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Elisabeth Herms-Lübbe zum KiLL 50 (12.11.2009)

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Alle zeigen - Bericht von Elisabeth Herms-Lübbe zum KiLL 50:
Elisabeth Herms-Lübbe , 12.11.2009

Notizen zum KILL50




Diesmal, bei der zweiten Auflage des KILL50, waren Start und Ziel woanders, in Neuhof. Ich kannte diesen Sportplatz schon vom letzten Jahr, als ich am Zaun hin- und hergelaufen war und die Abzweigung in den Wald nicht gefunden hatte. Da war meine Stirnlampe auch nicht so stark.

In kleinen Gruppen zu laufen ist wegen der Orientierung besser. Meine Lauffreundin hatte kurzfristig abgesagt. Sonst wollte keiner so recht mit mir starten, weil ich ja ziemlich langsam bin. Und zur Last fallen wollte ich auch keinem. Der KILL ist schon ziemlich schwer, und dann noch diese psychische Härte dazu. Ich sag´s ja, das ist kein Sport, das ist Charakterschule.

Zum Start erschien der leibhaftige Tod.

Unverdrossen lief ich los. Schon bald waren die Lichter der anderen Läufer verschwunden. Mein eigenes war neu und stark. Die Markierungen blitzen in großer Zahl vor mir auf. In der fast noch lauen Novembernacht waren allerlei mottenartige Nachtschmetterlinge unterwegs, die ebenfalls aufleuchteten.

Die unbefestigten Waldwege waren aufgeweicht. Bald war ich mit einem Fuß so stark in den Schlamm getreten, dass er in den Schuh eindrang. Das gab – viel später – eine große Blase unter dem Fuß.

Wie zwei bunte Laternen am Martinstag leuchteten schon von weitem die beiden Zelte auf dem Sportplatz in Sibbesse. In einem gab es Kaffee, Kaffee, Kaffee und Brühe, in dem anderen waren die Dropbags und auch Günther, der sich gerade umzog. Mit Günther hatte ich im vergangenen Jahr einen Teil der Strecke bewältigt. Gemeinsam verließen wir die Verpflegungsstelle. Bald war ich ziemlich schläfrig im Kopf und bin vor mich hin getrottet, ohne groß etwas wahrzunehmen. Auf dem Streckenabschnitt fühlte ich mich ziemlich sicher. Auch sicher vor Wildschweinen, denn ich hatte gelesen, dass dieses Jahr ein Mastjahr ist, die Schweine voll gefressen und faul und der Nachwuchs stark übergewichtig. Ob sich die Schweine wohl auch sicher vor uns fühlten? Es ist schon gut, nicht so viele Läufer auf die Strecke zu lassen.

Nach viel Kaffee gingen wir auf den dritten, mit 30 km längsten Teil der Strecke. Einmal waren wir in einem Dorf, das letztes Jahr nicht da gewesen war, also falsch. Brille raus, Karte raus, zurück, der Wald hatte uns wieder. Die liebevoll mit Leuchtpunkten dekorierte Brücke kam, und dann waren bald alle Punkte weg. Brille raus, Karte raus, Kompass auch, diskutiert, so richtig falsch konnten wir nicht sein, also mit Unbehagen weiter. Nach einer ganzen Weile dann ein Punkt, Erlösung. Hinauf auf den Tosmarberg, oben endlich ein waldfreies Stück, von dem man die Lichter von Hildesheim sah. Ich freute mich nach der Matsch- und Holperpiste schon auf die vertraute Waldautobahn hinunter in das freie Feld. Aber nein, Streckenumlegung, weiter Trail hinter einem Dorf längs. Der Morgen begann zu dämmern. Auf dem Feld war schon eine frühe Spaziergängerin mit Hund unterwegs.

Dann war ein extrem matschiger Anstieg zu erklimmen, ich habe mich mit den Händen an dreckigen Grasbüscheln festgehalten. Diesen Anstieg hatten wir im vergangenen Jahr verpasst und waren danach im Regen herumgeirrt.

Nach einer Weile blitzen unerwartet mehrere paarige Leuchtpunke auf, wir hatten Rindern in die Augen geleuchtet. Letztes Jahr waren wir hier schon fast im Ziel gewesen, dies Jahr mussten wir noch weiter. In dem folgenden Waldstück begegneten uns Jogger, die viel schneller und sauberer waren als wir.

Durch die Klosteranlage von Marienrode sind wir diesmal nicht gekommen, schade, das ist ein schöner Anblick. Vielleicht hatte man Hemmungen, am alten Gemäuer Markierungspunkte anzubringen? Eine Steigung noch, eine Zacke und Ziel! Dort mochte man gar nicht laut sprechen, weil der Boden voller Schläfer war. Bald gehörte ich auch dazu. Nach fast 81 km war ich erschöpfter als im letzten Jahr. Trotzdem: es gibt eine gute Erinnerung mehr an kühle, friedvolle Wälder in der Nacht und liebe Menschen, die das alles organisiert haben.

Die Ausfallquote war in diesem Jahr viel höher. Einer hatte sich „verpeest“ (zu schnell gelaufen), ein anderer sich verletzt, manche hatten einfach nicht mehr gewollt. Bei der Siegerehrung waren alle guter Dinge. Es war wieder eine aufwändige, bis ins Detail liebevoll gemachte Veranstaltung.

Ich habe gehört, dass nach dem 500-km-Nonstop-Radrennen von Trondheim nach Oslo darauf geachtet wird, dass kein Teilnehmer sofort in sein Auto steigt und nach Hause fährt. Das ist zwar bevormundend, aber sicherlich nicht sinnlos. Mit müdem Kopf zu fahren ist schon unangenehm. Ich kenne die Rastplätze zwischen Hildeshein und Kassel mittlerweile schon recht gut, weil ich auf fast allen ein Nickerchen gemacht habe. So habe ich mich dann wie immer bis nach Hause durchgehangelt.


© Elisabeth Herms-Lübbe, 12.11.2009

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


Kommentare Kommentare zu diesem Bericht:
 
  • KILL50 hallda0707 21-11-2009 12:40

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