Zufälliges Zitat

"Ich bin krank, aber nit so krank, dass ich nit 24-stunden laufen könnte"

Stefan Schlett, erkältet in Wörschach

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Nina Schumacher zum Röntgen-Supermarathon:
Nina Schumacher , 26.10.2008

Mein verrücktes Abenteuer mit vielen Überraschungen!

Das wesentlichste Charaktermerkmal des Löwen ist seine gesunde Lebenskraft und sein starkes Selbstbewusstsein.
Zu den starken Charaktereigenschaften des Löwen zählen Entschlossenheit, Mut und Siegesbewusstsein. Man mag ihm auch Arroganz und Größenwahn vorwerfen. Doch er schafft, was er sich vorgenommen hat.

Passend zu diesem Geburts-Horoskop hatte ich vor exakt 8 Wochen eine extrem verrückte Idee!
Ich stieß aus Zufall auf die Seite des Röntgenlaufs und war sofort fasziniert!
Ich schaute mir die einzelnen Strecken, sowie Laufberichte im Internet an und wusste sofort:
Da MUSS ich mitmachen!

Als ich dies im Freundeskreis erzählte, folgten prompt die ersten Sprüche: „Bist du bekloppt? Wer macht denn so was? Freiwillig so lange laufen???

>ICH!<, dachte ich und schaute mir die verschiedenen Strecken genauer an.
Besonders reizte mich von Beginn an die lange Strecke über 63,3km!

Utopisch für jemanden, der noch nie einen Marathon gelaufen ist, normalerweise durch das Boxen (mein eigentliches Hobby! J ) eher über Kurz-Kondition verfügt und noch dazu nur knappe 8 Wochen Zeit bis zum Event hat!

Aber egal!
Ich fragte also meinen Trainer Frank Klaka im Boxclub (er läuft seit Jahren Ultras!) um Rat.
Dieser zog zuerst nur die Augenbrauen hoch und schien sich zu fragen, ob ich nicht alle Tassen im Schrank hätte. (Durchaus verständlich! J)
Trotzdem (und das hat mich SCHWER beeindruckt!!!) gab er mir einen Ratschlag nach dem anderen, bereitete Trainingspläne vor und übernahm zum größten Teil mein Lauftraining. Zumindest die langen Strecken lief ich mit ihm gemeinsam, was mich sehr beeindruckte - opferte er doch für mich verrücktes Huhn seine ohnehin schon knappe Freizeit!

7Wochen später musste ich beruflich in die Schweiz, er beruflich nach Hongkong.
Vorbei wars mit dem netten Training.
Ich schaffte zeitlich noch einige kürzere Läufe in meiner Gegend, die mich des öfteren auf der Schloss-Burg-MüngstenerBrücke-Eschbachtal Route entlangführten... das wars dann aber auch an Vorbereitung!

Dann war es soweit!
Die 8.Auflage des Röntgenlaufs – und ich war dabei! J
Die Startunterlagen hatte ich mir bereits am Vortag geholt, um jeglichen Stress am Lauftag zu vermeiden. Hörte aber, dass das aber alles ohne Probleme abgelaufen ist!
Nachdem ich meine Sachen beisammen hatte (ich bekam von einem freundlichen Helfer noch 2 Powerriegel, Stecknadeln für die Startnummer, Flyer und noch mehr) schaute ich noch kurz bei der gut besuchten Laufmesse vorbei.

26.Oktober 2008: 8:00 Uhr
Eine sehr gute Freundin fährt mich zum Start, damit ich hinterher nicht mit dicken Knien Autofahren muss! (Das ist auch besser so!!!)
Ich schaue mich im Startbereich um und finde meinen Startplatz (WEEEIT HINTEN NATÜRLICH!!!). Vorher lasse ich es mir aber nicht entgehen, ein Scherzfoto am „3min /km“ Schild zu machen! (Ja nee, is klar!)

8:29:50 Der Countdown läuft
Der Moderator und alle Läufer brüllen vor Vorfreude was das Zeug hält:
„...3...2...1...Go!“
Und jetzt? Erstmal geschieht gar nichts... hab ich was verpasst??? Nein, achso... das dauert erst bis die „Elite“ und die besseren Läufer aus dem Pulk ganz vorne gestartet sind.
Mir wurscht... ich habe ja meinen extra gekauften Championchip am Knöchel... kann gar nix passieren! J
Eineinhalb Minuten später kommt Bewegung in die Menge vor mir.
Es geht los!
Ich gehe los, an Laufen ist in dem Gewirr noch nicht zu denken. Macht nix! Mir ist meine Zeit eh egal!

Zuerst geht es durch das kleine Wohngebiet am Hackenberg... alles ist voller jubelnder Leute, die uns anfeuern.
Dann erreichen wir auch schon die Altstadt von Lennep... überall stehen Leute und machen mächtig Krach! J
Auf dem Rückweg, endlich auf dem Weg zum Röntgenweg, fällt mir meine viel zu hohe Geschwindigkeit auf. Das ist zu schnell für 63,3km! Meine Chancen stehen bei diesem Teilnehmerfeld eh schlecht, das Ziel überhaupt zu erreichen... also etwas langsamer...

Wir erreichen die ersten Fort- und Feldwege, es folgen schmale Waldpfade. Ich finds schön, andere nicht so. Ich höre wie sich die ersten Sorgen um ihre Gesundheit machen. Viele befürchten gleich zu fallen. Mir macht das ganze nichts aus, so was hab’ ich ja zusammen mit meinem Trainer Frank fleißig geübt!
Trotzdem folge ich seinem Rat und gehe erst einmal alle Steigungen im Schritttempo. Hin und wieder ist mir doch jemand im Weg, also wird er laufend überholt.
Klappt erstaunlich gut, aber noch sind wir ja bei gerade mal 5km!
Ich finde schnell meinen Rhythmus (wenn man das schon so nennen darf beim ersten Lauf) und finde den ersten Gesprächspartner.
Nach einigen Gesprächen, die durch schmale Wege und Steigungen unterbrochen werden, fragt sie mich, der wievielte Marathon das für mich denn sei.
Meine Antwort zaubert ihr einen lustigen geschockten Ausdruck ins Gesicht. Sie wünscht mir Glück, scheint aber nicht zu glauben dass ich es überhaupt bis zu KM21 schaffe...

Weiter geht’s! An Weihern und Gehöften vorbei. Zusammen mit dem Herbstlaub sieht das alles einfach klasse aus!
>Mein Coach verpasst was< denke ich im Vorbeilaufen und setze meinen Weg über schlüpfrige matschige Wege fort. Nicht weiter schlimm, aber einige legen sich doch auf die Nase.

Zwischendurch müssen wir einige Straßen überqueren, die sind jedoch alle sehr gut von Feuerwehrmännern, Polizisten und Helfern vom THW gesichert. Großes Lob an die vielen Leute, die den ganzen Tag da stehen und für jeden einzelnen Läufer den Verkehr aufhalten!

Laufzeit: 02:05 Std
Ich laufe in einer kleinen Läufergruppe voller Halbmarathonis... sie sagen was von „...bald da!“ und „Endspurt“... SCHON???
Kann nicht sein! Egal, weiter!
Ich erreiche eine weitere Läuferin. Sie ist extra aus Japan angereist! WOW! Respekt!
Leider hat sie Probleme mit ihren Füßen und lässt sich zuruckfallen.

02:18 Std:
Plötzlich höre ich laute Stimmen, Jubel, Geschrei... ist das etwa schon das erste Ziel??? Tatsächlich. Ein Blick auf die Uhr bestätigt das. Wir sind da! Das erste Ziel ist erreicht.
Auf einmal zieht die kleine Japanerin mit einem Affenzahn an mir vorbei...ins Halbmarathonziel.
Herzlichen Glückwunsch! Für mich geht’s aber weiter.
Doch: Da passierts: warum weiß ich nicht, aber ich knicke mit dem linken Fuß weg und falle aufs linke Knie. AUTSCH! Das tat weh!
Ich bemerke, wie hinter mir noch jemand ins Strudeln gerät und will zur Seite wegrobben... zu spät! Zwei weitere Läufer stürzen an der gleichen rutschigen Stelle. Ich versuche noch aus dem Weg zu kommen und pralle dabei dummerweise mit dem Rücken auch noch gegen eine Leitplanke.
Nochmal AUTSCH! Als ich mich wieder aufrappele bemerke ich, dass mehrere Helfe auf uns zukommen. Die beiden Läufer haben sich verletzt und müssen knapp vor dem Halbmarathonziel aufgeben! Schade. Doch die Helfer packen die beiden unter den Armen und helfen ihnen über die Ziellinie! Toll!
Mit zerknirschtem Gesicht geht’s für mich aber weiter! Ein „Indy“ kennt keinen Schmerz! :-P
Jetzt laufe ich durch den Ziel-Teil, der für die Weiterläufer gekennzeichnet ist.
Der Moderator vor Ort erkennt meine Startnummer und posaunt es durch die Boxen:
„Und hier kommt die Ultra-Läuferin Nina Schumacher aus Remscheid! Sie startet für den Boxclub Wipperfürth!“
Naja... sind ja erst knapp 20km, aber irgendwie schon cool, wie er das sagt! J

Weiter geht’s, für die Marathonis und Ultra-Läufer um eine Ecke, da kommt auch schon der nächste Verpflegungsstand.
Es wird etwas ruhiger auf der Strecke, da die meisten Läufer ja schon fertig sind J.
Ich trabe gemütlich weiter durch die nun folgenden Wälder und bin überrascht wie gut es mir wieder/noch geht.
Nach einer Steigung, die mir doch sehr bekannt vorkommt, liegt sie plötzlich vor mir: Die Müngstener Brücke! Den Anblick kenne ich zwar schon von Trainingsläufen, aber während dem Wettkampf ist das doch was anderes!
Mit einem breiten Lächeln setze ich meinen Weg durch den Wald fort. Ich freue mich jetzt schon auf ein weiteres Highlight!
Und da ist es auch schon! Nach einigen weiteren Kilometern erscheint die wunderschöne Schloss-Burg! Genau an einem Verpflegungsstand, durch eine Schneise hindurch, kann man das imposante Bauwerk sehen.
Ich bin zuversichtlich und kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen!
Und weiter!
Kurz vor Preyersmühle (ganz in der Nähe von meinem Zuhause!J) meldet sich mein linkes Knie wieder zu Wort. Alles krampft sich am linken Bein zusammen und ich bin gezwungen einen leichten Berg zu gehen. Aber über die Zeit mache ich mir keine Gedanken.
Nach einigen Minuten bin ich oben angekommen und schaue auf die Uhr. UupS! Wenn ich weiterlaufen will, sollte ich ein wenig Gas geben!
Schon fasst 5Std!
Jetzt aber schnell!
Ich ignoriere die Schmerzen im linken Bein und gebe richtig Gas!
Ruckzuck habe ich das Eschbachtal erreicht und somit das zweite Teil-Ziel im dortigen Freibad.
Kurz hinter dem Ziel steht meine Freundin Annemarie am Streckenrand und hat meine „Notfalltasche“ dabei! JUHUU!!! Noch besser: Zwischen ihren Beinen lugt auf einmal meine Hündin „Shirley“ hervor! Nochmal JUHUU! Die kleine Maus bewirkt bei mir einen enormen Motivationsschub!
Einmal Klamotten wechseln bitte! Durch die letzten paar Kilometer bin ich ganz schön verschwitzt!
Als ich die lange Laufhose abstreife fällt mir die Abschürfung an meinem Knie auf. Die Füße schaue ich mir gar nicht erst an! Der Lauf hinterlässt seine ersten Spuren!
Auf den Rat meiner Freundin, doch einfach hier aufzuhören, kann ich nur mit dem Kopf schütteln! NIX da! Ich laufe weiter!
Mein Hund kann sich nur schwer von mir trennen, aber ich vertröste sie auf später.
Nur 10m weiter gibt’s die nächste Überraschung! Izzet, ein weiterer Coach aus dem Boxclub, kommt den Weg hinuntergelaufen, besorgt, er könnte mich verpasst haben!
Er hat sogar was zu trinken mitgebracht! Ich freue mich riesig, dass er es geschafft hat!
Aber lange Zeit zum Plaudern gibt’s nicht! Ich muss weiter! Jetzt steht mir der schwerste Abschnitt bevor und für einen Moment bleibt mir mein Lächeln im Hals stecken.
Bei KM45 passiert es dann: Rién ne va plus! Mein Bein streikt, der Fuß erst recht und durch das schiefe Laufen auf den letzten 5km tut mir auch noch die andere Seite weh.
Zum ersten Mal kommen mir Zweifel, ob ich das heute überhaupt schaffe!
KM47 (geschätzt)... es wird immer schlimmer. Langsam bekomme ich Angst! Ich will unbedingt die Strecke schaffen! Egal mit welcher Zeit!
Ein paar hundert Meter weiter gibt’s dann eine große Überraschung! Mehrere Freunde warten an einem Verpflegungsstand auf mich!
Allein sie zu sehen, lässt mich die Schmerzen vergessen.
Ich gehe noch etwas, dann geht’s im Laufschritt weiter. Aber nicht weit!
Bei KM48 ist schon wieder Feierabend! Das Bein will einfach nicht!
Ich quäle mich weiter, bis kurz vor KM50, ich sehe die Zeitmessanlage und laufe los. Und weiter.
Bei KM55 läuft bei mir GAR NICHTS mehr... Schritttempo... und das für die gesamte Reststrecke! Ich versuche, weder an Zeiten und Beine zu denken und genieße einfach die schöne Aussicht. Das Pochen im Bein wird großzügig ignoriert!
Auch das noch! Jetzt, kurz vor Ende, fängt es auch noch an zu regnen.
Gerade als ich denke, es kann ich schlimmer werden, hört der Schauer aber auch schon wieder auf!
Im Schritttempo hole ich zu mehreren Läufern auf, die mich vorher mit Mitleidsgesichtern überholt haben. Ätsch! Ihr seid mich noch nicht GANZ los! :-P
Ein älterer Mann im Walk.Lauf-Geh-Schrittmix zieht an mir vorbei. Ich beiße sämtliche Zähne zusammen und hänge mich wie ein “Wadenbeißer“ an seine Fersen.
Es geht um die halbe Wuppertalsperre und wieder ab in den Wald. Langsam wird es dunkel, doch die Aussicht ist immer noch schön!

KM60:
Ich habe mittlerweile den alten Herrn überholt und gehe im Schritttempo weiter.
Ich glaube nicht mehr daran, überhaupt noch anzukommen! Trotz restlicher 3,3km!
Jeden Moment rechne ich damit, dass meine Knie einfach einknicken und ihren Dienst verweigern.
Ich bin seit mehreren Kilometern alleine unterwegs, ausser der kurzen Verfolgungsjagd mit dem alten Herren eben.
Mittlerweile müsste ich doch der letzte sein, oder? Glaube ich zumindest!
Jetzt geht es zurück auf die Asphaltstraße. Meine Knie bedanken sich! (oder auch nicht!!!).
Aber gottseidank dauert es nicht lange und der Weg geht von der Straße ab in einen mehr oder weniger asphaltierten Feldweg.
Steil zieht sich der Weg vor mir dahin und mir schwinden sämtliche Hoffnungen! Der Lauf war super schön, aber jetzt ist Ende!
Doch da: Ganz oben sehe ich eine nur allzu bekannte Silouette! Meine Freundin samt Hund sind da oben und kommen mir entgegen!
Der Blick reicht! Plötzlich sind die Knieschmerzen vergessen!
Ich schaue mehr zufällig auf die Uhr: Bis zum Zielschluss sind es noch 10min!
Jetzt aber!
Ich nehme buchstäblich die Beine in die Hand und rase den Berg rauf.
Als ich meinen Hund erreiche ist dieser ausser sich vor Freude und nicht mehr dazu zu bewegen, bei meiner Freundin zu bleiben. Diese kann gar nicht mit mir mithalten, so viel Gas gebe ich jetzt! Auf einmal macht das Laufen wieder Spaß!
Ich packe also meinen Hund und mache mich auf die letzten 500m!
Da ist das Ziel!
Alle Freunde, die mich bisher begleitet haben, stehen genau hinter der Zeitmatte und jubeln mir zu!
Beim Überqueren der Matte falle ich dem ersten schon in die Arme: Es ist mein Boxtrainer Izzet, der sich mit mir zusammen freut! Er hat sogar seine hochschwangere Frau mitgebracht, was mich sehr rührt!
Da kommt auch meine Freundin angelaufen!
Zusammen machen wir ganz stolz Zielfotos. Die Zeit: 8:53! WOW! UNTER 9 Stunden! Hätte ich nicht mehr mit gerechnet! J
Und noch eine Überraschung:
Hinter mir sind noch Läufer!
Mit einem breiten Lächeln machen wir uns auf den Weg nach Hause, die Ultra- Medaille baumelt mir um den Hals.
Ein voller Erfolg!
Die Zeit ist mir, wie anfangs gesagt, VOLLKOMMEN EGAL! Ebenso die Platzierung!
Ich habe an diesem Abend ein persönliches Ziel erreicht!
Vor 8Wochen hätte ich noch nicht einmal ansatzweise geglaubt, dass ich überhaupt einen Marathon schaffen könnte... und jetzt halte ich eine Ultramarathon-Medaille in der Hand!
Ich glaube, heute darf ich stolz auf mich sein!
Und wer weiß, vielleicht trainiere ich beim nächsten Mal auf eine bestimmte Zeit? ;-) Ausserdem werde ich viel eher mit der Vorbereitung beginnen!
Eines steht für mich jetzt aber schon fest: Ich komme wieder!
J


© Nina Schumacher, 26.10.2008

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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