ich in die Endzeile ein und sehe die ersehnten roten Messmatten. Doch was ist das, rechts in 50 bis 100 Metern Entfernung sehe ich noch einmal eine Matte, blau belegt und die Uhr. Also weiter laufen, auch wenn es weh tut. Jetzt endlich ist es vorbei. Nach 13 Stunden und 2 Minuten piept die Magnetmatte, ich bin im Ziel. Eva wartet schon, sie freut sich mit mir und drückt mir einen Kuss auf die salzige Wange. Was sie später noch lange schmeckt und sicher bereut. Für einen kurzen Moment schießen mir die Tränen in die Augen, die Emotionen kommen hoch. Aber entweder ich bin zu dehydriert oder zu erschöpft, heulen kann ich jedenfalls nicht. Der Data Chip muss vom Schuh entfernt werden, da mir alles weh tut, hilft mir Eva wieder.

Danach

Ich fühle mich dreckig, speckig, wie mit Seife eingerieben. Wir gehen gleich in die Eishalle und dort werden Finisher Shirt und Urkunde ausgegeben. Schließlich will man seinen Sieg ja auch beweisen. Ich ziehe die Schuhe aus und die Socken, eine Wohltat. Die Medaille wurde mir gleich nach dem Einlauf umgehangen. Ich bin als 1266 ins Ziel gelaufen und stolz wie Bolle. Das soll erst einmal jemand schaffen. Nachdem die Siegestrophäen eingesammelt sind, geht es in Richtung Dusche. Ausziehen geht gerade noch so. Ich schleiche ins Duschzelt, das Wasser tut gut. Ich muss den Kamm ablegen und komme nach dem duschen kaum noch runter. Anderen scheint es aber auch nicht viel besser zugehen. Der Nagel ist natürlich blau. Auch egal, jetzt sind wenigstens an beiden Füßen die Zehen blau, da sieht es einheitlicher aus. Zurück in die Umkleidehalle. Eva muss mir in meine Unterhosen helfen und muss mich nackig sehen, aber das ist hier in der Halle wirklich jedem egal. Es ist schon nach Zwölf Uhr. Gestern Abend um 22 Uhr sind wir hier aufgebrochen, um 100 km zu bewältigen und wir haben es geschafft. Wir gehen zum Auto, es geht zurück zum Hotel. Dort kurz ruhen und am Abend gönnen wir uns ein leckeres kalorienreiches Essen mit Rotwein. Dann ins Bett und schlafen. Traumlos aber glücklich.



© Steffen Fennig, 11.07.2008

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