Zufälliges Zitat

"Any day that you don't finish a run is still a day you went out for a beautiful run. If that's the downside, then there's no downside!"

Danny Dreyer

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Gerald Baudek zum Lauftage 100 KM Biel-Bienne:
Gerald Baudek , 19.06.2008

Eine lange Geburtstagsparty

Bieler Lauftage feiern den Fuffzichsten

Wenn ein guter alter Bekannter zum runden Geburtstag einlädt, bin ich immer gern dabei. Bietet sich doch die Gelegenheit, alte und neuere Bekannte und Freunde zu treffen, und mit Ihnen eine unterhaltsame Nacht zu verleben. Unser Freund "Bieler Lauftage" ist für seine tollen Feiern bis weit in den nächsten Tag hinein bekannt: Besondere Ehren werden denjenigen zu Teil, die sämtliche 7 Buffets nacheinander abklappern, eine Herausforderung, der sich diesmal über 2.500 der bunt kostümierten Geburtstagsgäste stellen wollen.

Bereits auf der Fahrt zur Geburtstagsfeier treffe ich einige Bekannte auf dem Bahnsteig als ich auf die Bahn Richtung Basel warte, und auch etliche andere Mitfahrer weisen sich durch bunte Hemden als Besucher früherer Partys aus, oder zeigen durch andere Accessoires (oder auch nur durch einen besonderen Körperbau) ihre Zugehörigkeit zur Szene. Die Zeit im Zug und auch danach das Warten auf den offiziellen Beginn der Party verläuft kurzweilig mit Gesprächen über vergangene Feiern, und natürlich darüber, was sich die einzelnen Gäste für heute Nacht und für die nähere Zukunft vorgenommen haben.

Um 22:00 wird endlich der "Dance-Floor" eröffnet, und zwar für diejenigen, die nichts auslassen wollen und keinen Tanz, kein Buffet verpassen wollen. Natürlich reihe ich mich genau hier ein. Viele rocken gleich los, als ob sie nur auf der klassischen Distanz von 42,195 km unterwegs wären. Die vielen Zuschauer zu beiden Seiten der Tanzfläche, treiben die Akteure noch zusätzlich an. Doch schon bald schaltet der DJ auf Schummerlicht um, und die Tänzer suchen ihren eigenen Rhytmus, der ihnen angemessen scheint. Ich bin zunächst noch hinter der Rockfans, die es zuerst haben krachen lassen, aber jetzt kommt einer meiner Lieblingteile. Nur vom Mond beschienen, später auch von den Rücklichtern der begleitenden Radfahrern, zusätzlich gewürzt mit einigen Dorfdurchquerungen (ob 2 Uhr oder 5 Uhr nachts, wo auch nur drei Bauerhäuser stehen: Die Aufmerksamkeit und der Zuspruch der kurzfristigen Gastgeber ist uns gewiss) kommt die klassische Biel-Romatik auf, die so einzigartig ist, und die den Kultstatus dieser Veranstaltung begründet hat. Vom km 38,5 bis km 56,1 habe ich mich immerhin von Platz 105 bis auf 72 vorgearbeitet, die ersten Staffeten haben bereits die eine Stunde spätere Startzeit aufgeholt. Nach einer weiteren Stärkung am Buffet wird die Musikrichtung noch eimal drastisch abgeändert. Mit einem fröhlichen "Yii-Haa" wird uns Country-Musik geboten, die Laufstrecke wird rustikal, im Scheine der Stirnlampeist ist ein Jeder bemüht, den Wurzeln und losen Steinen auszuweichen, die es auf die Zehen-Spitzen, Sprunggelenke und Bänder der Tänzer abgesehen haben. Dies ist aber ein genau abgegrenzter Abschnitt, dann geht es nochmal auf die Landstraße. Wer noch kann, wer noch Phantasie hat, hört hier seine Lieblingmusik. Die Beine übernehmen das Komando, tanzen fast ohne mein Zutun weiter, überbrücken mechanisch die Strecke. Der Kopf, der zu Beginn die Beine zu vorsichtigem Agieren gemahnt hat, möchte gern etwas schneller. Er hat aber keine Chance, gibt sich daher damit zufrieden, dass bei gegenwärtigem Tempo die Neun Stunden noch in Reichweite sind. Es zeigt sich langsam das erste Grau am Horizont. Instinktiv warte ich auf den ersten Vogel, der mit seinem Zwitschern die Musik anreichert. Ein Zeh schmerzt, eine Druckstelle am Mittelfuß. Dafür das ich gerade den Kilometer 80 zustrebe geht's mir recht gut. Die letzte Staffeten-Wechselstelle (von wo mich der Pendelbus zum Ziel bringen würde) stellt für mich keine Versuchung da. Zwei langgezogene Steigungen, und in der Ferne ist ein beleuchteter Ort zu sehen. (Biel? Nee, das muss viel weiter links sein!) Noch 15 km:Der Fußweg an der Aare, Noch 10km: Über die Brücke und nur noch Richtung Biel - The Night of the Proms: John Miles verbreitet mit großem Orchester Eurphorie. "Bald ist es geschafft" Fünf Kilometer vor dem Ziel darf sogar der Kopf wieder seinen Senf dazugeben: "Die paar Leutchen, die du vor dir siehst schaffst doch bestimmt noch" sagt er und die Beine stimmen zu, und erfüllen treulich bis kurz vor dem letzen Kilometer diesen Auftrag. Die Musik wird jetzt wieder real und kommt aus dem Zielraum. Dann hinter mir nocheinmal Fußtrappeln. Mein Rückblicken wird mit einem beruhigendem, fast schon um Entschuldigung bittenden "Stafette" beantwortet. Also darf er gern vorbei. Diejenigen, die ich zuletzt überholt habe, halten erführchtig Abstand. Der Abschnitt "95-100" wird meine zweitschnellste Zwischenzeit, nur die ersten 5 waren etwas schneller. Platz 54, in den vergangenen Jahren hätte die Endzeit von 8:46:19 locker für Top 50 gereicht, diesmal, mit dem deutlichen Teilnehmerzuwachs ist's eben anders.

Einige Stunden später tummeln sich etliche hellgrüne Hemden mit der Aufschrift "Finischer" auf dem Bahnsteig Richtung Basel. Die Party ist vorbei.- Aber nur für uns, auf der rechten Seite des Zuges sind noch Tänzer zu sehen, die sich jetzt auf den letzten 5 Kilometern befinden. "Guck mal, da kommt der Willem Mütze" - " Und dahinten, das ist doch der Sesterheim"

© Gerald Baudek, 19.06.2008

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